Staatsanwalt kassiert Polizeibericht: „Wir gehen mit Sicherheit von einem fremdenfeindlichen Hintergrund aus“

10
48952

Am Sonntagabend haben sich Polizei und Staatsanwaltschaft in einer gemeinsamen Mitteilung zum Stand der Ermittlungen nach dem Fund einer mit Sprengstoff gefüllten Handgranate bei einer Villinger Flüchtlingsunterkunft geäußert. Darin haben sie erstmals deutlich Zweifel an der These geäußert, es habe sich um einen fremdenfeindlichen Anschlag gehandelt – und sehen auch die Sicherheitsbeamten, neben deren Container die Granate aufgefunden worden war, als mögliches Anschlagsziel. Einen Tag später kassiert die Staatsanwaltschaft Konstanz diesen Bericht: „Wir gehen mit Sicherheit von einem fremdenfeindlichen Hintergrund aus“, heißt es dort. 

Immer noch ist unklar, ob die in Villingen auf dem Gelände einer Flüchtlingsunterkunft gefundene Handgranate einen funktionsfähigen Zünder gehabt hatte, ob sie hätte von selbst explodieren können. Bekanntlich war sie von Spezialkräften kontrolliert gezündet worden. 

- Anzeige -

Nach wie vor ermittele die Staatsanwaltschaft Konstanz in erster Linie wegen eines fremdenfeindlichen Hintergrunds beim Handgranatenanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in Villingen am vergangenen Freitag. Das erklärte auf Nachfrage der NRWZ der leitende Oberstaatsanwalt Hans-Jörg Roth am Montag. Die Staatsanwaltschaft gehe in der Zusammenschau der Umstände mit Sicherheit von einem fremdenfeindlichen Hintergrund aus, könne aber einen anderen Hintergrund nicht ausschließen: „Wir ermitteln deshalb auch in andre Richtungen.“

Eine Aussage in einer gemeinsamen Pressemitteilung von Staatsanwaltschaft und Polizei am Sonntag, wonach  „insbesondere“ geprüft werde, „ob ein fremdenfeindlicher Hintergrund vorliege“, sei „etwas unglücklich formuliert“ so Roth.

Die Staatsanwaltschaft gehe in der Zusammenschau der Umstände mit Sicherheit von einem fremdenfeindlichen Hintergrund aus, könne aber einen anderen Hintergrund nicht ausschließen: „Wir ermitteln deshalb auch in andre Richtungen.“ 

Sonntag hatte es noch geheißen, die Ermittler prüften die Verhältnisse vor Ort und ob die Tat möglicherweise dem dort eingesetzten Sicherheitspersonal gegolten habe. Die Granate war in der Nacht zu Freitag in Richtung Container des Wachpersonals auf dem Gelände geflogen.

Am Montagmorgen habe die Staatsanwaltschaft noch keine neuen Erkenntnisse und warte auf Laborergebnisse: „Was uns gewaltig umtreibt, ist, ob die Granate wirklich scharf war.“ Dies zu klären, sei Aufgabe der Kriminaltechniker beim Landeskriminalamt. Diese untersuchten mit Hilfe eine Gaschronomatografen die Reste der Granate auf Spuren von Zündermaterial, so Roth.

Seit Freitagvormittag, hieß es dazu am Sonntag, arbeite die Sonderkommission „Container“ weiter auf Hochtouren und setze ihre intensive Ermittlungsarbeit fort. Die Sonderkommission habe ferner Spezialisten des Landeskriminalamt Baden-Württemberg und des Bundeskriminalamtes hinzugezogen.  Darüber hinaus finde ein ständiger Austausch mit den Ämtern des Verfassungsschutzes statt.

Mit großem zeitlichem und personellem Aufwand würden die Ermittler Informationen erheben und suchten nach möglichen Zeugen der Tat. Die Ermittler haben zwischenzeitlich die Bewohner der Dattenbergstraße in Villingen – dem Tatort -, in den angrenzenden Wohnstraßen, sowie der Bedarfsorientierten Erstaufnahmestelle selbst befragt. Mit Metalldetektoren haben Kriminaltechniker den Tatort, das Geländes des Flüchtlingsheimes sowie die Dattenbergstraße abgesucht.

„Es konnten dabei keine relevanten Gegenstände aufgefunden werden. Die Untersuchungen am Kriminaltechnischen Institut des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg dauern noch an“, heißt es in der Erklärung.

Das Polizeipräsidium Tuttlingen hat nach dem Vorfall die Polizeipräsenz erhöht. Die Polizei sei mit Fachkräften zur Betreuung im Kontakt mit den Bewohnern der Bedarfsorientierten Erstaufnahmestelle.

Trotz der bundesweiten Berichterstattung seien aus der Bevölkerung bislang noch keine
Hinweise zu möglichen Hintergründen der Tat oder zu potentiellen Verdächtigen beziehungsweise Tatbeteiligten bei der Polizei oder der Sonderkommision eingegangen. Die Sonderkommision bittet die Bevölkerung um Mitteilungen zu verdächtigen Fahrzeugen und Personen, die bereits in den Tagen oder Nächten vor der Tat im Bereich der Dattenbergstraße oder im Umfeld der Bedarfsorientierten Erstaufnahmeeinrichtung wahrgenommen wurden. Hinweise nimmt die Sonderkommission unter Tel. 0741 477-200 entgegen.