Wer ist Helmuth Penz, der neue Camedi-Gesellschafter?

Wer ist Helmuth Penz, der neue Camedi-Gesellschafter?

SCHRAMBERG (him) –Als Oberbürgermeister Thomas Herzog in seiner Neujahrsrede am Sonntag über die Camedi sprach, war es Mucksmäuschen still in der Festhalle. Erstmals hat Herzog den vereinbarten Kaufpreis genannt, den die Camedi Real Estate für die Krankenhausimmobilie zu zahlen bereit war: mehr als drei Millionen Euro.

Das ist viel Geld, wenn man bedenkt, dass die Stadt lediglich einen symbolischen Euro gezahlt hat und obendrein vom Kreis 750.000 Euro und von Helios weitere 400.000 Euro bekommen hat.

Da der Camedi-Investor Peter Zuellig aus einer der reichsten Schweizer Unternehmerfamilien stammt und selbst unter anderem ein großes Handelsunternehmen für Pharmaprodukte in Südostasien die Parazelsus Orient Ltd. mit einem Jahresumsatz von 300 Millionen US-Dollar besitzt, schienen die Pläne realistisch. Ein asiatisches Internet-Magazin – “Undercurrent News” – berichtet am 2. September 2015 über einen Firmenankauf von Peter Zuellig und schreibt über diesen: “A member of the Swiss family who built up Zuellig Group into a $13 billion turnover conglomerate, Peter Zuellig took control of the family’s aqua and animal feed business, Cold Coin Group, last year.” Zu Deutsch: Peter Zuellig, Mitglied der Schweizer Familie Zuellig, hat die Zuellig Gruppe zu einem 13-Milliarden-US-Dollar Konzern umgebaut, und letztes Jahr das Geschäft mit Fisch- und Tierfutter übernommen.

Die Annahme, dass dieser Investor das Schramberger Krankenhaus-Projekt finanziell stemmen könnte, war also durchaus berechtigt. Doch Zuellig war offenbar zu optimistisch bei diesem Projekt, er wollte unbedingt weitere Finanziers gewinnen, die auch vom Hotelgeschäft etwas verstehen. Im Interview mit der NRWZ erklärte er im Juni 2013: „Ich gehe davon aus, dass es absolut machbar ist, aber es ist kein Selbstläufer. Wir wollen sicherstellen, dass das Konzept stimmt. Außerdem will ich sicher sein, dass die Mitfinanziers die gleiche Geduld aufbringen werden wie ich.“

Da die Stadtverwaltung und der Gemeinderat aber den Kaufvertrag und die mehr als drei Millionen Euro Verkaufserlös einerseits und andererseits ein schlüssiges Konzept für den Krankenhaus-Komplex sahen, haben sie Zuellig immer wieder weitere Fristen zur Vertragserfüllung eingeräumt.

Zuletzt nach einem Besuch im Schramberger Gemeinderat im vergangenen Juli. Da hatte Zuellig noch einmal dem Gremium erklärt: „Die Camedi Real Estate GmbH will das Projekt des Wellness- Ressorts in Schramberg nach wie vor umsetzen!“ Zuellig habe den Rat überzeugen können, weiterhin am Projekt festzuhalten und auf die Verantwortlichen der Camedi zu vertrauen, hieß es damals in einer städtischen Pressemitteilung nach der nicht-öffentlichen Sitzung. Der Gemeinderat trage die weitere Verzögerung des Projektstarts grundsätzlich mit. „Allerdings wurden auch deutlich kritische Töne hinsichtlich der viel zu langen Vorbereitungszeit laut. Der Gemeinderat pocht auf die Einhaltung der von Camedi eingegangenen vertraglichen Verpflichtungen“, schrieb die Stadt. Dies hat Zuellig bis Jahresende aber nicht getan.

