Musterachse liefert viele Erkenntnisse für künftige Projekte

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Die Drainage fehlt noch, der Wurzelvorhang auch, doch dann ist die Sanierung der Stadtmauer-Musterachse am Schwarzen Graben abgeschlossen, wie der städtische Restaurator Stefan Widmer, der die Maßnahme verantwortet, informiert. Die Untersuchung und Sanierung der Musterachse soll als Blaupause für künftige Arbeiten an der Stadtmauer dienen.

Rottweil. Bis die Landesgartenschau im Jahr 2028 ihre Pforten in Rottweil öffnet, gibt es noch einiges zu tun, um die Stadt „aufzuhübschen“. Eine Maßnahme, die in diesem Zuge ansteht, ist die Sanierung der einstigen Stadtbefestigung – bis 2028 zumindest in den gartenschaurelevanten Bereichen. Seit gut zwei Jahren hat Stefan Widmer nun die Musterachse der Mauer am Schwarzen Graben auf Schäden untersucht, diese protokolliert und die Mauer schließlich restauriert und saniert, teils auch mit der Unterstützung spezialisierter Steinrestauratoren.

Raphael Hahn, Sachbearbeiter in der Abteilung Stadtgrün & Gewässer, hat die Sanierungsmaßnahme geleitet. Durch die Untersuchungen des Mauerwerks hat Widmer vielerlei Erkenntnisse gewonnen, die auch bei den Arbeiten an weiteren Mauerabschnitten berücksichtigt werden sollen. „Die Sanierung der Musterachse ist quasi wie ein Rezept für die Zukunft, nach dem man auch an anderen Abschnitten vorgehen kann“, erklärt er. Vor gut zwei Jahren wurde mit der Bestandsaufnahme begonnen, das Mauerwerk Meter für Meter fotografiert und die Aufnahmen analysiert. Zwei bis drei Kilometer Stadtmauer sind insgesamt noch vorhanden, schätzt Stefan Widmer.

Das historische Bild zeigt den nun sanierten Mauerabschnitt Anfang der 60er Jahre.

In der Dokumentation kann man genau erkennen, wo welcher Mörtel verwendet wurde, wo Steine fehlen, oder schadhaft sind. Anhand der Dokumentation sieht man auch, wo es Handlungsbedarf gibt. Bei der Sanierung muss allerdings einiges beachtet werden. „Denn zum einen müssen die Arbeiten denkmalschutzkonform, und zum anderen auch artenschutzgerecht erfolgen“, ergänzt Micha Sonnenfroh, Leiter der Abteilung Stadtgrün und Gewässer und Projektleiter Landesgartenschau. Das sind mitunter auch kleine Herausforderungen, denn in den Mauerritzen wachsen beispielsweise Mauerpfeffer oder Mauerfarne, und es sind auch einige Insektenarten heimisch. Auch Fledermäuse oder Kohlmeisen haben es sich in Ritzen und Spalten gemütlich gemacht.

An der Musterachse kam beispielsweise zutage, dass die Mauer viel dicker ist als ursprünglich angenommen. Zum Musikschulgarten hin wurde das komplette Erdreich entfernt und die wertvollen Baumwurzeln konserviert. „Die Mauer wurde in diesem Bereich komplett aus Stein-Altbeständen wieder aufgemauert. Wir haben es geschafft, bis auf die Abdeckung keinen einzigen Stein kaufen zu müssen“, berichtet Widmer. Die Mauerkrone wurde mit Kalksteinplatten abgedeckt.

„Es ist wichtig, die Mauerkrone dauerhaft von Bewuchs freizuhalten“, erklärt der Restaurator. Unterstützt wird er bei derlei Arbeiten vom Städtischen Betriebshof. „Ohne den Betriebshof wären solche Arbeiten unmöglich“, macht er deutlich. Und in Zusammenhang mit dem Betriebshof erwähnt er zudem, dass es parallel zum Sanierungs- auch ein Wartungskonzept gibt. „Denn um die Mauer dauerhaft zu erhalten, muss sie gepflegt und gewartet werden. Diese Aufgabe kann der Betriebshof übernehmen“, erklärt Widmer. Wenn man jährlich nach der Mauer schaue und Kleinigkeiten ausbessere, könne man große Kosten für Sanierungen sparen, so Widmer, der darauf hinweist, dass auch im Bereich der Restaurierung ein Umdenken stattfinde, um nachhaltiger zu wirtschaften.

Als nächstes wird Stefan Widmer noch die Kleinstmauern untersuchen und erfassen und die Analyse der weiteren Stadtmauerbereiche weiter auswerten, bevor es an den anderen Bereichen weitergeht. Und auch die letzten Handgriffe an der Musterachse werden in den nächsten Tagen und Wochen noch erledigt. So ist beispielsweise der Einbau eines sogenannten „Wurzelvorhangs“ sehr wichtig. Widmer erklärt: „Die Mauer wird künftig durch eine Trennfolie geschützt, so dass die Wurzeln der Bäume nicht mehr ins Mauerwerk hineinwachsen können.“

 

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