ROTTWEIL – Am Diens­tag­abend hat Hein­rich Del Core aus dem Kraft­werk wie­der ein­mal eine wasch­ech­te Come­dy­büh­ne gemacht. Wasch­echt, denn auch Kna­cki Deu­ser, der Erfin­der von „Night­Wash“, war unter den Gäs­ten, die Hei­ni nach Rott­weil geholt hat­te (sie­he Bil­der­ga­le­rie).

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Koh­le­kraft statt Wasch­ma­schi­nen, Tur­bi­nen statt Trom­meln, Kna­cki war beein­druckt und das Publi­kum auch, ließ sich mit­rei­ßen von Hei­nis urschwä­bi­schen Ehe­pro­ble­men, von dem jun­gen Chris Tall, der zwar erst 24 ist, aber den­noch mit Damen schä­kert, die locker sei­ne Oma sein könn­ten („hast Du in einer Tup­per­schüs­sel über­nach­tet?“).

Von Sebas­ti­an Krä­mer, dem lei­sen, zurück­hal­ten­den Pia­nis­ten, der in sei­ner viel zu gro­ßen Anzugs­ho­se und dem über­di­men­sio­na­len Kra­wat­ten­kno­ten so unbe­hol­fen daher kommt und dann mit Wor­ten und Tönen um sich wirft, dass einem Hören und Sehen ver­geht. Rott­weil, so schräg, hört von den net­ten Stutt­gar­tern, die den Ber­li­ner Chan­son­nier vom Call-Bike holen, weil er unwis­sen­der- und ver­bo­te­ner­wei­se durch den Schloss­park radelt, „inzwi­schen ist das Unrechts­be­wusst­sein im Hin­ter­rad ein­ge­baut!“

Nun, ohne Ord­nungs­wid­rig­kei­ten gäbe es schließ­lich kei­ne Ord­nung, da muss man Krä­mer recht­ge­ben, dem sym­pa­thi­schen Locken­kopf, der sich am Ende als Kla­vier­vir­tuo­se outet, und auch, dass es recht schwie­rig ist, mit einer olym­pi­schen Gold­me­dail­le einen Spann­gurt fürs Fahr­rad zu kau­fen. Wozu also so ein Ding?

Kna­cki Deu­ser, der sou­ve­rä­ne Köl­ner, begeis­tert vom Kraft­werkam­bi­en­te, der macht Donald Trump zu Geis­sens mit rich­tig viel Geld und räso­niert wei­ter über die Amis, die sogar uns­re Funk­we­cker mani­pu­lie­ren. Also Obacht, wenn man mal ver­schläft – die NSA hat wirk­lich über­all die Fin­ger drin.

Aber auch mit Tee­nies kennt Deu­ser sich aus, denn er hat selbst wel­che zuhau­se und weiß: G 8 ist schuld dar­an, dass die Abitu­ri­en­ten zwar Kis­sen­schlach­ten bei Ikea kön­nen, aber Bet­ten­ma­chen nicht. Und freut sich auf den Tag, wo er der Müll­ton­nen­raus­stel­lo­pi­ni­on­lea­der sein darf. Weil er dann näm­lich mit­ten in der Nacht die rote statt der blau­en Ton­ne raus­stellt. Das ist die für übri­ge Fami­li­en­mit­glie­der.

Nach der Pau­se darf jeder der drei noch­mal ran, Hei­ni macht den Pau­sen­clown, und die Lach­mus­keln leis­ten Schwer­ar­beit, wenn Chris Tall sei­ne über­mäch­ti­ge Mut­ter kari­kiert („da hat der Nach­bar vor lau­ter Angst sein Zim­mer auf­ge­räumt“), Sebas­ti­an Krä­mer den Sar­kas­mus durch einen angeb­li­chen Reg­gae, der in Wirk­lich­keit ein ver­klei­de­ter Blues ist und nur vier Fin­ger braucht, trie­fen lässt und von der gemei­nen Sehn­sucht singt, wenn Kna­cki Deu­ser sich aus­malt, wie das wäre, wenn die Deut­schen, die doch eh schon alles haben, auch noch Humor hät­ten. Und sei­nen Nef­fen Horst-Las­se prä­sen­tiert, der nach eige­nen Wor­ten hydro­se­xu­ell ist.

Also mit Frau­en, Män­nern und Bäumen…Nun, in einem Land, wo es die ers­ten Senio­ren­klap­pen gibt, ist schließ­lich alles mög­lich. Auch Humor. Einen gan­zen Abend lang.