Grundschule Sulgen steht vor Wandel

Grundschule Sulgen steht vor Wandel

SCHRAMBERG (him) – Die Grundschule der Grund- und Werkrealschule (GWRS) Sulgen ist seit diesem Schuljahr 2014/15 eine offene Ganztagesschule. Das bedeutet, dass die Eltern die Wahlfreiheit haben, ob ihr Kind ganztags oder halbtags zur Schule geht.

Weil ab dem kommenden Schuljahr nach den Klassen 1 bis 3 das Ganztagesangebot für alle vier Jahrgangsstufen möglich wird, ändert sich die Schulstruktur deutlich. Der Kinderschutzbund zieht sich aus seinen bisherigen Tätigkeiten zurück, und die Stadt übernimmt dessen Aufgaben. Das hat der Ausschuss für Verwaltung des Gemeinderats jetzt beschlossen.

Bisher hatte der Kinderschutzbund Schramberg an der GWRS Sulgen die Betreuung außerhalb der Zeiten der Ganztagesschule übernommen. Es gab ein Hortangebot, die Betreuung vor Unterrichtsbeginn, während der Mittagspause und nach dem Unterricht bis 17 Uhr. Die Kosten für die Verlässliche Grundschule und den Schülerhort hat die Stadt  dem Kinderschutzbund zum größten Teil erstattet.

„Der Kinderschutzbund als langjähriger und verlässlicher Kooperationspartner wird nun bedauerlicherweise zum kommenden Schuljahr 2015/2016 diese Aufgabe aufgeben“, heißt es in der Vorlage, weil sich die schulische Landschaft stark verändert habe und die Entwicklung hin zur Ganztagesschule gehe. Der Verband wolle sich in Zukunft wieder stärker auf Veranstaltungen und Lobbyarbeit für Kinder konzentrieren. Auch fehle es dem Kinderschutzbund an Nachwuchskräften „zur Bewältigung der immer umfangreicher werdenden Aufgaben.“

Die Stadtverwaltung und die Schulleitung finden, dass das bisherige Betreuungsangebot außer dem Kinderhort „im Sinne einer familienfreundlichen Stadt und zur Stärkung des Schulstandorts Schramberg auch im kommenden Schuljahr in gleichem Umfang weiterbestehen sollte.“ Ende Januar hatte die Schule die Eltern der Kinder der künftigen Klasse dazu befragt, und die Eltern wünschen sich ein solches Angebot auch. Fachbereichsleiter Kammerer erklärte in der Sitzung, dass wohl in etwa gleich viele Eltern die zusätzliche Betreuung in Anspruch nehmen, obwohl die Beiträge erhöht werden müssen. Die höheren Beiträge seien erforderlich, weil das Land die bisherigen Zuschüsse für die verlässliche Grundschule streiche. Auch seien die Beiträge lange unverändert geblieben, und eine Erhöhung jetzt gerechtfertigt.

Kammerer geht davon aus, dass auch im kommenden Schuljahr drei Gruppen der Verlässlichen Grundschule angeboten werden können. Um auch künftig die Verlässliche Grundschule ebenso wie eine Spätbetreuung zwischen 16 und 17 Uhr sowie eine Betreuung am Freitagnachmittag anbieten zu können, hat die Verwaltung vorgeschlagen, dass die Stadt Schramberg die Trägerschaft für die Angebote übernimmt. Dafür wird die Stadt die bisher beim Kinderschutzbund beschäftigten Mitarbeiterinnen weiterbeschäftigen. Dazu seien diese auch bereit, „sofern sich die Bedingungen und der Arbeitsumfang nicht verringern.“

Um das Angebot weiterhin bezahlen zu können, müsste die Stadt in diesem Jahr neben den erhöhten Elternbeiträgen weitere 23.000 Euro einsetzen.

Die Betreuungsangebote der Verlässlichen Grundschule sowie der Spät- und Freitagbetreuung ergänzen die Zeiten rund um den eigentlichen Schulbetrieb. “Diese waren bisher und können auch künftig kostenpflichtig sein.“ Die Elternbeiträge sollen ab September bei der Verlässlichen Grundschule von bisher 30 Euro im Monat auf 45 Euro steigen. Auch die anderen Beiträge für die zusätzlichen Betreuungsangebote werden sich entsprechend erhöhen

Der Kinderschutzbund (KSB) hat bisher neben den überwiegend städtisch finanzierten Angeboten auch noch eine Hausaufgabenbetreuung und eine Nachmittagsbetreuung als Hort angeboten. Die Ganztagesschule werde dieses Angebot ersetzen und diese sollen deshalb entfallen, so Kammerer. 

Thomas Brantner (CDU) lobte die gute Vorlage der Verwaltung, die rasch reagiert habe, nun solle man schnell die Eltern über das Angebot informieren. Die höheren Elternbeiträge werde man „schweren Herzens“ akzeptieren müssen. Brantner erkundigte sich nach der Situation in der Talstadt und erhielt von Kammerer zur Antwort, dass für die Berneckschule ein Konzept bis Mitte April erarbeitet werde.

Renate Much (SPD-Buntspecht), die bisher für den Kinderschutzbund die Angebote betreut, fand es „sehr begrüßenswert, dass die Eltern künftig nur noch einen Träger als Ansprechpartner haben werden.“ Die geplante Beitragserhöhung sei „nachvollziehbar.“ Nicht einverstanden war sie mit der Berechnung der künftigen Jahresarbeitszeit der Mitarbeiterinnen und mit der vorgesehenen einen Stunde Vorbereitungszeit je Woche. Statt der bisher geleisteten 741 Jahresstunden plane die Stadt nur noch mit 613 Stunden je Mitarbeiterin. Much appellierte an den Ausschuss, die Vorbereitungszeit zu erhöhen. Kammerer erwiderte, man wolle künftig einheitliche Verträge schließen und meinte, die Stunde sei ausreichend. Schulleiter Gerhard Nöhre befand, wenn spitz gerechnet werden müsse, müsse man das wohl so einrechnen. Andererseits bestehe die Gefahr, dass die Stadt gute Mitarbeiter verliere.

Oberbürgermeister Thomas Herzog fand, es sei ein vernünftiger Kompromiss und regte an, bei den Haushaltsberatungen im Herbst über eine Erhöhung zu sprechen. Much war „nicht glücklich“ mit dieser einen Stunde und fragte auch, wer denn die Koordinierung des Ganztagesbetriebes übernehmen solle. Dafür, gestand Kammerer, „haben wir noch keine Lösung gefunden, sind aber dran.“ Den Antrag von Bernd Richter (ÖDP) die Vorbereitungszeit auf eineinhalb Stunden zu erhöhen, lehnte der Ausschuss mit vier zu vier Stimmen ab. OB Herzog versprach aber, man werde im Rahmen der Haushaltsplanberatungen nachsteuern.

Insgesamt stimmte der Ausschuss der Vorlage dann einstimmig zu und bewilligte 23.000 Euro außerplanmäßige Mittel und die Beitragserhöhungen für die Eltern.

 

 

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Quelle: NRWZ.de – veröffentlicht am 17. März 2015 von NRWZ-Redaktion Schramberg. Erschienen unter https://www.nrwz.de/artikel/grundschule-sulgen-steht-vor-wandel/85053