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08.02.2010

Negativäußerungen über Gefängnisneubau beschämen mich

Vor einigen Tagen erreichte mich ein Freundesbrief des Schwarzen Kreuzes. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht straffällig gewordenen Menschen weiterzuhelfen. Darin wurde aus einem Brief eines Inhaftierten zitiert. Auf die Frage, worauf er sich freut, wenn er entlassen wird, schreibt er unter anderem: "dass ich endlich frei bin, dass ich allen, die an mich geglaubt haben, meine positive Veränderung zeigen kann, dass ich Wohnung und Arbeit habe und dass ich nicht wieder straffällig werde."

Die allermeisten haben gute Vorsätze für ihre Zeit nach der Haft. Doch dann schlägt ihnen der raue Wind unserer Gesellschaft entgegen, die sie nicht haben will; keine Wohnung, keine Arbeit, kein Geld, Ablehnung. Und irgendwann gehören Arbeitslosigkeit, Gewalt, Alkoholismus und Einsamkeit zu einem Leben, das man eigentlich nie wieder führen wollte.

Dabei fallen mir die zahllosen negativen Äußerungen über den Bau eines neuen Gefängnisses und deren Bewohner in unserer Stadt ein, die zur Zeit überall zu hören sind und es beschämt mich und macht mich traurig, dass Menschen durch Fehler, die sie unbestreitbar gemacht haben und was ich auch gar nicht beschönigen will, für alle Zeit als unwert abgestempelt werden.

Sollten wir es nicht lieber wie Jesus machen und ihnen Nächstenliebe vorleben. Nichts anderes sagt Jesus in seinem Wort der Bibel. Dort steht im Matthäusevangelium in Kapitel 25 (nachlesen wird empfohlen): "mich hungerte und ihr gabt mir zu essen; mich dürstete und ihr gabt mir zu trinken; ich war Fremdling und ihr nahmt mich auf, nackt und ihr bekleidetet mich; ich war krank und ihr besuchtet mich; ich war im Gefängnis und ihr kamt zu mir; ... Wahrlich, ich sage euch, was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, habt ihr mir getan. ... Wahrlich, ich sage euch, was ihr einem dieser Geringsten nicht getan habt, habt ihr auch mir nicht getan."

Wenn Straffällige oder auch andere gestrandete hilfsbedürftige Menschen erfahren könnten, dass sie nicht aus unserer Gemeinschaft herausfallen wenn sie gescheitert sind, sondern ihnen Hilfestellung geboten wird um wieder Fuß zu fassen wäre schon viel gewonnen. Nur so können sie die Chance für eine positive Veränderung nutzen.

Brigitte Seeger, Rottweil












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