Ärger am Kleinspielfeld

Ärger am Kleinspielfeld

Wenn der Spieltrieb der einen und das Ruhebedürfnis der anderen aufeinanderstoßen, sind Konflikte vorprogrammiert.

SCHRAMBERG (pm) — Am Samstagabend kickt eine Gruppe junger Leute gegen 18 Uhr auf dem Kleinspielfeld. Zunächst geht alles gut. Auf Facebook schreibt am Tag drauf einer, der dabei war, was dann passiert: „Nach circa 45 Minuten jedoch fuhr ein Polizeiwagen vor das Eingangstor des Sportplatzes.“ Zwei Polizisten kommen zu den kickenden Jugendlichen und ein Beamter fragt: „Wer von euch kann hier Deutsch?“ und zeigt auf das Schild am Eingang des Kleinspielfeldes.“ Tja und da steht, dass nur Kinder und Jugendliche bis 15 Jahren den Platz benutzen dürfen.

„Wir selbst spielen schon seit Ewigkeiten mehrmals unter der Woche auf diesem Platz und wurden noch nie heruntergeschmissen“, schreibt Ni Coo und ergänzt, es seien auch keine jüngeren vor Ort gewesen, die etwas dagegen gehabt hätten, dass sie da kicken. Der Ni Coo findet den Platzverweis „äußerst schade, da der Sportplatz praktisch eine der wenigen Möglichkeiten für Freizeitaktivitäten Jugendlicher in Schramberg ist.“ Die FB- Gemeinde unterstützt ihn mächtig. Wie leider offenbar üblich manche auch gleich mit völlig abgedrehten Kommentaren, etwa die Hälfte der Schramberger sei „arbeitslos, drogenabhängig oder psychisch gestört“ kann man da lesen. Ein anderer ist gar froh, aus „dieser Drecksstadt“ wegzuziehen.

Worum geht’s? Vor sechs Jahren hat der Gemeinderat, als der Bernecksportplatz neu gerichtet war, eine Benutzungsordnung festgelegt. Darin steht, wer wann welches Feld zu welchem Zweck nutzen darf. Die Interessen der Fußballvereine, der Schulen, die den Sportplatz für den Unterricht nutzen, aber auch der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen, die sich einfach zum Bolzen treffen wollen, müssen unter einen Hut gebracht werden. Und natürlich die Ruhe-Bedürfnisse der Anwohner. Nach langer Diskussion kam als Kompromiss die Benutzungsordnung zustande. Das Kleinspielfeld wollte man den jüngeren vorbehalten, ältere sollten auf den beiden anderen, etwas von den Wohnhäusern abgelegenen Plätzen kicken können.

Und das klappt auch meistens gut. Nur ein Anwohner wehrt sich. Er hört und sieht, was dort vor sich geht. Und er ruft die Polizei. Dieses Jahr schon 15 bis 20 Mal, ist zu hören. Den Beamten selbst stinkt‘s, wenn sie mit Verweis auf die Benutzungsordnung einen Vater, der mit seinem Sohn auf dem Kleinspielfeld kickt, wegschicken sollen.

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“Wenn der Vater mit dem Sohne…”, dann kommt schon mal die Polizei. Foto: him

Oder beim türkischen Sportclub bei dessen Aufstiegsfete aufkreuzen müssen, um zu sagen, dass das Flutlicht nach 22 Uhr nicht mehr eingeschaltet werden darf. Der genervte Anwohner hat‘s gemerkt und sich beschwert.

Aber auch die älteren Jugendlichen sind recht anspruchsvoll. Beim kleinen Rasenspielfeld vermissen sie die Tornetze und der Platz sei uneben. Das Tartanfeld mache die Stollen der Fußballschuhe kaputt und werde von den Basketballern gebraucht. Mit ein bisschen gutem Willen (und Turnschuhen statt Stollenschuhen) sollten die Probleme zu lösen sein.

Und was macht die Stadt? Fachbereichsleiter Uwe Weisser: „Wir sind uns des Problems bewusst und im Kontakt mit dem Beschwerdeführer.“ Die Stadt bemühe sich um eine einvernehmliche Lösung. Inzwischen haben sich Mitarbeiter der Stadtverwaltung und des JUKS via Facebook auch an die Jugendlichen gewandt, sie zum Gespräch eingeladen und versichert, sie wüssten von dem Problem. Es träfen eben „zwei Interessenlagen aufeinander“, die es zu berücksichtigen gelte. Und: „Wir haben uns bereits der Sache angenommen.“

Kommentar: Interessenkollission

Ein Sportplatz verursacht Lärm, nicht der Platz natürlich, aber diejenigen, die ihn nutzen. Das reicht vom Kinderjauchzen bis zum Torjubel am Sonntagnachmittag. Wer sich ein Haus in der Nähe eines Sportplatzes baut, sollte das bedenken. Wer keine Spinnen mag, zieht schließlich auch nicht in ein Haus am Waldrand und beschwert sich später beim Förster über die kleinen Krabbler in der Wohnung.

Um die Interessen von Spielfreudigen und Anwohnern auszugleichen, erlässt die Stadt eine Benutzungsordnung, in der Hoffnung, die Lage zu befrieden. Bloss blöd, wenn jemand die Benutzerordnung buchstabengetreu auslegt. Dann muss die Polizei ausrücken, wenn ein, ja sicher, nicht mehr 15-jähriger Papa vorschriftswidrig mit seinem Bub kickt. Das Ganze ist schon ziemlich verrückt: Wer dem Herbstlaub mit dem Turbogebläse zu Leibe rückt oder mit der Motorsense die Grashalme kürzt, muss sich in Schramberg um keine Mittagsruhe kümmern. Ist seit Jahren abgeschafft. Doch wer auf dem Bolzplatz bolzt und das falsche Alter hat, kriegt ein Problem mit der Polizei.

Martin Himmelheber

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Quelle: NRWZ.de – veröffentlicht am 27. Juni 2015 von NRWZ-Redaktion Schramberg. Erschienen unter https://www.nrwz.de/artikel/aerger-am-kleinspielfeld/92242