Münsterchor und Mädchenkantorei begeistern mit Adventskonzert

Münsterchor und Mädchenkantorei begeistern mit Adventskonzert

ROTTWEIL (pm) – „Arise shine!“ – oder zu deutsch „Mache Dich auf, werde Licht“ – unter diesem Motto hatten die Mädchenkantorei Auferstehung-Christi und der Münsterchor zum gemeinsamen Adventskonzert eingeladen. Gemeinsam ist beiden Chören in Person von Münsterkantor Wolfgang Weis nicht nur der musikalische Leiter sondern auch der konzentrierte Fokus auf das gemeinsam gesungene Gotteslob. Solches war dann in der Auferstehung-Christi Kirche auch durch und durch in ganz feiner Form spür-, hör- und erlebbar.

Fein war die Zusammenstellung des Programms. Nicht nur, weil dieses den beiden Chören in ihrer individuellen Klanglichkeit gleichsam auf den Leib geschnitten schien. Vielmehr durfte man hier Musik erleben, die in ihrer inhaltlichen Dimension ganz auf die jahreszeitliche Dramaturgie – also ausschließlich auf den Advent und die Erwartung der Ankunft des Herrn zugeschnitten war. Man würde sich mehr Konzertprogramme von solch dichter Geschlossenheit wünschen.

Diese inhaltlich sehr konzentrierte Linie fand ihre musikalische Entsprechung einerseits in einer stilistisch und epochal ungeheuer facettenreichen, und dadurch kurzweiligen, Vielfalt.

Zu Gehör kamen einerseits Stücke wie der einstimmige mittelalterliche Hymnus „Conditor alme siderum“ ergänzt durch den gleichnamigen, subtil gewobenen Chorsatz von Johann Stadlmayr. Dem Zuhörer strömte hier sowohl vom B-Chor der Mädchenkantorei als auch vom Münsterchor eine schlichte, wohltuende Klarheit in Klang und Interpretation entgegen.

Als Gegenpol zu solch fast puristischen Klängen setzte Wolfgang Weis skandinavische Chormusik von Otto Olsson und Fredrik Sixten oder Chorsätze des zeitgenössischen englischen Komponisten John Rutter. Ein Höhepunkt war hier sicher das monumental auftretende „Arise, shine“, in dem die Chöre mit beeindruckender klanglicher Opulenz agierten. Zum romantisch strömenden Klangbild trug hier wie auch bei anderen Stücken nicht zuletzt auch das erstaunlich präzise Orgelspiel von Stefanie Rieger bei, die die im Chorraum aufgestellten Chöre von der Orgelempore aus gekonnt begleitete.

Auf die Lichtmetapher des Jesaja-Textes bezog sich dann in seinem Wortimpuls auch Pfarrer Jürgen Rieger. Wir alle können Christus als das Licht der Welt in unserem Handeln in das Dunkel der Welt tragen.

So vielfältig das Programm war, so beeindruckend vielfältig war also auch das chorische Farbenspektrum das der Münsterchor und die Mädchenkantorei an diesem Abend darboten. Eine weitere spannende Facette bot hier das Vokal-Oktett des Münsterchores, das in mehreren Stücken als Favorit-Chor und bei Tomàs Luis da Victorias „Ave Maria“ auch solistisch ganz eigene Akzente setze, mit großer Transparenz und wohltuender Homogenität.

Zum guten Schluss stimmten zusammen mit den Chören auch die Konzertbesucher in das gemeinsame „Macht hoch die Tür“ ein. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wurden die Grenzen zwischen Konzert und lebendiger musikalischer Liturgie fließend. Das Publikum bedankte sich mit begeistertem Applaus für einen äußerst wohltuenden und atmosphärisch dichten Kontrapunkt zur oft so hektischen Advents- und Weihnachtszeit.

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Quelle: NRWZ.de – veröffentlicht am 23. Dezember 2015 von NRWZ-Redaktion. Erschienen unter https://www.nrwz.de/artikel/muensterchor-und-maedchenkantorei-begeistern-mit-adventskonzert/105631