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Donnerstag, 6. August 2020
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    Der Gelbe Sack, das zartbesaitete Ding

    Bürgerin ärgert sich über geplatzten Sack und verschmutze Straße / Entsorger gibt Tipps

    Ein Hauch von Nichts. So hat unsere Autorin Gabi Hertkorn einst in einer ihrer Glossen den Gelben Sack beschrieben. Als „Schei… Säcke“, von denen man immer zwei nehmen müsse, damit sie nicht reißen, beschreibt sie eine Leserin auf der NRWZ-Facebookseite. Der Entsorger ALBA, der die Müllsäcke im Landkreis Rottweil abholt, hat weitere Tipps auf Lager.

    „Manchmal bin ich ernsthaft am überlegen, ob ich meinen Dreck nicht gleich auf die Straße werfe … optisch würde sich nichts ändern.“ Eine NRWZ-Leserin ist kurz davor, mittelalterliche Zustände zu schaffen. Die hatte eine andere Leserin unabsichtlich auch: Am Mittwoch morgen muss der Abholer bei ihr geschlampt haben. Sie wendet sich an die NRWZ:

    Ich bin ja sonst nicht eine, die sich über jeden ‚Müll‘ aufregt, aber heute morgen ist mir echt die Hutschnur gerissen. Vorhin wurde der gelbe Sack (über die Qualität dieser brauchen wir gar nicht reden) bei uns abgeholt und das ganze Viertel sieht aus wie im Krieg! Alles wild verstreut und rumgeschmissen! Die Straßen sehen aus wie bei einer Schnitzeljagd! Bei uns vor dem Haus waren es ja nur ein paar Plastikbecher und ein Milchkarton, aber wenn man das Charlottenwäldle runter fährt sieht es aus wie die Sau!  

    Verstreuter Müll: nur ein kleiner Teil der Sauerei nach der Abholung des Gelben Sacks am Mittwoch in einem Rottweiler Wohngebiet. Foto: privat
    Verstreuter Müll: nur ein kleiner Teil der Sauerei nach der Abholung des Gelben Sacks am Mittwoch in einem Rottweiler Wohngebiet. Foto: privat

    Wofür der Müll denn überhaupt getrennt werde und im Gelben Sack gesammelt, wenn er dann nachher über die Straße verteilt wird, fragt sie noch. Und ist sich sicher: In ihrem Falle sei’s nicht etwa ein hungriges Tier, das sich über Nacht an den draußen abgestellten Säcken zu schaffen gemacht hat, sondern der ALBA-Müllmann selber.

    Die NRWZ fragt beim Entsorger nach. Susanne Jagenburg, Pressesprecherin ALBA Group, meldet sich rasch zurück. Sie hat die Antwort auf die Anfrage beim lokal Zuständigen eingeholt, bei Peter Fimpel, Disponent bei der ALBA Süd. Dieser erklärt: „Es tut uns Leid, wenn es in diesem Fall in Rottweil zu Unannehmlichkeiten gekommen ist.“

    Dass Inhalte der Gelben Säcke verstreut liegen bleiben, „ist natürlich nicht in unserem Sinne“, so ALBA-Mann Fimpel weiter. Seine Kollegen seien angehalten, auch zerrissene Säcke und verstreuten Inhalt mit einzusammeln.

    Doch muss der Disponent des Entsorgers auch auf Zuständigkeiten verweisen: „Welche Eigenschaften ein Gelber Sack mitbringen muss, wird von Seiten des Dualen Systems Deutschland vorgegeben. Zu diesen Eigenschaften zählen beispielsweise das Material selbst und dessen Dicke oder auch die Zugfestigkeit.“ Man könnte es auch so formulieren: Dass die Dinger so zartbesaitet sind und so leicht kaputt gehen, das liegt nicht an ALBA.

