Malen gegen Einsamkeit

Malen gegen Einsamkeit

Reinhard Großmann überlässt den größten Teil der etwa 3000 Bilder Zeichnungen und Collagen seiner Frau Gerlinde der Stadt Schramberg. einen entsprechenden Vertrag haben Großmann und Oberbürgermeister Thomas Herzog jetzt im Stadtmuseum unterzeichnet.

SCHRAMBERG-TENNENBRONN (him) – Zur Unterschrift unter den Schenkungsvertrag trafen sich Vertreter der Stadt und Großmann mit einigen Freunden und politischen Weggefährten, unter ihnen die ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Christa Lörcher, im derzeitigen „Gerlinde-Großmann-Zimmer“ im Schloss. Unter dem Titel „Drei Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts zeigt das Stadtmuseum Werke von Rose Sommer-Leypold, Lotte Lesehr-Schneider und eben Gerlinde Großmann.

Reinhard Großmann (rechts) dankt der Stadt für die Übernahme der Werke seiner Frau Gerlinde.
Reinhard Großmann (rechts) dankt der Stadt für die Übernahme der Werke seiner Frau Gerlinde.

In einer kurzen Ansprache würdigte OB Herzog die Bereitschaft der Familie Großmann, sich von den Bildern zu trennen. So gelinge es der Stadt, dieses Werk zeitgenössischer Kunst in die städtische Sammlung aufzunehmen und auszustellen. Er versicherte: „Die Sammlung ist bei uns in guten Händen.“

Reinhard Großmann, der viele Jahre in Schramberg am Gymnasium unterrichtet hatte und in Tennenbronn als Gemeinderat politisch aktiv war, sprach von einem „Tag voll Dankbarkeit und Freude.“ Er habe die Bilder seiner Frau nach ihrem Tod gepflegt, aber das werde für ihn immer schwieriger. Die Stadt mache ihm nun auch ein Geschenk, indem sie angeboten habe, die Bilder zu übernehmen.Großmann Bilder Vertrag Schloss dk 240715 (7)

Er erinnerte an die Lebensgeschichte seiner Frau, die nach langer Nachkriegsodyssee 1964 nach Tennenbronn gekommen war. „Sie hat die Landschaft geliebt und viele Freunde hier gefunden, die ihr beigestanden haben.“ Gerlinde Großmann erkrankte im Alter von 31 Jahren an Multipler Sklerose und war bald an den Rollstuhl gefesselt.

Um der Gefahr der Vereinsamung zu entgehen, habe sie zunächst Gedichte geschrieben und schließlich in ihren sieben letzten Lebensjahren gemalt: Ölskizzen, Collagen und Grafiken gestaltet. „Die Kreativität hat ihr geholfen über die Einsamkeit und Tatenlosigkeit hinweg zu kommen.“ Bis wenige Tage vor ihrem Tod am 27. Juli 2001 habe sie an ihren Bildern gearbeitet, erinnert sich Großmann.

Durch den Übergang des Werks an die Stadt, die sich verpflichtet hat, immer wieder ihre Bilder zu zeigen, lösten sich die Bilder von der Familie und die Betrachter seien im Dialog mit den Bildern frei in ihrer Interpretation. In Erinnerung an seine Frau las Großmann zwei Gedichte aus ihrem Gedichtband „Worte in der Schwebe“.

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Quelle: NRWZ.de – veröffentlicht am 27. Juli 2015 von NRWZ-Redaktion Schramberg. Erschienen unter https://www.nrwz.de/artikel/malen-gegen-einsamkeit/95105