Abgewiesene Besen-Wirte: Zu Neuanfang bereit

Abgewiesene Besen-Wirte: Zu Neuanfang bereit

Bekommen die Besenwirtschaften hinterm Schwarzen Tor doch noch eine Chance? Nachdem ihnen  die Stadtverwaltung, wie berichtet, die Genehmigung versagt hatte, haben einzelne Gemeinderäte in der Sitzung am Mittwochabend heftige Kritik an dieser Entscheidung geübt. Oberbürgermeister Ralf Broß sagte daraufhin zu, noch einmal Gespräche mit den betroffenen Betreibern über Möglichkeiten einer Kompromiss-Lösung zu führen.

Die sind dazu bereit und würden eventuell auch, trotz der knappen Zeit, kurzfristig an den Start zu gehen. „Allerdings nicht um jeden Preis“, wie Felix Greiner für den Besen „Hezelkessel“ erklärte.

Ähnlich, wenn auch etwas zurückhaltender äußert sich Robert Hak, der den „Gigantischen  Guller“  betrieben hat. „Natürlich sind wir zu Gesprächen bereit“, sagte er. „Allerdings muss ich zuerst noch mit meinen drei Kollegen und auch mit dem Vermieter reden.“

Beobachter nahmen die Diskussion im Gemeinderat am Mittwochabend verwundert zur Kenntnis. Noch im April des vergangenen Jahres hatte Hermann Breucha (Freie Wähler) die Verhältnisse in der Oberstadt während der letzten Fasnet  mit scharfen Worten angeprangert und im Namen der Anwohner Abhilfe gefordert. Niemand widersprach, was allgemein als Zustimmung gewertet wurde – wohl auch von der Stadtverwaltung. Die handelte im Sinne des Gemeinderats, versagte schließlich eine Genehmigung und nannte als Hauptgrund den Schutz der Anwohner. Nach der letztjährigen Fasnet habe es mehr als 70 Protestschreiben oder -anrufe von Anwohnern gegeben, so Ordnungsamtsleiter Jörg Alisch.

Am Mittwochabend setzte sich Jörg Stauss, Fraktionskollege von Breucha und ebenfalls Innenstadt-Bewohner, allerdings in der Unteren Hauptstraße, an die Spitze der Gegenbewegung. „Diese Lösung ist unglücklich und die schlechteste“, sagte er. Ein Verbot hätte nur zur Folge, dass mehr Leute auf die Straße vertrieben würden und somit noch mehr Lärm entstehe. Stauss verwies auf die Färberstraße in Villingen, wo es gelungen sei,  durch entsprechenden Maßnahmen wie Video-Überwachung mehr Ruhe zu schaffen. Hermann Breucha stimmte zu und erklärte, er habe bei seiner Kritik im April nicht gleich an ein Verbot gedacht.

Günter Posselt, der Vorsitzende der CDU-Fraktion, stimmte zu. Auf kein Thema sei er zuletzt so oft angesprochen worden wie auf das Besen-Verbot, sagte er. Wenn man im kommenden Jahr beim großen Narrentreffen möglichst viele Besenwirtschaften wolle, könne man sie jetzt nicht verbieten, sagte er. Vielleicht könne man mit den Betreibern über eine Kaution reden. Das allerdings kommt bei denen überhaupt nicht gut an – es wäre schon rein rechtlich problematisch, vor allem bei der Formulierung klarer Kriterien, in welchen Fällen die Kaution fällig wäre, heißt es.

Schließlich sagte OB Broß neue Gespräche der Verwaltung mit den Betreibern zu. Nicht nur die warten gespannt darauf. In drei Wochen ist der „Schmotzige“.

Dieses „Zurückrudern“ sieht nun ein Zizenhausener – er wohnt im Besen-Verbots-Bereich – im Gespräch mit der NRWZ kritisch. Dieser Anwohner ist nicht alleine, 60 bis 70 Leute der rund 250 Betroffenen in der Oberstadt waren im Sommer bei einer Bürgerversammlung im Rathaus. „Da und auch sonst hat niemand von uns gedordert, dass man die Besen zumacht“, sagt der Anwohner. „Wir wollen nur, dass man sich auf Spielregeln festlegt, und dass man dann auch entsprechend kontrolliert.“ Die Stadt sei dann zum Entschluss gekommen, die Probleme könne sie am besten lösen, wenn sie keine Genehmigungen mehr erteile. Diese Entscheidung sei gefallen, ohne dass die Verwaltung nochmal das Gespräch mit den Anwohnern gesucht habe.

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Quelle: NRWZ.de – veröffentlicht am 14. Januar 2016 von Lothar Häring (här). Erschienen unter https://www.nrwz.de/artikel/abgewiesene-besen-wirte-zu-neuanfang-bereit/106662