Nochmal, Nina: Quelle femme Attal!

Nochmal, Nina: Quelle femme Attal!

Party im Doppelpack beim Rottweiler Jazzfest: Der Bahama Soul Club gibt den Anheizer, nach und nach füllt sich die Halle, und dann legt Nina Attal mit ihrer Band los. Das Energiebündel aus Frankreich bringt mit einer beeindruckenden Performance die ganze Stallhalle zum Tanzen. Ein guter Griff der Jazzfest-Macher, und eines der diesjährigen Highlights in Rottweil.

ROTTWEIL – 75 Minuten hat zunächst der Bahama Soul Club, sechs deutsche Herren mit kubanischer Frontfrau, die seit einem Jahrzehnt mit ihrer Mischung aus Lounge und Latin unterwegs sind. Musik zum Warmwerden, wenn auch nicht mit dem besten Hallensound und garniert mit reichlich manierierten Posen. Doch wer Party sucht, kann sie hier durchaus finden.

Umbaupause, auch eine unscheinbare Dame in Trainingshose und weißem Top turnt mit auf der Bühne herum. Die sehen wir dann eine Viertelstunde später im knappen schwarzen Kleid als Hauptperson des Abends. Nina Attal und Band, das zweite Gruppenbild mit Dame an diesem Abend. Und doch ein völlig anderes.

Glasklarer Sound und ein ungeheurer Energiestrom, der sich von der entfesselten Frontfrau und ihrer Band mühelos quer durch die Halle verbreitet. Attal singt, röhrt, jubelt, lacht, tanzt, die zierliche Person spielt eine Riesengitarre nach der anderen mit atemberaubender Leichtigkeit, marschiert damit auch quer durchs Publikum und zieht nicht nur sichtbar sämtliche Herren, sondern durchaus auch die Damen in ihren Bann.

Ein Superstar mit einer Superband, tanzbarer Soulfunkblues, den es im Anschluss auch handsigniert auf Silberlingen zu erwerben gibt, doch zuvor kommen Partygänger und Musikfans auf ihre Kosten, wird beidseits der Stuhlreihen und zuletzt auch mittendrin getanzt und geklatscht, werden hunderte Handybildchen geschossen. Ein Gedenkmoment für B.B. King, eines ihrer großen Vorbilder, ein fulminanter Abschluss und eine ausgiebige Zugabe.

Attal und ihr Mitkompositeur Philippe Devin haben eine Reihe eleganter und druckvoller Songs geschrieben, und ihre neue Platte heißt nicht von ungefähr nach dem legendären Café im New Yorker Greenwich Village, wo auch Springsteen und Hendrix zu Beginn ihrer Karriere auftraten. Immerhin hat Jungspund Attal mit Anfang 20 schon mehr als 300 Konzerte hinter sich, tourt quer durch Europa, und verzaubert mit ihrem Charme und ihrer Energie das Rottweiler Publikum von der ersten Minute an. Merci, Nina, et au revoir!

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Quelle: NRWZ.de – veröffentlicht am 16. Mai 2015 von NRWZ-Redaktion. Erschienen unter https://www.nrwz.de/artikel/nochmal-nina-quelle-femme-attal/89265