Günter: Wir essen von fremden Tellern

Günter: Wir essen von fremden Tellern

Am Freitagabend zeigte das Eine-Welt-Kino den Film „Der Bauer und sein Prinz“ im Schramberger Subiaco. Der Dokumentarfilmer Bertram Verhaag hat den britischen Thronfolger und Landwirt und seinen Farmmanager David Wilson mehr als fünf Jahre begleitet. Im Anschluss diskutierte der promovierte Agrarwissenschaftler Josef Günter aus Tennenbronn mit dem Publikum über ökologogische Landwirtschaft.

SCHRAMBERG (rm/him) – Anlass waren die Nachhaltigkeitstage Baden-Württemberg am12. und 13. Juni Der Film zeigte „einen Prinzen, der die Vision hat, die Welt ökologisch zu ernähren und die geschun­dene Natur zu heilen“, heißt es in der Ankündigung. Organisiert hatte die Veranstaltung die Gruppe Global Marshall Plan und das Eine Welt Forum mit Unterstützung des JUKS. Den Film und die anschließende Diskussion schauten sich auch einige Schramberger „Klimabotschafter an, die Christoph Rümenapp betreut.Klimabotschafterinnen rm dk 150615

Elisabeth Wahl berichtete in ihrer Begrüßung von etwa 480 Veranstaltungen landesweit bei den letzten Nachhaltigkeitstagen. Ein Vorfilm beschrieb die Grundprobleme der industriellen Landwirtschaft. Der Hauptfilm zeigte die Möglichkeiten einer ökologischen Landwirtschaft.

Der Agraringenieur und Biolandwirt Dr. Josef Günter vom Mooshof wies auf die große Ungerechtigkeit bei der Welternährung hin. Statistisch gesehen brauche jeder Mensch für seine Ernährung 2000 Quadratmeter Fläche.Josef dk 120615 (1) In Deutschland stünden aber nur noch 1500 Quadratmeter zur Verfügung: „Wir essen also schon vom Teller der anderen.“

Er selbst sei begeisterter Agraringenieur gewesen, habe mit voller Überzeugung im chemischen Pflanzenschutz gearbeitet. Dann sei er als Entwicklungshelfer nach Afrika gegangen und dort habe er gemeinsam mit seiner Frau Erika einen neuen Blick auf die Landwirtschaft bekommen. „Frauen haben vielleicht mehr Bezug zur Natur.“ Nach der Rückkehr hätten sie den Mooshof ihrer Familie übernommen. „Bei uns müsste es also heißen: ‚Der Bauer und seine Prinzessin.‘“

Erst seit den 80er Jahren werde „Bio“ auch an den Universitäten und Hochschulen, die sich mit Landwirtschaft befassen erforscht, so Günter auf eine Frage aus dem Publikum. Viele Nicht-Regierungsorganisationen befassten sich mit Projekten der biologischen Landwirtschaft in Entwicklungsländern. „Wir könnten problemlos alle ernähren“, ist Günter überzeugt, „wenn wir nicht von anderen Tellern essen würden.“ Gleichzeitig zerstörten aus Europa exportierte und preissubventionierte Lebensmittel die einheimischen Märkte in vielen Ländern des Südens.

In der Landwirtschaft werde Raubbau getrieben, am Humus, mit der Energie. Gleichzeitig gäben die Menschen in Deutschland immer weniger für Lebensmittel aus, heute nur noch knapp 12 Prozent ihres Einkommens. Früher sei die Hälfte des Lohns fürs Essen draufgegangen. „Wir sollen Geld freihaben für höherwertige Güter“, vermutet Günter als Grund für die hohen Agrarsubventionen.

Dass Prinz Charles neben seinen Biobetrieben auch konventionelle Landwirtschaft betreibe sei richtig, er streiche auch jährlich hohe EU-Subventionen ein. Dennoch sei es wichtig, dass er zeige, dass Bio funktioniert.

Günter kritisierte den hohen Landschaftsverbrauch für immer neue Gewerbegebiete. In Waldmössingen habe die Stadt Schramberg die besten Böden der Industrie geopfert. Täglich gingen allein in Baden- Württemberg 6,7 Hektar oder die Flächen von etwa einem Dutzend Fußballfeldern der Landwirtschaft verloren.

Gefragt, was er von Maismonokulturen für Biogasanlagen halte, meinte der Agrarwissenschaftler, solche Fehlentwicklungen zu korrigieren, daure in der Landwirtschaft üblicherweise zehn bis 20 Jahre. Die „hoffnungsvolle und vernünftige Solarwirtschaft“ dagegen habe die Regierung in drei Jahren kaputtgekriegt.

Er wies schließlich darauf hin, dass die Umstellung auf Bio für Viehbetriebe leichter sei, als im Getreide- oder Gemüseanbau. Um dort Krankheiten und Unkraut auf ökologische Weise in Schach zu halten, brauche es „viel Engagement.“ Deshalb seien im Schwarzwald mit viel Milchwirtschaft schon annähern 20 Prozent der Landwirte auf „Bio“ umgestiegen, während es bundesweit erst knapp sechs Prozent seien.

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Quelle: NRWZ.de – veröffentlicht am 15. Juni 2015 von NRWZ-Redaktion Schramberg. Erschienen unter https://www.nrwz.de/artikel/guenter-wir-essen-von-fremden-tellern/91161