Rottweils Handwerk, Technik und Industrie stehen im Fokus am Denkmaltag

Rottweils Handwerk, Technik und Industrie stehen im Fokus am Denkmaltag

ROTTWEIL (pm) – Der Tag des offenen Denkmals 2015 steht  unter dem Motto „Handwerk, Technik, Industrie“. Rottweil war und ist sicher keine ausgesprochene Industriestadt. Die alte Reichsstadt am Neckar gilt seit jeher vorrangig als Standort wichtiger Behörden, der Bildung und des Rechts. Allerdings spielen auch Handwerk und Gewerbe hier schon immer eine gewichtige Rolle, schreibt Stadtarchivar Gerhard Mager dazu.

Die Handwerkszünfte prägten das wirtschaftliche und öffentliche Leben in der Stadt ganz wesentlich mit. Dem alten Rottweil verliehen nicht zuletzt wichtige Märkte einen zentralörtlichen Charakter; und auch einzelne Handelshäuser hatten bemerkenswerten Erfolg.

Neben Metallwaren und Tuch spielten auch die Herstellung und der Vertrieb von Büchern und anderen Druck erzeugnissen zeitweise eine beachtliche Rolle.

Die Mühlen im Rottweiler Neckartal mahlten nicht nur Getreide.
Die Wasserkraft des Flusses diente auch dem Antrieb
von Sägemühlen oder der Hammerwerke von Nagel- und
Sichelschmieden in den Neckarauen. Besonders aber die
Rottweiler Pulvermühle und ihre Produkte hatten einen
hervorragenden Ruf.

Schon zur Reichsstadtzeit wurde das Rottweiler Pulver in weitem Umkreis gehandelt. Unter Max Duttenhofer stiegen die Rottweiler Pulvermühlen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem Unternehmen mit Weltgeltung auf. Im Ersten Weltkrieg erreichte die Pulverproduktion ihren absoluten Höchststand.

Über ein Jahrhundert lang war die Fabrik im Neckartal der wichtigste Industriebetrieb und größte Arbeitgeber in Rottweil.
Arbeitsplätze für Alt-Rottweil und seine ländliche Umgebung
bot aber auch die Saline Wilhelmshall, seit königlich
angeordnete Bohrungen 1824 bei Rottenmünster auf
Steinsalzvorkommen gestoßen waren.

Generationen von Salzsiedern und anderen Handwerkern fanden auf der Saline ihr Auskommen, bis sie 1969 ihre Produktion einstellte. Die ehemalige Pulverfabrik im Neckartal, die seit Ende des Zweiten Weltkriegs hauptsächlich Kunstseide produziert hatte, schloss ihre Tore 1994 endgültig.

Von der ausgreifenden Anlage der Saline Wilhelmshall blieben nur museale Reste; die vormalige Pulverfabrik lebt als „Gewerbepark Neckartal“ bis heute weiter.

Am Sonntag , 13. September sind die Stationen das Stadtarchiv Rottweil in Engelgasse 13, der Historische Stadtkern Rottweils, der Gewerbepark Neckartal mit verschiedenen Objekten und das Salinenmuseum “Unteres Bohrhaus”.

Im Turbinensaal des Kraftwerks eröffnet Stadtrat und erster OB-Stellvertreter Walter Stegmann um 11 Uhr den Tag.

Stadtarchivar Gerald Mager bietet anschließend eine Führung zum Thema “Pulver und mehr – die ehemalige Pulverfabrik im Rottweiler Neckartal”. Dieselbe Führung gibt es um 14 Uhr noch einmal mit  Margot Groß.

Geöffnet sind im Neckartal: Wandelbar, Klaviererei – Cornelia Dippon (Klavierbau), Marianne Wucher (Architektur),
Atelierhaus Terra – Angelika Caroly,  „Jakobskirche“ ( Werkstatt Holzmanufaktur),  Arbeiterkantine ( Verwaltung Holzmanufaktur),  Badhaus – Christina Jänichen , Altfrid Weber,
Spulerei (Werkstatt Holzmanufaktur),  Museumssaal – Schweiger Architektur,  Pumpenhaus (Werkstatt Holzmanufaktur).

Die Holzmanufaktur Rottweil beteiligt sich in diesem Jahr
zum Tag des offenen Denkmals an der Lehrlingsaktion des
Zentralverbandes des deutschen Handwerks (ZDH) zum Thema
„Mein Lieblingsdenkmal“. Hierzu gibt es eine kleine Ausstellung in der ehemaligen Spulerei. In der Zeit von 12 – 16 Uhr werden Lehrlinge die Arbeiten dort vorstellen und durch das Gebäude führen.

Zwischen 10 und 16 Uhr beantworten Besitzer der Gebäude im Neckartal Fragen der Besucher.

Das Salinenmuseum “Unteres Bohrhaus” ist ebenfalls einen Besuch wert am Tag des offenen Denkmals. Geöffnet ist es von 14.30 bis 16 Uhr, Führungen beginnen um 14.45 und 16 Uhr mit Martina van Spankeren-Gandhi .

Zum Thema “Handwerk und Handel” bietet Werner Wittmann eine Führung an.Sie beginnt um 15 Uhr am Schwarzen Tor und führt zu verschiedenen Gebäuden im historischen Stadtkern.

“Kulturgut bewahrt” wird von 11 bis 13 Uhr und von 14 bis 17 Uhr im Stadtarchiv in der Engelgasse. Restauratorin Regina Schlotterbeck bietet Einblicke in ihre Arbeit.

Die Teilnahme an allen Angeboten des Denkmaltages ist für Interessierte kostenlos.

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Quelle: NRWZ.de – veröffentlicht am 4. September 2015 von NRWZ-Redaktion. Erschienen unter https://www.nrwz.de/artikel/rottweils-handwerk-technik-und-industrie-stehen-im-fokus-am-denkmaltag/97452