Zepfenhan bekommt fast wieder einen Kindergarten

Zepfenhan bekommt fast wieder einen Kindergarten

Seit August 2011 hat der Rottweiler Teilort Zepfenhan keinen eigenen Kindergarten mehr. Nach mehr als 60 Jahren wurde die dortige Einrichtung geschlossen – mangels Kinder. Seither bemüht man sich im Ort darum, ihn wieder zu eröffnen. Jetzt zeichnet sich eine Lösung ab. Diese nahm der zuständige Ausschuss des Rottweiler Gemeinderats wohlwollend zur Kenntnis. Jetzt soll der Ortschaftsrat Zepfenhan seinen Beitrag beschließen. Die endgültige Entscheidung wird der Gemeinderat dann treffen.

Rottweil (gg/pm). Seit der Schließung des kleinen Kindergartens besuchen die Kindergartenkinder aus Zepfenhan andere Einrichtungen im Stadtgebiet von Rottweil. “Aktuell besucht ein Kind den Waldorfkindergarten in Göllsdorf, ein Kind den Kindergarten in Feckenhausen und sechs Kinder den Kindergarten in Neukirch”, berichtete Sabine Flaig, Sachbearbeiterin Schulen und Kindergärten bei der Stadt Rottweil, in ihrer Vorlage für eine Gemeinderatssitzung am Mittwoch. Der Ortschaftsrat habe immer auf eine Wiederbelebung des Kindergartens gedrängt, so Flaig im Rahmen der Ausschusssitzung weiter.

2014 wurde daher durch die Verwaltung geprüft, ob im Kindergartengebäude Zepfenhan eine integrative Gruppe der Stiftung St. Franziskus, Heiligenbronn, untergebracht werden könne. “Ausgangspunkt unserer Überlegungen war ein bekundetes Interesse der Stiftung St. Franziskus an einer Verlegung der Sprachheilgruppe vom Rottweiler Kindergarten ‘Bonaventura – der in katholischer Trägerschaft steht -in das Kindergartengebäude in Zepfenhan”, so Flaig weiter. Doch: Nahezu alle Varianten waren mit Mehrkosten beziehungsweise finanziellen Nachteilen für die Stadt Rottweil verbunden. Auch die zentralere Lage des Kindergartens Bonaventura habe eine entscheidende Rolle gespielt. Aus den Plänen also wurde nichts.

Doch es zeichnet sich eine Lösung ab. Flaig: “Aktuell gibt es von Seiten des Ortschaftsrates Verhandlungen mit vier Tagesmüttern. Ziel ist es, im Zepfenhaner Kindergartengebäude eine Betreuung für Kinder zwischen null und 14 Jahren mit flexiblen Öffnungszeiten anzubieten. Dieses Angebot wollen die sich zusammenschließenden vier Tagesmütter offerieren.”

Das Problem noch: Der Mietsatz für das städtische Gebäude beträgt nach den geltenden Vorgaben des Mietspiegels monatlich 979,80 Euro. “Diesen Betrag können sich die Tagesmütter jedoch nicht leisten”, erklärte Flaig dazu. Deshalb sei bereits der Zepfenhaner Ortschaftsrat an die Verwaltung mit dem Wunsch heran getreten, die Monatsmiete deutlich nach unten zu korrigieren, wie es beispielsweise die Stadt Schramberg mit der Tagesmütter-Einrichtung „Rappelkiste“ mache.

Die Zeit drängte ein wenig: “Eine Nutzung des derzeit leerstehenden Gebäudes für Asylbewerber wäre auch möglich. Vertreter des Landkreises haben das Gebäude bereits besichtigt”, berichtete Flaig weiter.

Klar sei, dass die Gesamtstadt Rottweil genügend freie Plätze für Krippen- und Kindergartenkinder vorhalte. Die Ortschaft Zepfenhan wertete eine Wiederbelebung der Kinderbetreuung im Ort selbst aber als eine überaus wichtige infrastrukturelle Maßnahme, um gerade auch dem Einwohnerrückgang künftig entgegenwirken zu können. “Deshalb sollen die Tagesmütter ideell und finanziell aus der Ortschaft unterstützt werden”, so Flaig.

Eine betriebswirtschaftliche Betrachtung habe aber ergeben, dass bei etwa 8 bis 10 betreuten Kindern, also auch dann, wenn die Einrichtung gut angenommenen würde, die Tagesmütter weder die laufenden  Betriebskosten, noch eine anteilige Miete erwirtschaften könnten. Die von des Tagesmüttern verlangten Betreuungsgelder würden sich dabei an den städtischen Kindergartengebühren orientieren.

Gegenzurechnen sind die jährlichen Kosten des leer stehenden Gebäudes, die Flaig mit 6000 bis 7000 Euro bezifferte.

Die Sachbearbeiterin warb: “Um dem Projekt Kinderbetreuung in Zepfenhan überhaupt eine Chance zu ermöglichen, müsste die Stadt auf die genannten Mietforderungen von jährlich 11.757,60 Euro verzichten. So müsste für den Mietzinsausfall ein interner Zuschuss der Schulverwaltung an das Gebäudemanagement fließen.”

Der Ortschaftsverwaltung sei dieses Projekt so wichtig, dass sie die laufenden Nebenkosten für das Gebäude schultern würde.

Flaig hält “in der Gesamtabwägung den in Rede stehenden Mietverzicht für vertretbar. Bisher betreuen die vielen Tagesmütter eine Vielzahl von Rottweiler Kindern ohne unsere finanzielle Unterstützung”, sagte sie. Der Tagesmütterverein wird als Verein mit 4500 Euro pro Jahr unterstützt.

Auch seien die ganz speziellen Umstände zu berücksichtigen. Zepfenhan ist der einzige Teilort, der keine Kinderbetreuung im Ort anbieten kann. Zudem steht der Kindergarten samt Mobiliar derzeit leer, aber absolut „betriebsbereit“ zur Verfügung, so Flaig. Die Kindermöbel seien abgedeckt und der Garten sei noch voller Spielgeräte. Eine örtliche Kinderbetreuung steigere die Attraktivität jeder Kommune.

Flaigs Urteil: “Unter dieser strukturpolitischen Argumentation halten wir den Mietverzicht für möglich.”

 

ause

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Quelle: NRWZ.de – veröffentlicht am 6. Mai 2015 von NRWZ-Redaktion. Erschienen unter https://www.nrwz.de/artikel/zepfenhan-bekommt-fast-wieder-einen-kindergarten/88506