    ALBA-Mann Fimpel gibt Tipps:

    Um zerrissene oder kaputte Säcke zu vermeiden, empfehlen wir, die Säcke nicht zu überladen, sondern am besten locker zu befüllen. Außerdem sollten die Verpackungen nicht fest ineinander gestopft werden, das hilft auch für die spätere automatische Sortierung und das Recycling. Und besser erst morgens früh am Abholtag rauslegen als abends, damit sie nicht über Nacht draußen liegen.

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    Einige NRWZ-Leser haben jedenfalls genug von dieser Form der Müllsammlung. „Die Säcke sind wirklich eine Katastrophe. Die reißen mit jedem Tetrapack“, schreibt eine. „Die Säcke sind total schlechte Qualität,der Müll liegt auch in Zimmern auf der Straße oder bei etwas stärkeren Wind gleich der ganze Sack“, schreibt ein anderer.

    Neuerdings gibt es ja hauchdünne gelbe Säcke, die offenbar in Asien hergestellt worden sind und die schon nicht mal mehr Aussparungen haben, aus denen der Anwender das schwarze Band zum Zuknoten heraus ziehen kann. Einmal zu stark daran gezogen, ist der Sack auch schon aufgeschlitzt. 

    In einer Forderung sind sich die NRWZ-Leser einig: die Gelbe Tonne müsse her. Neidisch schauen sie sozusagen über die Kreisgrenze nach Tuttlingen, wo es die Wertstofftonne bereits gibt.

    In Rottweil ist das auf Landkreisebene vor Jahren diskutiert worden. Damals sahen Experten vor allem Platzprobleme in den engen Gassen und Straßen etwa in Rottweil und Schramberg. Noch eine Tonne, das sollte den Bürgern nicht zugemutet worden. Und, noch gewichtiger: Die Tonnen kosten richtig Geld. Vor rund einem Jahr rechnete der Zuständige im Rottweiler Landratsamt mit mehreren zehntausend neuen gelben Tonnen, die der Kreis beschaffen müsse. Kosten von rund einer Million Euro sagte er voraus. Die Gelben Säcke kosten den Landkreis dagegen nichts. Die Bürger bezahlen sie beim Kauf der Verpackungen mit. Oder, wie es bei Duales System Deutschland heißt:

    Die Sammlung, Sortierung und Verwertung von gebrauchten Verkaufsverpackungen finanziert sich über Beteiligungsentgelte der Hersteller und Vertreiber an die dualen Systeme. Gezahlt wird nur für in Deutschland in Verkehr gebrachte Verpackungen. Dabei richtet sich das jeweilige Entgelt ausschließlich nach dem eingesetzten Material und dem Gewicht der Verpackung.

    Foto: ALBA
    Foto: ALBA

    In Rottweil sind diese Woche derweil einige Gelbe Säcke liegen geblieben. Etwa in der Innenstadt, wo heute das große Kinderfest der Stadtverwaltung startet – zwischen Müllbeuteln. Entsorger ALBA hat dafür eine einfache Begründung: „Leider haben wir aktuell einen hohen Krankenstand zu verzeichnen, weshalb wir mit der Entsorgung der Säcke einen Tag im Rückstand sind“, erklärt Peter Fimpel, Disponent bei der ALBA Süd.

    ALBA fahre aktuell in Zusatzschichten, um diesen Rückstand aufzuholen. Das Unternehmen geht gehen davon aus, bis heute, Freitag abend, wieder im Regelrhythmus zu sein.

    Fimpel: „Für die Unannehmlichkeiten, die durch die verspätete Abholung entstanden sind, entschuldigen wir uns bei den Bürgerinnen und Bürgern des Landkreises in aller Form.“

    Hinweise nimmt das Unternehmen telefonisch unter der kostenlosen Hotline 0800/22 32 555 oder per E-Mail unter schwarzwald-dunningen@alba.info entgegen. ALBA-Disponent Fimpel verspricht: „Wir gehen jedem Fall sofort nach und bemühen uns, innerhalb kürzester Zeit für Abhilfe zu sorgen.“

     

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