“Lieber Werner, ruhe in Frieden”

“Lieber Werner, ruhe in Frieden”

Es war eine bewegende, würdige Trauerfeier mit hunderten Teilnehmern im drängend vollen Rottweiler Heilig-Kreuz-Münster am Freitag. Es war wundervolle Musik, es flossen viele Tränen, und am Ende, würden pathetisch veranlagte Menschen vielleicht sagen, weinte sogar der Himmel. Trauergäste aus nah und fern, Wegbegleiter im engeren und weiteren Sinne allesamt, erwiesen Rottweils allzu früh verstorbenem Bürgermeister Werner Guhl die letzte Ehre.

Ehrenwache und Verabschiedung. Foto: Berthold Hildebrand
Ehrenwache und Verabschiedung. Foto: Berthold Hildebrand

Rottweil. Noch einmal blieb kein Zweifel: Werner Guhl war äußerst beliebt. Sein Tod mit 58 Jahren und eigentlich mitten im Leben, “ist eine Zäsur, wie wir sie alle nicht wollten”, sagte Münsterpfarrer und Dekan Martin Stöffelmaier. Viele hundert Menschen folgten seiner Predigt, einige stehend, viele suchten Trost, was Stöffelmaier sehr bewusst war. Diesen Trost suchte er wiederum zu spenden. Den Hinterbliebenen des Verstorbenen vor allen Dingen, aber auch den übrigen Anwesenden. Stöffelmaier leitete Trost und Zuversicht aus der christlichen, der katholischen Lehre ab, und darin weniger Beheimateten wird das noch nicht genügt haben können, um zu verstehen. Deshalb fand der Münsterpfarrer auch immer wieder persönliche Worte und machte aus seiner eigenen Trauer keinen Hehl.

Er schilderte die “hochgeschätzte Persönlichkeit” Werner Guhl als “Mann des Ausgleichs”, mit dem ihn viele, freundliche wie häufig auch fröhliche Gespräche verbunden hätten. Auch Stöffelmaier offenbarte da sein Erstaunen wie bald jeder der übrigen Anwesenden: Gestern sozusagen noch mit Guhl gesprochen, heute schon ist er unserer Mitte entrissen.

Die Krämerzunft, deren Mitglied Guhl gewesen ist, verabschiedet sich. Foto: Berthold Hildebrand
Die Krämerzunft, deren Mitglied Guhl gewesen ist, verabschiedet sich. Foto: Berthold Hildebrand

Den Grund für Guhls frühen Tod suchte Stöffelmaier im Druck auszumachen, der auf dem Bürgermeister als höchst engagiertem und motiviertem Menschen mitten im öffentlichen Leben gelastet habe. Tatsächlich war Guhl vielfältigst engagiert, beruflich wie privat.

Wunderbare musikalische Einlagen zwischendurch: mit einem bestens gestimmten Münsterchor, mit einem dramatisch schön aufspielenden Posaunenquartett, das allein durch die Wahl der Instrumente an den Posaunisten Guhl erinnerte. Mit intensiver Trauer in jedem Winkel des ehrwürdigen Gotteshauses.

Einzig Ralf Broß durfte nach Pfarrer Stöffelmaier noch reden. Als Oberbürgermeister hielt er einen, den einzigen Nachruf. Die Hinterbliebenen Guhls hatten darum gebeten, auf mehr zu verzichten.

Die Bürger Rottweils verabschieden sich. Foto: Berthold Hildebrand
Die Bürger Rottweils verabschieden sich. Foto: Berthold Hildebrand

“Lieber Werner, ruhe in Frieden”, sagte Broß, der mit seiner zu ersticken drohenden Stimme kämpfte. Alle Kraft nahm er sichtlich zusammen, um nochmals zu sagen, was in diesen Tagen so oft gesagt, aber noch nicht verstanden worden ist, erst da, vielleicht: dass wir vom beliebten Bürgermeister Abschied nehmen müssen. Für immer. Große Betroffenheit und Trauer in der Stadt und weit darüber hinaus, machte Broß aus. Was stimmte: Auch viele inzwischen in alle Winde zerstreute Weggefährten fanden am Freitag nachmittag ins Münster, um an der Trauerfeier teilzunehmen.

Broß würdigte Guhls Verdienste noch einmal und wusste ihn auch als Freund zu schildern. Als einen, der offenbar nicht  nur im Rathaus die Strippen im Hintergrund zog, sondern auch bei Broß’ Familie mit half, dass der Umzug nach und der Neustart in Rottweil gelang. Ohne großes Federlesens, wie es Guhls Art gewesen ist. Der Bürgermeister sei ihm. Broß, zu einem “wichtigen Ratgeber und vertrauensvollen Weggefährten” geworden, “der unglaublich viel geleistet hat.” Immer mit “offenen Augen und einem offenen Ohr für die Menschen.”

Broß versprach, dass Guhls Name “immer mit Rottweil verbunden bleiben” werde. Uns blieben “die Erinnerungen an einen außergewöhnlichen Menschen und sein fröhliches Lachen”, was Broß’ Stimme erneut beinahe versagen ließ.

Das “Großer Gott, wir loben Dich”, schloss das ergreifende Requiem ab — bevor dann draußen der Himmel zu weinen begann.

Seite 1 / 1
Quelle: NRWZ.de – veröffentlicht am 3. Juli 2015 von NRWZ-Redaktion. Erschienen unter https://www.nrwz.de/artikel/lieber-werner-ruhe-in-frieden/92840