Schnell: “Der erste Eindruck zählt”

Schnell: “Der erste Eindruck zählt”

SCHRAMBERG (him) – Mit einem Vortrag des Chefs der Kern-Liebers Firmengruppe, Dr. Udo Schnell startete der CDU-Stadtverband Schramberg eine Veranstaltungsreihe „Schramberg im Wandel – Zukunft gestalten: Im „Kulturbesen“ sprach Schnell über seine „Schramberg Impressionen – eine Sicht von außen nach innen“.(NRWZ.de berichtete schon kurz an anderer Stelle)

Der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Johannes Grimm erklärte eingangs, die zukünftigen Herausforderungen Schrambergs erforderten eine realistische Standortbestimmung und Analyse. Ziel des ersten Abends sei „zur Weiterentwicklung Schrambergs das Fremdbild mit dem Selbstbild“ zu vergleichen.

Die Idee stieß auf fruchtbaren Boden: Neben zahlreichen CDU-Mitgliedern waren auch Vertreter vieler anderer Gruppierungen und Parteien, die Rathausspitze mit Oberbürgermeister Thomas Herzog und interessierte Bürger in die Kulturszene gekommen.CDU Schnell Vortragdk 200115 (6)

Schnell erklärte in seinem mit zahlreichen Fotos und Grafiken belebten Vortrag, dass er mit seiner Familie sehr gerne in der Raumschaft lebe und hier sehr schnell heimisch geworden sei. Er wohne zwar in Rottweil, „aber da fahre ich nur zum schlafen hin“, schmeichelte er den Schrambergern.

Als Chef eines großen Arbeitgebers müsse er immer wieder neue Mitarbeiter gewinnen, aber es sei nicht immer leicht, Stellenbewerber von einem Umzug nach Schramberg zu überzeugen, denn die Familie entscheide mit. Dabei sei der erste Eindruck von der Stadt von großer Bedeutung.

Villa Junghans dk 150512

Neben einigen positiven Aspekten wie dem Park der Zeiten, der Villa Junghans, der Fußgängerzone und den Museen fand Schnell zahlreiche Beispiele, die den ersten Eindruck bei Bewerbern trübten. Besonders missfallen ihm die Ortseinfahrten in die Stadt. Von Sulgen, Lauterbach, Hardt und auch von Schiltach her, lasse sich nicht erahnen, „welch interessante und schöne Innenstadt Schramberg tatsächlich hat.“Kopp Schuppen dk  051214 (5)

Schnell bemängelte die zahlreichen wenig ansehnlichen Gebäude und Grundstücke, zu viel Reklame und Plakate, den chaotischen (Firmen-) Schilderwald. Brambach im Winter dk (4)

Er forderte dazu auf, sich darüber Gedanken zu machen, wie ein Schild, wie das zur Talstadtumfahrung, auf Neuankömmlinge wirkt: „Wohnen hier Leute, die seit 30 Jahren auf etwas warten und mit ihrer Situation unzufrieden sind?“ Die Entscheidungsträger erreiche der Appell zum Bau der Talstadtumfahrung nicht, andere Adressaten aber schon – und die fühlten sich abgeschreckt.

Die gelben Stadteingangsschilder fand Schnell hässlich. Unklug sei auch die Verknüpfung von Ankündigungen der Stadt und privater Werbung. CDU SchnellSchild dk 200115 (4)

Überhaupt störte sich der Top-Manager an den vielen großflächigen Werbebotschaften an Schaufenstern und Buswartehäuschen. „Man bekommt den Eindruck, die Stadt ist zugehängt und zugeklebt.“ OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Er empfahl einen Gestaltungsleitfaden zu erarbeiten, an den sich die Hausbesitzer halten sollten. Insgesamt erhalte der Neuankömmling das Gefühl: „Die Stadt scheint stehen geblieben zu sein.

“Manche Bereiche machten einen unfrischen, unaufgeräumten, gar abweisenden Eindruck, vor allem die Zufahrten in die Stadt seien oft lieblos: Das behält der Betrachter in seinem Kopf.“ Schnells Urteil: “Das Motto der Stadt, Schwarzwaldqualität erleben, wird zumindest im ersten Eindruck nicht wirklich vermittelt.” Er habe das Gefühl, es fehle in der Stadt die Frische, etwas zu verändern. „In Schramberg wird viel nach hinten geschaut.“ Er selbst richtete den Blick nach vorn. „Wenn es eine Schilderputzaktion gibt – ich bin mit dem Powerreiniger dabei.“

Er beendete seinen Vortrag mit dem Hinweis, dass Schramberg so viel zu bieten habe und man „die guten Dinge mit wenig Mitteln erkennbar machen“ könne. Das allerdings sei nötig, denn: „Der erste Eindruck hat keine zweite Chance.“

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

In der Diskussion kündigte Peter Renz gleich Konsequenzen an: Er werde seinen Nachfolger bitten, das Werbetransparent am Kino zu entfernen. Hans-Jochem Steim schalt die Rathausmannschaft: „Was haben wir für eine Verwaltung, dass so was möglich ist? Alles leicht schlampig, nicht genial.“ CDU-Fraktionssprecher Clemens Maurer nahm den Rat und die Verwaltung ein wenig in Schutz. Die Problematik um die Stadteingänge und der Schilder seien bekannt, entsprechende Beschlüsse auch schon gefasst, aber: „Es fehlt uns an Umsetzungsgeschwindigkeit.“ Er riet: „Fangen wir mit dem an, was wir kommunalpolitisch schon beschlossen haben.“

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Quelle: NRWZ.de – veröffentlicht am 23. Januar 2015 von Martin Himmelheber (him). Erschienen unter https://www.nrwz.de/artikel/schnell-der-erste-eindruck-zaehlt/81305