Will man sich als Brauchtumsliebhaber in der Vorfasnetszeit die närrische Zeit vertreiben, so lässt sich schnell im Land irgendwo ein Narrentreffen finden, das besucht werden kann. Von Dreikönig an gibt es viele Zünfte, die bis zur Fasnet an fast jedem Wochenende an einem Umzug teilnehmen oder ein Narrentreffen organisieren. Das krasse Gegenteil ist der Viererbund. So eine Mitteilung der der Narrenzunft Rottweil, die am 21. und 22. Januar den sogenannten Narrentag ausrichten wird.

Schantle aus Oberndorf. Foto: Ralf Graner

Die vier althistorischen Narrenzünfte aus Rottweil, Oberndorf, Überlingen am Bodensee und Elzach, die mit zu den ältesten und traditionsreichsten Zünften in der Republik gehören, leben das völlig andere Extrem – die Enthaltsamkeit. Die vier Rebellenzünfte sind in den 1950er Jahren im Streit um die Bewahrung der Fastnachtstraditionen aus der Vereinigung schwäbisch-alemannischer Narrenzünfte (VSAN) ausgetreten. 1963 haben sie sich zum Viererbund zusammengeschlossen, der ist bis heute lediglich per Handschlag alle 14 Jahre erneuert wird.

Es gibt keine Satzung, kein Schriftstück, das das Regelwerk des Viererbundes fixiert. Die vier Zünfte gehen ihren eigenen fastnachtlichen Weg, besuchen keinen einzigen auswärtigen Umzug und pflegen ihre Fasnet nur in der eigenen Stadt.

Hänsele aus Überlingen und ein kleiner Schuttig aus Elzach. Foto: Ralf Graner

Mit einer Ausnahme: dem Narrentag. Der findet im Wechsel alle drei bis vier Jahre in einer der vier Städte statt.

Am 21. und 22. Januar lädt Rottweil die Narrenfreunde zu sich ein. „Das seltene Treffen des Viererbundes ist in Rottweil noch mal etwas ganz besonders, denn Fasnet bestimmt in Rottweil doch so ziemlich alles“, schreibt die Narrenzunft dazu.

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Und so solle es auch beim Narrentag 2017 sein: Der Viererbund zu Gast bei Freunden, unter diesem Motto steht die Veranstaltung in diesem Jahr. Die Narrenfreunde aus Elzach, Überlingen und Oberndorf sollen in Rottweil den familiären Charakter dieses Festes spüren und sich so wohl wie in den eigenen vier Wänden fühlen. Dämonisch, urig, familiär und fröhlich zugleich, ist der Narrentag ein Ereignis, das sich kaum beschreiben lässt und das man einfach selbst sehen und erleben muss.

Etwa 4000 Larven- und Kleidlesträger haben beim Fackelumzug am Samstagabend (19 Uhr) und beim großen Umzug am Sonntag (14 Uhr) ihr Kommen zugesagt. Mehr als 20 Musikkapellen werden an den zwei Tagen die Narrenmärsche bis tief in die Nacht spielen.

20.000 Zuschauer werden zu dem Spektakel erwartet. „Mit den Narren und den vielen verschiedenen, einzigartigen Narrenfiguren aus Überlingen, Rottweil und Oberndorf wird sich den Zuschauern ein farbenfrohes Bild zeigen, das eben nicht alle Tage oder alle Jahre zu sehen ist“, kündigt die Narrenzunft an.

Allein aus Elzach, wo 2013 der letzte Narrentag stattfand, reisen etwa 800 schaurig-schöne Schuttig an. Damit die Oberndorfer Narros, die an die Zuschauer Brezeln verteilen, genügend Laugenbackwaren haben, werden in Oberndorf derzeit 15.000 Brezeln gebacken.

Mehr Informationen unter www.narradag.de

Das Programm

Samstag
11 Uhr Narrenbaumstellen Zimmermannsgilde Überlingen. Ort: Kapellenhof. Musik: Tagwachkapelle.

15 Uhr Empfang des Viererbundes. Ort: Kapuziner (nicht öffentlich).

19 Uhr: Sternlauf mit Schuttigfeuer. Ort: Stadtmitte. Verlauf: Oberndorf – Hochbrücke à Hotel zum Sternen. Überlingen – Predigerkirche à Hotel zum Sternen. Rottweil – Schwarzes Tor à Friedrichsplatz. Elzach – Schwarzes Tor à Schuttigfeuer auf Hauptkreuzung à Friedrichsplatz.

Sonntag
09.30 Uhr Narrenmesse. Ort: Kapellenkirche.

11 Uhr Frühschoppenkonzert der vier Stadtkapellen. Ort: Kapuziner.

14 Uhr Großer Umzug. Start: Café Herz. Ende: Dominikanermuseum. Reihenfolge: Überlingen, Oberndorf, Elzach, Rottweil. „Schlussakt“ mit den vier Stadtkapellen am Straßenkreuz.pm