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Rottweil
Samstag, 15. August 2020
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    „Das Absitzen in einem kleinen Gefängnis ist verlorene Zeit“ – ein weiterer Ex-Knacki berichtet

    In einer persönlichen Stellungnahme hat sich der frühere Gefängnisinsasse Gerhard „Gischbl“ Mauch – er saß wegen Wehrdienstverweigerung ein – gegen ein Gefängnis der Größe ausgesprochen, wie es bei Rottweil geplant ist. Heute liegt die Antwort vor. Ein weiterer Ex-Knacki berichtet: „In kleinen Haftanstalten gibt es nur stupide Arbeiten. Wenn es mal Stress mit anderen gibt, hat eine kleine JVA kaum Ausweich- und Rückzugsmöglichkeiten.“

    „Gischbl“ Mauchs Kernthese zum Gefängnis mit 400 Insassen, wie es das Land auf dem Esch bei Rottweil bauen will: „Eine Anstalt in dieser Größe und ohne Garantie auf Einzelbetreuung wird nie Garant für eine sinnvolle Resozialisierung sein. Schon gar nicht ein Vollzug in dieser Größe.“

    Das sieht ein weiterer Ex-Häftling anders: „Das Absitzen in einem kleinen Gefängnis ist verlorene Zeit.“ Die Aussage stammt von Volker S. Sein ehemaliger Arbeitgeber hat ihn interviewt. Dabei handelt es sich um Dieter E. Albrecht, Betreiber eines Abschlepp-, Pannen- und Schlüsseldienstes in Rottweil. Albrecht ist zudem Stadtrat der Freien Wähler und Befürworter des Gefängnisbaus auf dem Esch. Daher seine Reaktion.

    Die Firma Albrecht beschäftigte demnach 17 Jahre lang einen ehemaligen Schwerkriminellen. Volker S. (Name auf seinen Wunsch geändert) wurde als Heranwachsender, wegen zwei schweren Hauptstraftaten, zu zwei Haftstrafen mit mehrjährigem Freiheitsentzug verurteilt. Insgesamt musste er in verschiedenen Justizvollzugsanstalten sechs Jahre tatsächlich absitzen. Er wurde wegen guter Führung vorzeitig entlassen.

    Noch in der Bewährungszeit ist Volker S. damals vom heutigen Firmeninhaber Dieter E. Albrecht angeworben und eingestellt worden. „Anfangs hatte ich ein mulmiges Gefühl, jemanden mit solch einem Lebenslauf einzustellen“, so Albrecht. „Nach und nach stellte sich heraus, dass es ein sehr zuverlässiger und fleißiger Mitarbeiter war.

    Nach einigen Jahren hat Albrecht den Ex-Knacki sogar zusätzlich für eine Vertrauensposition als Schlüsselnotdienstmonteur ausgebildet, wie es der Unternehmer beschreibt, er habe seinem Mitarbeiter quasi das Einbrechen erst richtig beigebracht, so der Notdienstleister.

    „Ich habe insgesamt sehr gute Mitarbeiter, doch jemand, der auch bei den Kunden so überdurchschnittlich beliebt und erfolgreich war, ist mir bis heute nicht mehr untergekommen“, so der Unternehmer. Heute sei Volker S. ein wertvolles Mitglied unserer Gesellschaft, habe sich nach seiner Zeit bei Albrecht nochmals beruflich verändert. „Er ist“, so der Stadtrat, „Eigentümer eines Siedlungshauses (nicht in Rottweil), hat eine bezahlte Harley Davidson, bezahlte Sommer- und Winterautos, sowie ein mit einem Freund  gemeinsam betriebenes Wohnmobil.“

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    Anlässlich der Rottweiler Gefängnisdiskussion führte der Rottweiler Stadtrat mit seinem ehemaligen Mitarbeiter gestern nach eigenen Angaben ein längeres Gespräch, aus welchem das Eingangszitat stammt. Volker S. berichtete laut Albrecht dabei: „In kleinen Haftanstalten gibt es nur stupide Arbeiten. Wenn es mal Stress mit anderen gibt, hat eine kleine JVA kaum Ausweich- und Rückzugsmöglichkeiten. Betreuendes Personal ist ebenfalls weniger verfügbar.“

    Erst bei seiner zweiten, längeren Haftstrafe sei er in die Justizvollzugsanstalt Ravensburg mit 477 Haftplätzen gekommen. „Hier gab es hervorragende Betreuer, Sozialarbeiter und Psychologen“, so der ehemalige Häftling heute. „Mir wurde schnell eine Ausbildung als Kfz-Mechaniker angeboten, welche ich auch in der Haftanstalt mit einer erfolgreichen Gesellenprüfung abschloss.“ Diese Ausbildung sei der Grundstein dafür gewesen, dass er nach seiner vorzeitigen Entlassung kurz in einem Autohaus und dann fast zwei Jahrzehnte in Albrechts Unternehmen habe arbeiten und sich eine Zukunft aufbauen können.

    „Eine solche Resozialisierung funktioniert nur in einer größeren JVA“, kommentiert das Volker S., welcher übrigens  in Rottweil aufs Gymnasium gegangen ist und fließend englisch und französisch spricht.

     

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