Veranstalter des Rottweiler Kirchentags wenden sich gegen den Volksbanklauf des TSV

Veranstalter des Rottweiler Kirchentags wenden sich gegen den Volksbanklauf des TSV

ROTTWEIL, 6. Oktober (gg) – ‘Vom Sinn des Sonntagsschutzes’ – so ist ein offener Brief überschrieben, in dem sich neben anderen die beiden Stadtpfarrer Martin Stöffelmaier für die katholische und Marcus Keinath für die evangelische Kirche gegen den am Sonntag, 19. Oktober stattfindenden Volksbanklauf wenden. Der vom TSV geplante Start bereits um 10.10 Uhr verstoße gegen das Feiertagsgesetz des Landes. ‘Wir bedauern diese Terminierung’, so die Macher des am selben Tag auslaufenden Kirchentags in ihrem Brief. Eine Verschiebung fordern sie nicht, sondern künftige Beachtung. Der TSV entgegnet, dass beide Veranstaltungen offenbar parallel und unabhängig voneinander geplant worden seien. Keinesfalls als Konkurrenz.

Sie haben sich für einen Mittelweg entschieden: Konfrontation ja, aber keine Forderung. Die beiden Pfarrer und zudem Eva-Maria Krause und Thomas Hug vom Organisationsteam des Rottweiler Ökumenischen Kirchentags ‘hoffen, dass künftig die gesetzlichen Vorschriften eingehalten werden.’ Und sie wünschen sich ‘eine wachsende Sensibilität für das Geschenk des Sonntags.’
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Der Kirchentag findet vom 17. bis 19. Oktober statt – der Volksbanklauf wird also mitten hinein in seinen dritten Tag gestartet. Am dritten und letzten Tag findet um 10 Uhr ein Abschlussgottesdienst des Kirchentags in der Stadthalle statt.

Das Feiertagsgesetz gibt nach Ansicht von Experten nicht genau her, ob der Volksbanklauf nun einen Verstoß darstellt, oder nicht. Demnach seien ‘in der Nähe von Kirchen und anderen dem Gottesdienst dienenden Gebäuden alle Handlungen zu vermeiden, die geeignet sind, den Gottesdienst zu stören.’ Nun findet der Lauf in der Innenstadt statt, der Gottesdienst in der Halle draußen. Als sportliche Veranstaltung wird der Lauf auch kaum unter den Passus der ‘Unterhaltung dienenden öffentlichen Veranstaltungen’ fallen, die während der Hauptgottesdienstzeiten verboten sind. Auch stellt der Lauf keine Messe und keinen Markt dar, die sonntags explizit erst nach 11 starten dürfen.

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Dass der Volksbanklauf vor 11 Uhr beginne, bedauern die Kirchenvertreter allerdings ausdrücklich. Kirchliche Veranstaltungen sollten ebenso zu ihrem Recht kommen wie Belange des Sports und des hiesigen Handels, schreiben sie an die Verantwortlichen des TSV und an die Stadtverwaltung, dort an das Ordnungsamt.

Das Leitwort des Rottweiler Ökumenischen Kirchentags laute „Verantwortlich für die Zukunft“, erklären Stöffelmaier, Keinath und Co. ‘Davon ausgehend sehen wir das Eintreten für den Sonntagsschutz als eine verantwortungsvolle und wichtige Aufgabe von Christinnen und Christen.’

Das ist ohnehin das Pikante an der Sache: Die Kirchen wehren sich traditionell gegen verkaufsoffene Sonntage. Im Anschluss an den Volksbanklauf ist genau ein solcher geplant. So wirbt der TSV: ‘Am verkaufsoffenen Sonntag des Gewerbe- und Handelsvereins wird es dann heißen: ‘Rennen Sie uns die Bude ein.” Das ist nicht die Ausdrucksweise, die ein Pfarrer wählen würde – der außerdem am selben Tag darauf hofft, dass seine Kirche, in diesem Falle die Stadthalle, besucht würde und nicht der Händler Buden eingerannt.

Der TSV Rottweil plant seinen Lauf so: Der Start ist vormittags um 10.10 Uhr mit den Bambinis, den Kleinen. Um 10.20 Uhr starten dann die Schulstaffeln Klasse 1 bis 5, bevor um 11 Uhr der Hauptlauf gestartet wird. ‘Dann heißt es wieder: Quer durch die Innenstadt und in den Gässle sollen die Läufer Rottweil im Lauf erleben können.’

Ulrich Hertkorn, früherer Inhaber der momentan vakanten Stelle des TSV-Abteilungsleiters bedauert die Kollision mit dem Kirchentag. ‘Hätten wir vorher voneinander gewusst, wäre das vermutlich so nicht geschehen’, sagt er und verweist darauf, dass der kommende Volksbanklauf bereits nach Abschluss des vergangenen im Herbst 2013 beschlossen und bald auch terminiert worden sei. Der erste Volksbanklauf vor drei Jahren sei zudem persönlich mit Pfarrer Stöffelmaier abgesprochen worden – der Start zur Gottesdienstzeit sei wenigstens damals bekannt und für in Ordnung empfunden worden, so Hertkorn im Gespräch mit der NRWZ.
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Unklar ist, inwieweit sich die beiden Veranstaltungen gegenseitig Besucher wegnehmen. Hertkorn berichtet davon, dass der TSV schon anlässlich einer süddeutschen Juniorenmeisterschaft, die in Rottweil ausgerichtet worden ist, zu einem Gottesdienst für die Sportler geladen hätte. Die Resonanz sei eher mäßig gewesen. Andererseits: ‘Vielleicht haben wir uns aber auch selber geschadet, weil nun einige Leute in die Stadthalle zum Gottesdienst gehen werden, die uns dann als Besucher beim Lauf fehlen’, mutmaßt er. Er hält aber fest: ‘Wir wollten absolut keine Konkurrenzveranstaltung zum Kirchentag schaffen.’

Im Übrigen habe der zweite Volksbanklauf vergangenes Jahr an einem Samstag stattgefunden, eben um den Sonntag frei zu halten. Und diesen 19. Oktober hätten sie beim TSV festgelegt, ‘weil da damals noch keine andere Veranstaltung geplant gewesen ist’, erinnert sich Hertkorn. So seien beide Veranstaltungen offenbar parallel und unabhängig voneinander geplant worden.

‘Komisch ist, dass sie heute, am 2. Oktober sich zu unserem Lauf zu Wort melden’, sagt Hertkorn verschmitzt – der Meldeschluss sei am 1. Oktober gewesen, bis gestern also hätte man vielleicht noch etwas ändern können.

Einfach später zu starten – das geht allerdings auch nicht. ‘Wir müssen um 13 Uhr fertig sein und alles abgebaut haben, weil dann der Verkaufsoffene Sonntag startet’, so Hertkorn bedauernd.

Künftig werde sich der TSV gerne wieder enger mit den örtlichen Kirchenvertretern abstimmen, sagt Hertkorn, meint aber auch: ‘Ich glaube nicht, dass so schnell wieder ein ökumenischer Kirchentag in Rottweil stattfindet, weshalb das Problem wohl nicht so bald wieder auftreten kann.’

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Quelle: NRWZ.de – veröffentlicht am 6. Oktober 2014 von NRWZ-Redaktion. Erschienen unter https://www.nrwz.de/artikel/veranstalter-des-rottweiler-kirchentags-wenden-sich-gegen-den-volksbanklauf-des-tsv/56163