Die bei­den Oro­pax-Brü­der Tho­mas und Vol­ker Mar­tins haben am Sonn­tag im Rott­wei­ler Frei­bad alle nass gemacht. Und vor allem sich selbst, denn das Cha­os­thea­ter spiel­te nicht nur auf und im Was­ser, son­dern auch im strö­men­den Regen.

95026-1Unser Foto­graf Ralf Gra­ner vom Team Ralf Gra­ner Pho­to­de­sign war dabei. In der Bil­der­ga­le­rie sind sei­ne schöns­ten Fotos.

Oro­pax tra­ten vor einem kom­plett blau­en Publi­kum auf, denn nach­dem aus dem anfäng­li­chen Tröp­feln ein Dau­er­re­gen gewor­den war, hüll­te sich schließ­lich auch der letz­te Resis­ten­te in die vor­aus­schau­end vom Ver­an­stal­ter zur Ver­fü­gung gestell­ten Plas­tik­pele­ri­nen.

Oro­pax, das ist Slap­stick pur. Wort­spie­le­rei­en ohne Ende, anfangs von zwei grie­chi­schen Göt­tern in Wasch­kör­ben auf einem Floß, schun­kelnd natür­lich zum Sir­ta­ki aus Alexis Sor­bas. Von Herrn Akles, der nicht Herr Kules sein darf, von der Eule, die man einst nach Athen trug und die jetzt nur noch eine Le ist – die EU gibt’s nicht mehr. „Sehr Ihr die Wäl­der, seht Ihr Devi­sen – haben wir denn gar kei­ne Mit­tel mehr?“

Da bleibt auch unter den nas­sen Pele­ri­nen kein Auge mehr tro­cken, wenn Tho­mas unter sei­nem Wasch­korb die DB-Nei­ge­tech­nik, also den Pen­do­li­no, prä­sen­tiert, der ein Sai­ten­würst­le ist und das dann der mal­trä­tier­te Zuschau­er bekommt, der die gan­ze Show über Opfer ist. Ihm nimmt Vol­ker die Chips­tü­te ab, weil das ja sowie­so unge­sund ist, leert die Was­ser­fla­sche drü­ber und reicht es zurück: „Jetzt geht´s zur Not auch aus Kar­tof­fel­brei durch!“ Die Fla­sche wird dann anschlie­ßend zum Kata­pult, Oro­pax lie­ben näm­lich auch die tech­ni­schen Spie­le­rei­en. Da wird dann das Schlauch­boot so lan­ge auf­ge­pumpt, bis es platzt und Vol­ker sei­nen ver­meint­lich durch die Luft geschleu­der­ten Bru­der mit­tels Ziga­ret­ten­rauch reani­mie­ren muss. Eine ande­re Was­ser­fla­sche wird mit einem klei­nen bat­te­rie­be­trie­be­nen Spiel­zeug­boot zur Oro­pa­xin­sel gesteu­ert, und schließ­lich gelingt den Tech­ni­kern sogar ein ech­ter Regen­bo­gen. Reg­nen tuts den­noch wei­ter, doch weder Zuschau­ern noch den durch­ge­knall­ten Brü­dern macht das was aus.

Die amü­sie­ren sich über den Test­turm: Der könn­te wahl­wei­se als Wacht­turm für die neue JVA oder als Tower für den Ber­li­ner Flug­ha­fen durch­ge­hen, machen sich über Nor­dic Wal­ker lus­tig und zie­hen Grimm­sche Mär­chen durch den Kakao – oder bes­ser durch das Frei­bad­was­ser, in dem sämt­li­che Requi­si­ten nach und nach lan­den, auch die Milch, die schwul macht, denn sie ist ja homo­ge­ni­siert. Vol­ker als Wal­ker im tür­kis-glän­zen­den Jog­ging­an­zug lan­det schließ­lich auf dem Drei­me­ter­brett, sei­ne Wal­king­stö­cke rei­chen bis ins Was­ser: „Hier macht man ja so lan­ge Din­ger, die dann nur rum­ste­hen“, und sein Bru­der in Ski­ern auf dem Fünf­me­ter­brett. Kurz stockt der Atem – er will doch nicht wirk­lich damit run­ter­sprin­gen? Doch, die­se Chao­ten sind zu allem fähig. Springt Kopf vor­aus, die Ski­er blei­ben an der Ober­flä­che und Tho­mas taucht auf: „Mir hat es fast das Genick gebro­chen! Mei­ne Perü­cke ist geplatzt!“ Und sein Bru­der kon­tert tro­cken – äh nass: „Drum hab ich mir eine Glat­ze wach­sen las­sen!“ Na, wenn das alles ist…

Slap­stick: „Was sind Fische, die in der Ver­gan­gen­heit stin­ken?“ Rochen, klar. Und das Gemü­se, mit dem man jeman­den ret­tet? Ein Ret­tich, klar. Der lan­det auch im Frei­bad­was­ser, eben­so die Honig­me­lo­ne, die damit zur Was­ser­me­lo­ne mutiert. Kein Wun­der, dass das Was­ser dann kaputt ist: „Es war im Eimer!“ Nach andert­halb Stun­den Lachen und Regen machen sich die bei­den in ihren Neo­pren­an­zü­gen vom Acker, zurück bleibt ein begeis­ter­tes Publi­kum und jede Men­ge nas­ser Requi­si­ten und Kos­tü­me im Was­ser – Cha­os­thea­ter eben. Weder ganz sau­ber noch ganz dicht.