Flak-Helfer: Fürs Leben geprägt

Flak-Helfer: Fürs Leben geprägt

SCHRAMBERG (rm/him) – In diesem Jahr widmet der Museums- und Geschichtsverein Schramberg sein Jahresprogramm dem Ende des Zweiten Weltkriegs vor 70 Jahren. Am Freitag sprach Stadtarchivar Carsten Kohlmann über die „Luftverteidigung der Industriestadt Schramberg“.

In seinem „Zeitbild“, so Kohlmann, erinnerte er an die Generation der Flak-Helfer zu der so bekannte Persönlichkeiten wie Papst Benedikt, Nobelpreisträger Günther Grass, Martin Walser oder der Politiker Manfred Rommel gehörten. Zu seinem Vortrag waren auch Zeitzeugen aus der Region und aus Schramberg gekommen: der ehemalige Bundestagsabgeordnete Franz Sauter, der Geschäftsmann Alfred Flaig oder auch Siegfried Hummel.

Dank einer neuen Quelle, dem ausführlichen Tagebuch des früheren Geschäftsstellenleiters des Schwarzwälder Boten“, Karl Grüner, habe man heute wesentlich genauere Informationen über die Kriegszeit in Schramberg. Damals sei die Stadt nach den schwierigen Jahren in der Weltwirtschaftskrise „das Armenhaus Württembergs“ gewesen. Die Uhrenindustrie befand sich sowohl an der Geißhalde als auch in der H.A.U. an der Oberndorfer Straße. Und an beiden Stellen produzierte Junghans auch Zünder, etwa den „Fliehkraftzünder S 30“ der große Bedeutung für die Militärs hatte: „Junghans war Führungsfirma.“

Gleich 1939 zu Beginn des Zweiten Weltkrieges richtete die NS-Regierung die „Luftverteidigungszone West“ ein, um den Südwesten des Deutschen Reiches vor feindlichen Luftangriffen schützen zu können. Im Raum Schramberg ließ das Regime auf dem Lienberg, auf dem Schlossberg, am Staighäusle

...und so sieht die Baracke heute aus.
…und so sieht die Baracke heute aus.

und auf dem Auerhahn zwischen 1942 und 1945 Stellungen für ein dutzend mittlere und leichte Flakgeschütze bauen.

Ab 1940 berichtet Karl Grüner in seiner Kriegschronik regelmäßig von Fliegeralarmen. Um mögliche angreifende Flugzeuge zu täuschen, bauten die Militärs „Scheinanlagen auf, die Mauserwerke wurden bei Hochmössingen nachgebaut, beim Zollhaus ein Flugplatz.“ Und es hat funktioniert: „Die wurden auch angegriffen“, so Kohlmann.

Die Legende von der amerikanischen Ehefrau von Helmut Junghans, die einen Bombenangriff auf Schramberg verhindert habe, konnte Kohlmann widerlegen. Die Alliierten hätten Schramberg kaum angegriffen, weil für sie „die Munitionsfertigung nicht von hoher Bedeutung war.“ Wichtiger schien die Zerstörung der Schwerindustrie.

Die Flak-Geschütze im Raum Schramberg bedienten größtenteils Oberschüler, die aus dem Raum Schramberg, Rottweil, Oberndorf, Schwenningen und Tuttlingen kamen. Sie standen unter dem Kommando einiger Soldaten und waren bei ihren Stellungen untergebracht. Seit 1944 wurden auch Lehrlinge aus Schramberg zur „Heimatflak“ eingezogen. Auf die Jugendlichen habe die SS hohen Druck ausgeübt, sich freiwillig zur Waffen-SS zu melden, so Kohlmann. Diesem Druck hätten sich einige „nur mit List entzogen.“

In der anschließenden Diskussion berichteten Zeitzeugen von ihren Erlebnissen. Der katholische Pfarrer Alfons Miller etwa erzählte von unterschiedlich starker Motivation in der Gruppe und von Unstimmigkeiten: „Man musste sich durchfinden.“

Der Vorsitzende des Museums- und Geschichtsvereins, Martin Maurer, dankt Carsten Kohlmann(rechts). Fotos: Renate Much
Der Vorsitzende des Museums- und Geschichtsvereins, Martin Maurer, dankt Carsten Kohlmann(rechts). Fotos: Renate Much

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Quelle: NRWZ.de – veröffentlicht am 12. Oktober 2015 von NRWZ-Redaktion Schramberg. Erschienen unter https://www.nrwz.de/artikel/flak-helfer-fuers-leben-gepraegt/100211