Das Jon Lord Blues Projekt machte den Abschluss des Jazzfests 2011.
Foto: Elke Reichenbach
ROTTWEIL, 15. Mai -
Moskau, Palermo, Mulhouse, Rottweil, Graz – der Tourkalender der Allstars um Jon Lord liest sich ebenso illuster wie die Besetzung, mit der das Jon Lord Blues Project zum krönenden Abschluss des diesjährigen Jazzfestes anrückte. Das hat mit einem Konzert weniger als im Vorjahr mal eben einen neuen Besucherrekord aufgestellt und insgesamt 11.000 Zuhörer in die alte Stallhalle gelockt.
Sie haben gewaltig gewirbelt in diesem Jahr, die vielen ehrenamtlichen Helfer um das Jazzfest-Kernteam, die Programmbreite war beachtlich, die Interpreten vielfach Weltspitze – trotz gekürzter Zuschüsse und schärferer Auflagen für die Festivalmacher. Bleibt zu hoffen, dass zum Jubiläumsjahr auch eine dauerhafte Kooperationsvereinbarung mit der Stadt steht, der Gemeinderat mitzieht und Programmmacher Claus Gams seinem Vereins-Nachfolger Simon Busch ein bestelltes Feld hinterlassen kann.
Zum Abschluss des diesjährigen Konzertmarathons spielte ein Haufen alter Haudegen auf, die vergnügt und mit Leichtigkeit zusammen den Blues gaben – und vor allem im zweiten Set nicht nur den. Im Jon Lord Blues Project haben denn auch Twist und Rock’n’roll ihren Platz, spielt doch hier ein Projektensemble aus der ersten Garde des britischen Bluesrocks, dessen Mitglieder schon in den Sechzigern und Siebzigern gefeierte Stars waren.
Sie hatten bei Deep Purple, Eric Burdon, Mountain, Alexis Korner und der Spencer Davis Group die Ehre, und diese Liste ließe sich noch eine Weile fortsetzen. Einem Gutteil des Publikums war sie offenbar wohlbekannt, manch ein Bluesexperte unterhielt seine Nachbarn minutenlang lautstark mit detaillierten Fachkenntnissen, während vorn mehrstimmiger Gesang und ein Solo nach dem anderen aus den Boxen dröhnte.
Der Mixer tat sich hie und da etwas schwer, ließ der Gitarre stellenweise etwas viel Raum, der Hammondorgel vergleichsweise wenig, suchte beim ersten Einsatz der stimmgewaltigen Maggie Bell hörbar den richtigen Hallpegel, doch insgesamt überzeugten beide straff gespielten Sets mit druckvollem, klaren Sound quer durch die Halle.
Dominierte im ersten Dreiviertelstündchen noch klar der Blues der Hoochie Coochie Men, kamen nach der Pause mehr und mehr wohlvertraute, rockige Klänge zum Vorschein, Soli bis zum Abwinken von Miller Anderson, Colin Hodgkinson, Zoot Money und natürlich Jon Lord selbst, bluesgefärbt denn auch ein, sogar zwei Deep Purple-Stücke, bis ganz am Schluss Drummer Pete York nach all seinen Kollegen endlich vom Leder ziehen durfte.
Respekt, sie verstehen ihr Handwerk. Entsprechend die Stimmung in der ausverkauften Halle, doch zu weiteren Zugaben ließen sich die Altstars nach „Gimme some lovin’“ nicht mehr bewegen. Let the good times roll – 2012 geht es weiter…
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