Zeichen gesetzt

Zeichen gesetzt

An einen malerischen und zugleich historischen Ort feierte am Samstagnachmittag der Schwarzwaldverein Schramberg sein 125.Geburtstag. Auf dem Festplatz beim Fohrenbühl gratulierten neben Schrambergs Oberbürgermeister Thomas Herzog auch zahlreiche Vertreter des Schwarzwaldvereins den Schramberger Kollegen.

SCHRAMBERG (him) – Etwa 70 Gäste hatten sich im Festzelt neben dem Gedächtnishaus zum Festakt versammelt. Der Vorsitzende des Schwarzwaldvereins, Wolfgang Flaig hieß neben Herzog auch seinen Vorgänger Herbert O. Zinell und dessen Frau Ruth willkommen, Gekommen waren auch der Präsident des Schwarzwaldvereins Georg Keller und die Vorsitzende des Bezirks Fohrenbühl Monika Rektenwald. Flaig hob das Festbuch hervor, das druckfrisch („Gestern kam es aus der Druckerei“) vorliege. Die Texte und Bilder würde Schrambergs Stadtarchivar Carsten Kohlmann in seiner Festrede noch würdigen.Umrahmt wurde der Festakt von Jagdhornbläsern.

Schrambergs Oberbürgermeister Thomas Herzog ging in seinem Grußwort auf die Geschichte des Vereins ein und dankte dem Verein insbesondere dafür, dass er die Beschilderung und Pflege der Wanderwege im Raum Schramberg in vorbildlicher Weise übernommen habe. „Als Dienstleister für die Wege und das Wandern ist er in Schramberg nicht mehr wegzudenken.“ Das liege insbesondere am Engagement der Wanderwegewarte Anton Prennig und seiner Frau Gertrud Prennig. Der Schwarzwaldverein sei aber auch „Akteur und Mahner in der Landschaftspflege und im Naturschutz.“

Er erinnerte sich mit Freude an das Interview mit Anne Eckhardt für das Jubiläumsbuch: Das war das mit Abstand angenehmste Interview, das er bisher geführt habe. Es fand auf seiner Lieblingsstrecke, dem Heuwegle statt, in der Rückentrage trug er seine jüngste Tochter. Mit einem Zitat von Johann Wolfgang von Goethe endete Herzog: „Was ich nicht erlernt habe, das habe ich erwandert.“

Für den Schwarzwaldverein gratulierte dessen Präsident Keller: 125 Jahre seien „eine lange Zeit des Unterwegs seins“. Er erinnerte an den besonderen Ort des Festes: das Gedächtnishaus. In den schweren Jahren 1922 bis 1924 hätten „mutige Männer und Frauen es gewagt, ein solches Vorhaben zu realisieren.“ Er sei froh, dass ein solches Zeichen des Erinnerns an die Gefallenen des ersten Weltkrieges entstanden sei: „Wir tun gut daran, es zu erhalten.“

Die Aufgabe des Schwarzwaldvereins, sei es, den Menschen Heimat zu geben. Dabei sollten sich die Ortsgruppen nicht scheuen, auch auf Menschen mit Migrationshintergrund zuzugehen, forderte Keller. Das Unterhalten der Wanderwege sei eine Herzensangelegenheit wie der Naturschutz. Die Umwelt sein unvermehrbar, aber zerstörbar. Es gelte wegweisend zu wirken und getreu dem Festmotto „Zeichen zu setzen.“

Mit einem Geschenk, einem Scheck für eine neue Bank, gratulierte Keller den Schrambergern. In ihrem Grußwort würdigte Rektenwald die Ortsgruppe Schramberg als besonders aktiv und überreichte wie auch Vertreter aus anderen befreundeten Ortsgruppen dem Schramberger Vorsitzenden ein Geschenk.

In seinem Festvortrag spannte Carsten Kohlmann einen weiten Bogen vom derzeit laufenden Markenbildungsprozess in Schramberg über die Flüchtigkeit der Digitalen Welt, bis zurück zum Patriotismus der Gründerväter des Schwarzwaldvereins.

Eigentlich, so Kohlmann, sei der Schwarzwaldverein in Schramberg schon 130 Jahre alt, denn schon 1885 hatte sich ein Bezirksverein Oberndorf des württembergischen Schwarzwaldvereins gegründet, zu dem die Sektionen Alpirsbach, Schramberg und Oberndorf gehörten. Erst fünf Jahre später machten sich die Schramberger dann selbstständig. In der Gründerzeit und um die Jahrhundertwende wurde der Schwarzwald zu einem beliebten Ziel „Reisen und wandern wurden in dieser Epoche zu einer immer beliebteren Freizeitbeschäftigung“, so Kohlmann.

Davon profitierte auch die aufstrebende Industriestadt, die damals aufgrund ihrer Lage und Naturschönheiten von einer wachsenden Besucherzahl entdeckt „ worden sei. Ja, man habe Schramberg als das „Gold- und Schmuckkästchen des Schwarzwaldes“ gefeiert. Der Schwarzwaldverein sei ein Verein des Bürgertums gewesen, die Arbeiter blieben außen vor und organisierten sich später bei den „Naturfreunden“, die allerdings heute wie auch der Schwarzwaldverein unter Überalterung litten.

Ein wichtiges Anliegen war dem Verein von Beginn an das Anlegen von Wanderwegen. Besonders Erhard Junghans, der sich 1897 ins Privatleben zurückgezogen hatte, war da als begeisterter Naturliebhaber aktiv. Der Schwarzwaldverein sei, so Kohlmann der erste „Markenbotschafter“ der „Fünf-Täler-Stadt“ gewesen, ein Markenname, den der damalige Stadtschultheiß Franz Paradeis 1911 geprägt habe.

Mit dem Festbuch und den Aufnahmen des Fotografenmeisters Rainer Langenbacher sei ein „großartiger Bildband“ entstanden, den der Verein der Stadt zum Geschenk mache. Für den Verein selbst „kann und muss das Festbuch aber auch Anstoß zur Rückbesinnung auf die eigenen Wurzeln sein.“

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Quelle: NRWZ.de – veröffentlicht am 28. Juni 2015 von NRWZ-Redaktion Schramberg. Erschienen unter https://www.nrwz.de/artikel/zeichen-gesetzt/92335