Geplant waren 90 Minuten, herausgekommen sind 140: Dee Dee Bridgewater & The New Orleans 7 – starring Irvin Mayfield schafften am Samstagabend mit gut zwei Handvoll Stücken, die Alte Stallhalle zu verzaubern. Wer sie erlebte (und das waren nicht wenige), konnte eine wahre Jazzfest-Perle genießen.

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Spross einer Musikerfamilie, stand Dee Dee Bridgewater 1966 erstmals auf der Bühne. Heute wird sie selbst bald 66, blickt auf fünf Jahrzehnte Erfahrung als Sängerin und Schauspielerin zurück und ist nach wie vor mit einer virtuosen Stimme gesegnet. Zwei Wochen tourt sie Anfang Mai durch Europa und stellt ihr neues Album „Feathers“ vor.

Foto: Elke Reichenbach
Dee Dee Bridgewater live in Rottweil. Foto: Elke Reichenbach

So auch in Rottweil, wo sie erstmals zu Gast ist: „We are celebrating the birthplace of Jazz – News Orleans!“ Die News Orleans 7 indes sind an diesem Abend nur zu sechst und ohne Posaunist zugange, neben der Sängerin und ihrem Startrompeter Irvin Mayfield sind Ricardo Pascal am Saxophon, Victor Atkins am Flügel, Jasen Weaver am Kontrabass und Adonis Rose am Schlagzeug zugange.

Jeder von ihnen hat im Laufe des Abends mehrfach Gelegenheit, sein spielerisches Können auch Solo unter Beweis zu stellen, herausgepickt (und veredelt) hat sich die Truppe Stücke wie „One fine day“, den „Basin Street Blues“ oder „St. James Infirmary“, um nur einige wenige zu nennen, jeweils um lange, Jam-artige Instrumentalpassagen angereichert.

Allesamt sind hier überaus hörenswerte Musiker am Werk. Dennoch sticht insbesondere das Trompetenspiel von Irvin Mayfield hervor, der seinem Instrument aber auch wirklich alles zu entlocken vermag – röchelnd, fauchend, klagend, aufröhrend, dann wieder nahezu flötend: das Klangspektrum dieses Bläsers und seines glasklaren Ansatzes scheint schier unerschöpflich.

Manch‘ irrwitziges Duett mit Bridgewaters ebenso vielfältiger Stimme ist die logische Folge, auch sonst scherzen sie gern auf der Bühne, sind die musikalischen Kostbarkeiten von fröhlichem Austausch zwischen Sängerin, Band und Publikum umrahmt.

Dramaturgisch gekonnt endet das erste Set furios mit einem Cliffhanger, auch der zweite Block ist viel zu schnell vorbei. Zugabe um Zugabe folgt und der Abend endet nach weit über zwei Stunden Musik mit einer wundervoll jazzigen Hommage an den kürzlich verstorbenen Prince, dessen „Purple Rain“ das Publikum noch alleine weitersingt, als die Band schon die Bühne verlassen hat.

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