Spötter meinen, das passiere alle paar Wochen, aber es ist tatsächlich recht selten: Der Gemeinderat Rottweil hat am Mittwochabend etwas beschlossen, wovon die überwiegende Mehrzahl der Stadträte samt wenigstens dem Oberbürgermeister, nunja, keinen blassen Dunst hat. Auch wurde der Beschluss ohne sachdienliche Hinweise mittels einer Sitzungsvorlage gefasst, die etwa Zahlen und Fakten verschiedener möglicher Varianten hätte auflisten können. Und direkt nach dem Beschluss wurden Forderungen laut: „Dass muss ins Narrenblättle!“ Nun, wir können auch jetzt schon darüber berichten.

Das Lustige an der Sache, das sei vorweg genommen: Weil die Verwaltung sich erst kundig machen wollte, ist der Tagesordnungspunkt schon kurzfristig vor der vorletzten Sitzung abgesetzt worden. Man wollte sich schlauer machen, schaffte das aber bis zur nun anberaumten Sitzung offenkundig nicht.

Es geht darum, die neue Feuerwache, die zurzeit an der Schramberger Straße entsteht und die im Herbst 2017 fertig sein soll, für den Brandfall abzusichern. Einen entsprechenden Antrag hatte die CDU-Fraktion im Stadtrat gestellt.

Darin enthalten war schon der erste Fehler: Die CDU hat eine „Brandschutzmeldeanlage“ gefordert. So etwas gibt es nicht. Es gibt entweder Brandschutzvorrichtungen oder eine Brandmeldeanlage. Kurz: Was schützt, das meldet nicht, es sprinklert, zum Beispiel. Und was meldet, das, Sie werden es ahnen, das schützt, also sprinklert nicht. Monika Hugger, die den Antrag seinerzeit formuliert hatte, bestätigte das schon damals der NRWZ auf Nachfrage. Aber der Begriff „Brandschutzmeldeanlage“ war in der Welt.

Irgendwie muss sich das im Kopf des Oberbürgermeisters festgesetzt haben – denn Ralf Broß ließ am Mittwoch über eine „Gefahrenabwehranlage“ beschließen. Ein Ding, das schützt, vor der Gefahr. Zu vorgerückter Sitzungsstunde und nach leidenschaftlichen Debatten über dieses und jenes Thema hatte er vielleicht ein wenig den Überblick verloren.

Was der Gemeinderat da eigentlich wollte, war eine Brandmeldeanlage der mittleren Preisklasse, die den Ausbruch eines Feuers in der neuen Feuerwache melden soll. Und zwar nicht mit dem höchstmöglichen Luxus – direkt an die Integrierte Leitstelle, die die Rettungskräfte koordiniert und im Alarmfall gleich den ersten Rettungswagen losschickt, sondern an die Pieper, die die Feuerwehrleute am Gürtel oder auf dem Nachttischchen haben.

Einfache Rauchmelder sollten es auch nicht sein – in einer Feuerwehrhalle hängen die in sechs Metern Höhe und müssen etwa bei einem Falschalarm per Leiter ausgeschaltet werden. Und sie können nicht, um Falschalarme zu vermeiden, mal eben vorübergehend deaktiviert werden.

Diese „abgespeckte Variante“ einer Brandmeldeanlage, wie Stefan Hermann, Abteilungsleiter Hochbau, das nannte, soll etwa 22.000 Euro kosten. Gegenüber 16.000 mit den einfachen Rauchmeldern (die zu diesem Preis auch nicht gerade aus dem Baumarkt stammen können) und 47.000 Euro der Super-Duper-Luxusausführung mit allem Melde-Pipapo, aber ohne Sprinkler.

Die CDU stimmte sich nach zehnminütiger Sitzungsunterbrechung und Beratung auf dem Flur des Neuen Rathauses auch auf diese Variante ein. FFR-Mann Reiner Hils war eher dagegen: „Das ist doch ein doppelter Hosenträger.“ Das soll schon Kreisbrandmeister Mario Rumpf gesagt haben. „In Relation zu den Baukosten von sieben Millionen ist das keine Summe“, hielt Monika Hugger dagegen.

Die Feuerwehrleute haben auch ein wenig Druck gemacht. „Wollt ihr, dass das neue Rottweiler Feuerwehrgerätehaus abbrennt?“ Diese – etwas abwegige – Frage ist nach dessen Angaben CDU-Stadtrat Ralf Banholzer bei einer Veranstaltung von einem, wie er sagt, einem leitenden Rottweiler Feuerwehrmann gestellt worden. Deshalb warb FWV-Stadtrat Hermann Breucha dafür, die Emotionen etwas herunter zu fahren. Eine Brandmeldeanlage lösche schließlich nicht, sie melde nur. Die Spitze der Rottweiler Feuerwehr wohnte dieser Sitzung übrigens wieder bei.

„Im Zweifel stehen 15 Millionen Euro der Stadt Rottweil im Feuer“, argumentierte Günter Posselt (CDU). Wenn der gesamte Fuhrpark in Gefahr sei. Dann sei eine Investition im Promillebereich vertretbar. Verpflichtet ist die Stadt nicht. Eine gesetzliche Vorgabe, eine Meldeanlage einzubauen, gibt es nicht, erklärte wiederum Bauamtsmann Hermann.

Irgendwo bei diesem ganzen Hin und Her muss OB Broß der Überblick abhanden gekommen sein. Und so kann die Verwaltung nun eine „Gefahrenabwehranlage“ bestellen – ob bei der CIA, dem Mossad oder bei Putin, das ließ er offen. Es darf 22.000 Euro kosten, so wird man den Beschluss werten können. Was dafür in die neue Feuerwache kommt, wir werden es sehen. Die Feuerwehr wird ein Wörtchen mitreden.