Wolf beißt sich an Bahn die Zähne aus

Wolf beißt sich an Bahn die Zähne aus

REGION (him) – Die Hoffnung des Interessenverbands Gäu-Neckar-Bodensee-Bahn (IG Gäubahn), es könnten bald wieder schnelle Neigetechnik-Züge über die Gäubahn kurven, bleibt wohl vergeblich. Die Bahn sagt nein und will am „Interim-Konzept“ festhalten.

Wie berichtet, hatte der Vorsitzende der IG Gäubahn, der Tuttlinger Landtagsabgeordnete Guido Wolf, mitgeteilt, dass die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) zeigten, „dass der Einsatz von Neigetechnik-Zügen auch in Deutschland funktioniert.“ Auf Anfrage des Interessenverbands Gäu-Neckar-Bodensee-Bahn hätten die Schweizer bestätigt, „dass ihr Neigetechnik-Zug der Baureihe ETR 610 bereits etliche Probefahrten auf deutschen Strecken, unter anderem auch der Gäubahn, erfolgreich absolviert hat“, so Rainer Kaufmann, der Geschäftsführer des Interessenverbands in der Mitteilung.

Wolf wolle darauf drängen, dass Neigetechnik-Züge wieder auf die Gäubahn zurückkehren. Auch für die grün-rote Landesregierung bleibe „die Beschleunigung der Gäubahn ein ganz zentrales Anliegen“, so der Sprecher im Landesverkehrsministerium, Edgar Neumann. “Das Land setzt nach wie vor auf die Rückkehr der Neigetechnik und die Verkürzung der Reisezeiten.“ Hier sei in allererster Linie die Deutsche Bahn in der Pflicht. „Allerdings beobachten wir bei Bund und Deutscher Bahn bedauerlicherweise keine Aktivitäten, die Zusage, dass die Neigetechnik auf die Gäubahn zurückkehren wird, umzusetzen“, so Neumann.

Und so wird es auch bleiben. Auf Nachfrage der NRWZ betont ein Bahnsprecher: „Wir müssen bei unseren Plänen bleiben.“ Schließlich habe man im Februar 2014 eine Vereinbarung mit dem Land und der SBB abgeschlossen. „Die Neukonzeption greift kurzfristig bereits ab Dezember 2015 und im zweiten Schritt ab Dezember 2017 mit deutlicher Angebotsverbesserung und mehr Komfort“, so der Bahnsprecher. Das bedeute ab Dezember 2015 bessere Anschlüsse in Stuttgart zum Beispiel in Richtung Frankfurt oder Berlin und damit bis zu 30 Minuten kürzere Reisezeiten bei Fahrten im ICE-Netz über Stuttgart hinaus. Auch für Pendler gebe es eine gewisse Verbesserung dergestalt, dass sich die Taktzeiten einem Stundentakt annäherten.

Eine Änderung der Vereinbarungen sei schon deshalb nicht möglich, weil ab Dezember 2017 auf der Strecke Stuttgart–Zürich stündlich fabrikneue Züge vom Typ Intercity2 (siehe Bild) verkehren würden, die im Abschnitt Stuttgart–Singen zum Nahverkehrstarif genutzt werden können. Die dafür notwendigen 17 Intercity2-Züge seien bereits bestellt. „Da liegt gut eine viertel Milliarde Euro im Topf“, so der DB-Sprecher, „da können wir nicht einfach so unsere Pläne ändern.“

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Quelle: NRWZ.de – veröffentlicht am 4. November 2015 von Martin Himmelheber (him). Erschienen unter https://www.nrwz.de/artikel/wolf-beisst-sich-an-bahn-die-zaehne-aus/101857