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Investition in die Zukunft / Kreistag hat darüber beraten:

Kreisrat Hecht fordert Chinesischunterricht an Schulen

Von Elke Reichenbach


Chinesisch als Unterrichtsfach hat bisher in Deutschland einen Exotenstatus. Wenn auch die Zahl der Schüler in den vergangenen Jahren stark gestiegen ist, so geht der Fachverband Chinesisch e. V., eine gemeinnützige Vereinigung zur Sprachförderung, von rund 10.000 bis 12.000 Schülern bundesweit aus. In Rottweil können ausgewählte Grundschulkinder an der von der Stadt mitgetragenen Hector-Kinderakademie Chinesisch lernen. Darüber hinaus bietet die Volkshochschule die Möglichkeit, zwei Stunden pro Woche in die Sprache einzutauchen.
Foto: Archiv










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KREIS ROTTWEIL, 19. Juni - Chinesisch lernen an Rottweiler Schulen? Was auf den ersten Blick kurios erscheinen mag, macht für Kreisrat Dr. Winfried Hecht durchaus Sinn. Er würde gern chinesischen Sprachunterricht an einer Rottweiler Schule sehen. Sein dementsprechender Antrag vom Herbst vergangenen Jahres hat allerdings momentan wenig Chancen, umgesetzt zu werden. Beraten wurde darüber in der Sozial-, Kultur- und Schulausschuss-Sitzung des Kreistages am Montag.


Dr. Winfried Hecht ist unzufrieden. Der SPD-Kreisrat und ehemalige Rottweiler Stadtarchivar hat sich viel Mühe gemacht, Material zum Stellenwert des Chinesischen in unserer Gesellschaft zusammenzutragen. Die Krankenhauspartnerschaft in Rottweil ist eine Verbindung, die wirtschaftlichen Verflechtungen regionaler Firmen eine weitere, die er nennt. Für Hecht ein deutliches Zeichen dafür, dass sich auch Rottweiler Schulen der Sprach- und Kulturvermittlung des fernöstlichen Landes mit seinen 1,2 Milliarden Einwohnern zuwenden sollten. Hecht sieht das als "Investition in die Zukunft". "Der Kreis Rottweil ist stark exportabhängig und damit gut beraten, auch die Sprache der Exportpartner zu sprechen", lautet seine Einschätzung. Es sei nun an den Schulen, die Voraussetzungen dafür zu optimieren.

Er fordert deshalb, an einer Schule ab dem kommenden Schuljahr chinesischen Sprachunterricht anzubieten. Als Kreisrat kann er das für die vom Landkreis finanzierten Schulen tun. Am liebsten aber wäre ihm aber Chinesischunterricht in Rottweil. Auch eine Kooperation verschiedener Schulen kann er sich vorstellen.

Gewerbeschule: Erst Pflichtfächer abdecken

Die vom Landkreis getragenen Schulen winken allerdings ab. Stellvertretend für alle formuliert Johannes Binder, Rektor der Erich-Hauser Gewerbeschule in Rottweil, das in der Sitzungsvorlage so: "Prinzipiell bin ich bereit, neben Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch sowohl an der Berufsschule als auch an den Vollzeitschulen (Technisches Gymnasium, Berufsfachschule) Chinesisch als weitere Fremdsprache anzubieten." Binder sieht die zusätzliche Fremdsprache durchaus als Vorteil für seine Schüler. Einige absolvieren Ausbildungen in Unternehmen, welche Verbindungen zu China haben. Der Kontakt zu einer Lehrerin bestünde ebenfalls. Doch dem Schulrektor fehlt es an der passenden Lehrerstelle. Sechs Lehrer verlassen sein Kollegium zum Schuljahresende, bisher ist erst eine Stelle wieder besetzt. Ob er noch mehr Lehrerstellen genehmigt bekommt, entscheidet sich erst in den kommenden Wochen. "So lange ich nicht einmal alle Pflichtfächer abzudecken vermag, kann ich nicht ruhigen Gewissens Chinesischunterricht anbieten", unterstreicht Binder im persönlichen Gespräch. Sollte sich allerdings jemand finden, der einen zusätzlichen Chinesisch-Lehrer finanziere, zeigt sich Binder nicht abgeneigt.

LG: Nur mit zusätzlichen Sponsoren machbar

Ähnlich sieht das auch Schuldirektor Wolfgang Mack, Direktor des Leibniz-Gymnasiums. Die Schule pflegt als einzige im Landkreis seit mehreren Jahren eine Schulpartnerschaft mit China. Alle zwei Jahre reist eine rund 30-köpfige Schülergruppe nach Hangzhou, eine chinesische Gruppe kommt nach Rottweil. Das nächste Mal übrigens im Juli. Vorbereitet werden die deutschen Schüler in einer China-AG, erklärt Mack. Doch der Anteil des Sprachunterrichts sei dabei marginal. Vielmehr vermittelt ein promovierter Geograph den Acht- und Neuntklässlern landeskundliche sowie kultur- und wirtschaftsgeschichtliche Hintergründe. Austauschsprache sei Englisch. Der Mann werde bereits aus externen Fördermitteln bezahlt, erklärt Mack Hätte er zusätzliche Gelder, könne er "Chinesisch-Unterricht als AG durchaus andenken". Denkbar sei auch, dass eine Firma so etwas finanziere. Immerhin bestünde eine Bildungspartnerschaft mit einem Unternehmen aus der Region, das auch in Shanghai produziert.

Biberach und Sigmaringen sind längst weiter

Winfried Hecht reicht der bisherige Minimalansatz nicht aus. "Man hätte durchaus mehr tun können", sagt er. werde in vergleichbaren Städten Chinesisch-Unterricht angeboten. Er wisse von Schulen in Biberach und Sigmaringen. "Die haben sicher auch nicht mehr Lehrerstellen", argumentiert er. "Da muss man doch mal gucken, wie die das machen." Hecht kann sich vorstellen, dass es Wege gibt, an Gelder für die Chinesisch-Unterricht zu kommen; etwa über die IHK oder gar das chinesische Generalkonsulat. So teuer könne doch eine Doppelstunde pro Woche nicht sein, lautet sein Resümee. Er werde sich in jedem Fall nicht einfach so zufrieden geben. In der Sitzung habe er Rektor Binder aufgefordert, die Kosten für den Unterricht genau zu beziffern, darzulegen woher man einen Lehrer bekommen könnte. Hecht will sich auch von seinen Kreistagskollegen nicht entmutigen lassen. Deren Begeisterung für das Projekt war, Hechts Aussage nach, "nicht so groß". "Die Diskussion weitergeführt werden", lautet seine engagierte Botschaft. "Ich hoffe, dass das rasch geschieht, und der Chinesisch-Unterricht in Rottweil bald kommt."

Info: Chinesisch als Unterrichtsfach hat bisher in Deutschland einen Exotenstatus. Wenn auch die Zahl der Schüler in den vergangenen Jahren stark gestiegen ist, so geht der Fachverband Chinesisch e. V., eine gemeinnützige Vereinigung zur Sprachförderung, von rund 10.000 bis 12.000 Schülern bundesweit aus. In Rottweil können ausgewählte Grundschulkinder an der von der Stadt mitgetragenen Hector-Kinderakademie Chinesisch lernen. Darüber hinaus bietet die Volkshochschule die Möglichkeit, zwei Stunden pro Woche in die Sprache einzutauchen.

19.06.2012, 08:19:54 Uhr




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