Führungen durch das Gebiet der ersten Rottweiler Industrieanlage
Im Salinenmuseum fanden am Tag des offenen Denkmals Führungen statt.
Foto: pm
ROTTWEIL, 18. September (pm) -
800.000 Tonnen Salz sind in der 144-jährigen Betriebszeit der Rottweiler Saline Wilhelmshall (1826-1969) erzeugt worden. Heute weisen nur noch wenige Zeugen auf diese einst wichtige und angesehene Industrieanlage hin.
Um den Spuren nachzugehen, trafen sich am Tag des Denkmals 35 interessierte Teilnehmer zu einer Führung durch das heute noch gut nachvollziehbare ehemalige Betriebsgelände.
Vorbei am Standort des ehemaligen Verwaltungsgebäudes, das Ende des Krieges durch einen Bombenabwurf zerstört wurde, ging der Weg am Feuerlöschteich entlang zum noch wichtigsten vorhandenen Gebäudezeugen einem ehemaligen Solereservoir dem „Solelanghaus“. Dort zeigte Wolfram Langbein auf, dass die Standorte von zwei ehemaligen Rundhäusern, dem zweiten Solelanghaus und dem Pferdestall heute von einem Einkaufsmarkt überbaut sind. Weiter ging der Spaziergang zur ehemaligen „Oberen Siedestrasse“ bei der durch Fotos der Gegensatz von früher und heute gut nachvollziehbar ist.
Hier, wie auch an anderen Stellen, erhielten die Interessierten von Martina van Spankeren-Gandhi Einblicke in die Arbeitswelt des 19. Jh. Die Saline Wilhelmshall war der erste große Arbeitgeber in der Stadt. Guter Lohn, Sicherheit im Krankheits- und Todesfall für die ganze Familie und ein Deputat-Speisesalz pro Person und Ziege machten eine Festanstellung sehr begehrt. Ein mehrere hundert Seiten umfassendes Amtsprotokollbuch belegt aber andererseits auch die zahlreichen Vergehen von Arbeitern, die zu Verhandlungen, Vernehmungen und Strafen geführt haben.
Weiter ging die Gruppe, am Standort der ehemaligen Waage vorbei, in die heute denkmalgeschützte Wohnanlage „Wilhelmshall“.
Am Standort des inmitten der Grünanlage stehenden Brunnens erläuterte Werner Fischer, dass die Wohnsiedlung dieses Jahr ihr 100-jähriges Bestehen feiert. Am Brunnenstock des Brunnens ist die Inschrift „19 Saline 11 Wilhelmshall“ angebracht. Sie hält das Datum der Fertigstellung der vier Laborantenhäuser oder Arbeiterwohnhäuser und der Grünanlage samt Brunnen im Jahr 1911 fest. Damaliger Architekt war der Referent des Königlichen Bergrates in Stuttgart, Oberbaurat v. Beger. Die Häuser sind äußerlich verschieden, im Innern hat jede Wohnung jedoch das gleiche Raumangebot.
Zu jeder Haushälfte gehörte ein kleiner Stall, in dem eine Ziege gehalten wurde. 1980 wurden die Doppelhaushälften an Salinebewohner veräußert. Rechtzeitig zum 100-jährigen Jubiläum der Wohnanlage hat die Stadt den Brunnen sanieren lassen. Die Firma Natursteine-Villinger in Rottweil hat einen neuen Brunnentrog geschaffen und hier an den alten Brunnenstock angefügt.
Über die ehemalige „Untere Siedestrasse“ ging der Weg zurück zum Ausgangspunkt, vorbei an dem ehemaligen Lagerhaus der Saline, das heute von der Erich-Hauser-Stiftung genutzt wird.
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