NRWZ.de, 25. Februar 2021, Autor/Quelle: Gastbeitrag

„Der Winter so warm, dass die Bäume blühen.“

Alfred Kurz vom Heimathaus Tennenbronn über Wettercapriolen / Teil I: 1675 – 1713

Vor allem die herrlichen Wintertagen im Januar mit der folgenden völligen Schneeschmelze und Überschwemmungen Anfang Februar, dann wieder bittere Kälte und nun wenige Tage später frühlingshafte Temperaturen haben Alfred Kunz zu diesem „Geschichtsspuren“-Beitrag angeregt. Die NRWZ dankt dafür.

Für uns heutige Zeitgenossen, die das Thema Klimaerwärmung so sehr umtreibt, ist es interessant zu erfahren, was Zeitzeugen vor 350 Jahren zum Thema Wetter und Umweltkatastrophen zu berichten wissen. Auszüge aus der Schramberger Pfarrchronik zeigen die Wetterphänomene von damals auf.

Pfarrchronik Tennenbronn: Foto: pm

 In den Jahren zwischen 1675 und 1734 haben die Schramberger Pfarrer Hieronymus Sichler, Johann Hüener, Ignatz Olwang in einer Art Pfarrchronik festgehalten, was ihnen während ihrer Amtszeit in der Welt wichtig erschienen ist. Dabei galt ein Großteil der pfarrlichen Aufmerksamkeit dem politischen Geschehen in Europa. In ihren Aufzeichnungen finden sich aber auch Hinweise auf das Wetter in der Region:

 

1680:    Es herrscht ein Winter mit großer Trockenheit und schrecklicher Kälte.

1682:    Im Januar und Februar gibt es in diesem Jahr Flutkatastrophen mit Überschwemmungen.

1683:    Ein milder Winter! Bis St. Sebastian (20. Jan.) kein Schnee. Dann aber fällt so viel, dass kaum die Spitzen der Zäune herausragen. Im Juni sorgen heftige Regengüsse für Überschwemmungen. Hagelunwetter im Sommer richten große Schäden an.

1684:    Ein Winter, der seit Menschengedenken noch nie mit solch ausgeprägter und langer Kälte gehaust hat. Durch die Kälte werden viele Wanderer getötet.

1686:    Es fällt in diesem Winter reichlich Schnee. Noch am Sonntag nach Pfingsten herrscht große Kälte.

1687:    Ein äußerst grauenhafter und langer Winter verursacht in diesem Jahr Mangel an Heu.

1688:    Um die Mitte des Sommers gibt es verheerende Überschwemmungen.

1690:    Im Juli werden in Aichhalden Bauern beim Heu aufladen von einem Gewitter überrascht. Von den sechs Personen sterben drei durch Blitzschlag.

1698:    Am 2. Juni gibt es ein gewaltiges Unwetter: Durch seine Gewalt werden Bäume entwurzelt und Häuser zerstört.

1702:    Im Juli fallen heftige Regengüsse und verursachen in Schramberg und Umgebung Überschwemmungen, wie sie solche seit Menschengedenken noch nie gegeben hat.

1706:    Es gibt einen Sommer mit großer Dürre. Fast drei Monate lang fällt kein Regen. Gegen Ende des Jahres ist es so warm, dass an manchen Stellen im Dezember die Bäume wie im Frühling blühen.

1708:    Im Frühjahr vernichten strenger Frost, im Sommer anhaltender Dauerregen die Früchte.

1709:    Der Winter ist so kalt wie er seit Menschengedenken nicht gewesen ist. Die bissige Kälte dauert im Januar und auch noch den ganzen Februar. In dieser Zeit erfrieren mehrere Menschen.
Im Juni richten Überschwemmungen im Göttelbach und im Kirnbach Unheil an.

1710:    In diesem Jahr gibt es eine reichliche Ernte.

1711:    Ab dem 23. Februar herrscht Tauwetter. Im Tal gibt es Überschwemmungen. Der zweite Teil des Sommers und der Herbst verdirbt durch Dauerregen einen großen Teil der Ernte.

1713:    An Hl. Sebastian (= 20. Januar) gibt es Überschwemmungen. Das Wasser fließt über die gefrorene Erde ab. Im Sommer und Herbst gibt es eine reichliche Ernte.

Bei der Auswertung der Chronik ist Alfred Kunz neben den Wetterkapriolen auch auf weitere interessante Einträge gestoßen. So ist bei der aktuellen „Wolf“-Diskussion beispielsweise auch ein Eintrag von 1676 interessant. Dort wird berichtet, dass in der Gegend um Schramberg Wölfe drei Kinder geraubt und aufgefressen haben.
Die Wetterkapriolen aus der Pfarrchronik werden nächste Woche noch einmal fortgesetzt.

 

„Der Winter so warm, dass die Bäume blühen.“