NRWZ.de, 25. Februar 2022, Autor/Quelle: Andreas Linsenmann (al)

Manuel Andrack: „Hammer“-Herzlichkeit bei Rottweiler Fasnet 

Manuel Andrack, bekannt geworden als Co-Moderator von TV-Legende Harald Schmidt, hat über zwölf Monate hinweg die Welt der Narren und Karnevalisten erkundet. Und nicht nur ein erfolgreiches Buch darüber geschrieben, sondern auch die Rottweiler Fasnet sehr ins Herz geschlossen. Dass diese im zweiten Corona-Jahr doch, wenn auch eingeschränkt stattfindet, begeistert ihn.

„Richtig schön“ sei das, freute sich Andrack jüngst im Gespräch mit der NRWZ. Er war ohnehin optimistisch, dass die Pandemie Fasnet und Karneval zumindest auf mittlere Sicht nichts anhaben kann. „Ich sage der Fasnet eine großartige Zukunft voraus“, betonte Andrack. „Fasnet macht viele Menschen glücklich, die werden es weitertragen.“

Der Autor von Bestsellern über Fußball und das Wandern weiß, wovon er spricht. Ein Jahr lang hat er besondere närrische Orte besucht und ist als interessierter Teilnehmer ins Geschehen eingetaucht – von Köln über Mainz, Rottweil und Basel bis nach Venedig. Er hat dabei regelrecht eine Berufung gefunden. Obwohl in Köln geboren ist er Anfang Februar nun endlich als „Roter Funk“ der Kölner Fasnacht vereidigt worden. Das sei mit einem ähnlichen Aufwand wie die Zulassung eines Rottweiler Narrenkleidles verbunden, erläuterte Andrack. „Man braucht sogar einen Bürgen!“ Nun sei er „lebenslang Roter Funk“, unterstrich Andrack.

In drei der 30 Kapitel seines Buches „Mein Jahr als Narr“ beschäftigt er sich mit der Rottweiler Fasnet. Andrack war beim Larvenschnitzer, beim Abstauben, beim Fasnetsdienstag. Er beschreibt und erläutert das Geschehen mit frischem Blick, ohne Distanz-Getue, aber auch ohne sich gefällig ranzuschmeißen.

Dabei fasst er Wesentliches griffig zusammen und erspürt auch Ebenen, die sich Beobachtern von außen oft nicht so leicht erschließen. So schreibt er über das Aufsagen: „Das Aufsagen schafft einen Mikrokosmos der Vertrautheit, Ehrlichkeit, Offenheit und Intimität zwischen zwei Menschen, der ohne die Verkleidung, ohne Holzlarve so nicht möglich wäre.“

Im Buch wird deutlich: Je länger Andrack bei der Rottweiler Fasnet dabei ist, desto sympathischer wird sie ihm. Was ihn besonders fasziniert? „Die Vielfalt!,“ schwärmt er. Etwa bei den Larven, die ja teils sogar individuelle Züge tragen. Auch das Aufsagen hat es ihm angetan, ebenso die ganze Lebendigkeit, die Leidenschaft, die er in Rottweil wahrgenommen – im Unterschied übrigens zu manch‘ anderen Narrenorten, die er im Gespräch als „lasch“ charakterisiert. Nicht zuletzt hat ihn die Herzlichkeit berührt, mit der er als Nicht-Rottweiler aufgenommen wurde – „Hammer!“, sagt er.

Das hat auch viel damit zu tun, dass Manuel Andrack über Mathias Aiple, den er zunächst als Larvenschnitzer portraitierte, regelrecht Familienanschluss bekommen hat. Ihn nennt Andrack am Schluss des Buches ganz einfach „einen Freund“ – und nicht zuletzt über Aiple fühlt er sich seither auch Rottweil und der Fasnet verbunden.

Aus dieser Verbundenheit heraus wollte er schon mehrfach in Rottweil aus seinem Buch lesen – immer jedoch machte die Corona-Pandemie einen Strich durch die Rechnung. Aufgeschoben sei aber nicht aufgehoben, betont Manuel Andrack. Bei nächster Gelegenheit soll das nachgeholt werden, spätestens am 6. Januar 2023. Und zur Rottweiler Fasnet will er sobald es geht auch mal wieder kommen – soweit es eben seine neuen Kölner Karnevals-Pflichten zulassen.

Info: Das Buch von Manuel Andrack „Mein Jahr als Narr. Dem Geheimnis von Karneval, Fasching, Fastnacht auf der Spur“, ist im dtv-Verlag erschienen (335 Seiten) und kostet 18 Euro.

 

Manuel Andrack: „Hammer“-Herzlichkeit bei Rottweiler Fasnet