27.01.2012, 15:09:27 Uhr

Bernhard Pahlmann kehrt nach Rottweil zurück

Letzter Bericht des "Stadtbotschafters" aus L'Aquila


ROTTWEIL, 27. Januar (pm) - Am Dienstag macht sich Stadtbotschafter Bernhard Pahlmann auf die lange Heimreise, mit Wohnwagen, und diesmal mit Frau und Hund. Kurz vor seiner Heimkehr nach Rottweil sandte er seinen elften und somit letzten Bericht aus L'Aquila.


"In der letzten Woche in L'Aquila gelingen doch noch ein paar immer aufgeschobene Dinge.
Die Fahnenschwinger, in L'Aquila auch eine sehr geachtete Truppe, sind eingeladen worden, bei nächster Gelegenheit den Kontakt zu den Rottweilern durch einen weiteren Freundschaftsbesuch wieder aufzunehemen. Nach dem Erdbeben war eine Pause eingetreten. Inzwischen haben die 'sbandieratori L'Aquila aber wieder viele Auftritte und dürften sich einmal wieder blicken lassen.

Heute folgt das letzte Interview bei onda tv, wobei es auch um den baldigen Abschluss des Premium-Projekts für die bejahrten Einwohner der Wohnanlage Assergi 2 geht. Onda tv war von Anfang an sehr interessiert und hilfsbereit auf den Stadtbotschafter zugegangen.

Von diesem lokalen Fernsehsender werden demnächst auch zwei Journalisten nach Rottweil anreisen. Übrigens mit einer Fasnet-Reisegruppe, die inzwischen auf über 40 Personen angewachsen ist. Unterbringung konnte im Vaihingerhof der Arbeiterwohlfahrt Rottweil gefunden werden.

Gestern konnte noch das lange geplante Gespräch mit einem Feuerwehrmann geführt werden. In Deutschland ist es schwer vorstellbar, dass die Feuerwehr eine Abteilung des Innenministeriums ist wie hier. Es handelt sich um ein großes Unternehmen mit einem ausgedehnten Fuhrpark, der schweres Räumgerät und zur Zeit auch viele LKW zur Verfügung hat. Der Großeinsatz läuft jetzt mit Abriss von Gebäuden und dem Abtransport des Schutts. Hieran ist auch das Heer beteiligt.

Freiwillige Feuerwehren gibt es nur in kleineren Orten, vor allem im Norden des Landes wie in Trient/Südtirol. Aber auch dort kommt die Ausrüstung wohl ausschließlich von Rom. Die öffentlich angestellten 'Vigili del Fuoco' machen eine Ausbildung, vorangehende Berufsausbildung scheint nicht erforderlich zu sein. Zur Zeit der Wehrpflicht konnte man auch in Italien den Feuerwehrdienst wählen und brauchte dann nicht zum Militär zu gehen. Ein Feuerwehrmann verdient 1400 bis 1500 Euro nach 30 Jahren Dienst.

In L'Aquila gibt es circa 80 Feuerwehrleute im Hauptberuf, dann aber noch eine Anzahl von freiwilligen Helfern. Alle sind schichtweise im Einsatz. Nach dem Erdbeben, als Feuerwehrleute bis zum Umfallen gearbeitet haben, ist die Zahl in L'Aquila nur durch die vielen Mannschaften aus allen Teilen der Republik erhöht worden. Sie sind zeitweise so etwas wie die Helden der Nation gewesen. Mein Gesprächspartner, Aldo Ciuffetelli, fühlte sich und seine Kollegen ausreichend geachtet und geehrt für die großen erbrachten Leistungen.

Nicht zu erreichen war ein Besuch im Hochsicherheitsgefängnis, das nahe einem der Dörfer L'Aquilas (Preturo) seit über 20 Jahren steht. Jeder Gefragte wurde ganz ernst und fragte zurück, ob man denn wisse, dass dort die Schwerstverbrecher, etwa Mafia-Größen, inhaftiert seien. Selbst Anwälte dürften nur mit besonderer Genehmigung zu ihren Mandanten. Auch einen Zeugen aus der Bauzeit und für die Reaktionen der Bevölkerung auf die staatlichen Baupläne konnte man trotz vielfacher Nachfrage nicht auftun. Allerdings hat auch niemand etwa behauptet, um das Gefängnis herum regiere die Angst.

Das einige Hektar umfassende Areal ist in eine zuvor landwirtschaftlich genutzte Senke eingefügt, circa ein Kilometer von umliegender Wohn- und Gewerbebebauung entfernt. Wald ist noch immer zu selten in der Umgebung L'Aquilas zu finden, so dass auch kein Wald für das Gefängnis hat geopfert werden müssen. Interessant zu wissen ist noch, dass Transporte der Gefangenen, etwa zu den großen Prozessen nach Rom, immer weniger notwendig sind, da man in der Anwendung von Video-Technik gerade für diese Prozesse schon weit fortgeschritten ist.

Am Sonntagabend veranstaltet der scheidende Stadtbotschafter einen Abschiedsumtrunk und dann geht es am Dienstag auf die lange Heimreise, mit Wohnwagen, und diesmal mit Frau und Hund. Vielleicht auch mit zwei Hunden. Es besteht noch die Hoffnung, einen Abruzzesen-Welpen als Erinnerung an eine interessante und erfolgreiche Zeit in den Abruzzen mitbringen zu können."


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