NRWZ.de, 23. Juli 2021, Autor/Quelle: Wolf-Dieter Bojus

Kommt die vierte Welle im September?

Corona: Fast die Hälfte der Kreisbewohner vollständig geimpft

Kommt die nächste Corona-Welle schon einen Monat früher als im vergangenen Jahr? Es gebe Anzeichen, das zu befürchten, sagte Landrat Dr. Wolf-Rüdiger Michel bei der telefonischen Pressekonferenz heute Vormittag.

Die Ansteckungszahlen derzeit sind erfreulich, mit 5,7 (Stand gestern Abend) liegt die Sieben-Tage-Inzidenz sogar deutlich unter dem Landesdurchschnitt von 11,4. Die Zahlen im Landkreis, so zählte Michel auf, haben sich seit April deutlich nach unten bewegt, von 1200 im April über 800 im Mai und 160 im Juni bis knapp 30 bisher im Juli. „Aber sie gehen seit 14 Tagen in die falsche Richtung“, und das vier Wochen früher als im Vorjahr, sagte er. Die vierte Welle könne daher schon im September einsetzen. Urlaubsrückkehrer machten bei den Ansteckungen seit 20. Juni bereits ein Drittel aus, und das vor Beginn der großen Ferien.

Risiko in südlichen Ländern

„Urlaubsreisen bergen vor allem für Nichtgeimpfte ein großes Risiko“, sagte Michel, „der richtige Ort für einen Urlaub ist Deutschland. Das ist viel besser als im Ausland, vor allem im südlichen Ausland.“ Stephan Vilgis vom Gesundheitsamt nannte auch ein Beispiel: Wegen Reiserückkehrern mussten 30 Personen einer Sportabteilung in Sulz in Quarantäne.

Impfen: Über dem Landesschnitt

Bei der Zahl der Geimpften liegt der Landkreis über dem Landesdurchschnitt, sagte Landrat Michel erfreut: 56,7 Prozent der Kreisbevölkerung seien erstgeimpft, 47,7 Prozent vollständig, „zwei Prozent mehr als der Landesschnitt“. Kreisimpfzentrum (KIZ), Ärzte und Popup-Impfungen leisteten „sehr gute Arbeit“, lobte der Landrat. „Das Impf-Interesse könnte dennoch besser sein“.

22 Delta-Fälle

Die Delta-Variante des Corona-Virus ist im Landkreis nun vorherrschend. 22 Fälle hat das Gesundheitsamt seit 12. Juni registriert, berichtete Stephan Vilgis, sieben davon seinen noch aktiv, alle in häuslicher Absonderung. Ein Delta-Patient sei im Krankenhaus gewesen, aber inzwischen wieder genesen. Keiner dieser Patienten sei vollständig geimpft gewesen, betonte Vilgis. „Vollständiger Impfschutz hilft gegen Delta.“

Die Testzentren im Kreis haben immer weniger Arbeit: In der Kalenderwoche 27 (5. bis 11. Juli) seien noch 4900 Menschen getestet worden, eine Woche später nur noch 3800. Die Anbindung an die Corona-Warn-App, bislang freiwillig, sei ab August verpflichtend, sagte Vilgis. Auf diese Weise gebe es ein digitales Test-Zertifikat.

Impf-Teams vor Ort

Das Mobile Impf-Team sei regelmäßig unterwegs, berichtete Thomas Seeger, der Leiter des Ordnungsamts. Beispielsweise in den Kreisberufsschulen in Sulgen und Oberndorf. Am 6. und 7. August gebe es ein niederschwelliges Impfen beim Kaufland in Rottweil.

Die Corona-Verordnung des Landes laufe am 26. Juli aus, berichtete Seeger. Er rechnet daher damit, dass es am Wochenende eine neue gibt. Wie diese aussehen wird, darüber sei noch nichts durchgesickert – die Frage sei, ob bei den Corona-Maßnahmen weiter nur auf die Sieben-Tage-Inzidenz abgestellt werde, oder ob auch Impffortschritt und Krankenhausbelegung eine Rolle spielten. Sicher sei aber, dass es in den Schulen in den ersten beiden Wochen nach den großen Ferien eine Maskenpflicht gebe – vor allem wegen Reiserückkehrern.

In Spaichingen, so bestätigte Vilgis auf Nachfrage, hat es beim öffentlichen Anschauen des Fußball-Endspiels der EM Ansteckungen gegeben. Aus diesem Grund sei auch in Rottweil eine Schulklasse unter Quarantäne gestellt worden. Eine Infektion aus diesem Ereignis habe es in Rottweil aber nicht gegeben.

Kommt die vierte Welle im September?