Er hat zwar einen weiteren Investor gefunden, aber nicht für sein Wellness-Ressort. Dazu berichtete OB Herzog in seiner Neujahrsansprache: „Ende des letzten Jahres wurden wir allerdings von der Nachricht überrascht, dass bei der Camedi Real Estate ein weiterer Gesellschafter eingestiegen sei und sich die Planungen der Gruppe verändert hätten. Entgegen der bisher geäußerten Zusagen, soll ein Teil des Invests für das Hotelprojekts durch eine Zwischennutzung der Immobilien für die Unterbringung von Flüchtlingen finanziert und das Projekt erst danach realisiert werden.“

Dieser neue Investor ist seit dem 12. Januar öffentlich bekannt: Helmuth Penz, Berlin. Laut Handelsregister ist Karl Vogler aus Hergiswil seit 12. Januar 16 nämlich nicht mehr Geschäftsführer. An seiner Stelle wurde als Geschäftsführer Helmuth Penz aus Berlin bestellt. Dieser sei „einzelvertretungsberechtigt mit der Befugnis, im Namen der Gesellschaft mit sich im eigenen Namen oder als Vertreter eines Dritten Rechtsgeschäfte abzuschließen“, heißt es im Handelsregister. Penz hat drei Viertel des Eigenkapitals übernommen.

Beim Namen Penz läuteten bei etlichen Kommunalpolitikern die Alarmglocken. Penz ist nämlich unter anderem auch Geschäftsführer der „PeWoBe Professionelle Wohn- und Betreuungs-Gesellschaft“ in Berlin, die in der Hauptstadt und in Brandenburg seit 1989 „Einrichtungen zur Unterbringung und Betreuung von Kriegsflüchtlingen, Aussiedlern und Asylbewerbern“ betreibt. Im Auftrag der Länder Berlin und Brandenburg habe die PeWoBe „eine Vielzahl von Projekten umgesetzt“, heißt es auf ihrer Homepage.

Im Zusammenhang mit Schwierigkeiten in einigen seiner Flüchtlingsheime in Berlin ist Penz in die Kritik geraten. Die Oppositionsparteien Grüne, Piraten und Linke im Berliner Abgeordnetenhaus warfen seiner Firma „Profitgier zu Lasten der Steuerzahler“ vor. Der Berliner Flüchtlingsrat hat seiner Firma vorgeworfen, in ihrem Heim in der Neuköllner Lahnstraße freiwilligen Helfern untersagt zu haben, Flüchtlingen Deutschkurse anzubieten. Die Berliner Taz nennt ihn „eine dubiose Figur aus dem Westberliner Bau- und Sozialbusiness-Sumpf“.

Auch Vetterleswirtschaft zählt zu den Berlin-typischen Vorhaltungen gegen den Immobilien-Krösus, der zahlreiche andere Firmen in Berlin besitzt. Penz sei mit dem Unternehmer und Architekten Dietrich Garski „verbandelt“, so die Berliner Morgenpost. Garski habe Anfang der 80er-Jahre einen Berliner Bauskandal ausgelöst, „über den der damalige Senat des Sozialdemokraten Dietrich Stobbe gestürzt war.“

Penz sieht das selbstverständlich alles ganz anders. Die PeWoBe mache nur zehn Prozent seines Firmenimperiums aus, so Penz zum Berliner Tagesspiegel. In einem anderen Interview wies Penz die Vorwürfe zurück: „Wir sind seit 25 Jahren als zuverlässiger Partner der Länder Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt tätig und sind hohen Standards verpflichtet.“ Auch sei sein Unternehmen als das einzige der Branche nach ISO zertifiziert, sagte er dem Wirtschaftsmagazin „Berlin Boxx“.

Ob Penz in Schramberg mit dem Krankenhaus ähnliches wie in Berlin plant, ließ OB Thomas Herzog in Tennenbronn zunächst offen. In seiner Rede sagte er zwar, Gespräche über eine Vermietung mit dem Regierungspräsidium Freiburg seien bestätigt worden. Näher ging er aber nicht darauf ein.

Aus dem Freiburger Regierungspräsidium kam allerdings ein klares Wort: „Das ist für uns absolut kein Thema“, so der Pressesprecher des Regierungspräsidiums Matthias Henrich am Montag zur NRWZ. Er fügt ein kleines Wörtchen an: „Derzeit, aber nur weil man nie ‚nie‘ sagen soll.“ Das Schramberger Krankenhaus „ist für unsere Zwecke ungeeignet“ und stünde auf einer möglichen Liste „ganz, ganz nachrangig.“

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Quelle: NRWZ.de – veröffentlicht am 18. Januar 2016 von Martin Himmelheber (him). Erschienen unter https://www.nrwz.de/artikel/wer-ist-helmuth-penz-der-neue-camedi-gesellschafter/107066