Wahrscheinlich Straßenkunst, sogenanntes Shoefiti: Sportschuhe baumeln in einem Baum an der Höllensteinkurve in Rottweil. Fotos: Thomas Decker, Team Ralf Graner Photodesign
Wahrscheinlich Straßenkunst, sogenanntes Shoefiti: Sportschuhe baumeln in einem Baum an der Höllensteinkurve in Rottweil. Fotos: Thomas Decker, Team Ralf Graner Photodesign

War­um jemand zusam­men­ge­bun­de­ne Paar Schu­he in einen Baum wirft, ist unbe­kannt. Klar aber ist: Die­ses welt­wei­te Phä­no­men, Shoe tos­sing oder Shoefi­ti genannt, ist jetzt auch in Rott­weil ange­kom­men.

Kleine Bildergalerie: der Schuhbaum von Rottweil. Fotos: Thomas Decker
Klei­ne Bil­der­ga­le­rie: der Schuh­baum von Rott­weil. Fotos: Tho­mas Decker

Rott­weil (gg). Den Anfang macht eine Legen­de: die vom wäh­rend einer Auto­fahrt strei­ten­den Paar. Der Sage zufol­ge soll die Frau ihren Mann zum Anhal­ten gebracht haben, und dann vor­ge­habt haben, wütend davon zu lau­fen. Das soll der Mann ver­hin­dert haben, indem er ihre Schu­he schnapp­te, mit den Schnür­sen­keln ver­kno­te­te und in einen Baum warf. Die Frau soll danach im Übri­gen ger­ne bei ihrem Mann geblie­ben sein. Für immer. Und wenn sie nicht gestor­ben sind … dann leben sie noch heu­te in Neva­da, USA, wo sich die Geschich­te zuge­tra­gen haben soll.

Den Anfang mach­te aber viel­leicht auch ein Brauch in Schott­land, der kurz und knapp besagt, dass Jugend­li­che ihre Schu­he zu hän­gen hät­ten, nach­dem sie ihre Unschuld ver­lo­ren haben. Viel­leicht ist der Ursprung der hän­gen­den Paar Schu­he aber auch in New York zu suchen, wo Gangs ihre Revie­re mar­kie­ren, indem sie die Lat­schen an Strom­lei­tun­gen hän­gen.

Der Pas­tor einer klei­nen Gemein­de im süd­li­chen Los Ange­les, in des­sen Ort­schaft alle 500 Meter Schu­he an den Ober­lei­tun­gen zu fin­den sind, weiß das Phä­no­men voll­kom­men anders zu erklä­ren: Jedes Schuh­paar steht für einen getö­te­ten Men­schen. An dem Ort, an dem er oder sie ver­starb, wer­fen die Freun­de ein Schuh­paar über die Strom­lei­tung und erin­nern auf die­se Wei­se an den trau­ri­gen Ver­lust”, berich­tet dage­gen der Blog „Shoepas­si­on”. Die­ser weiß auch eine wei­te­re Therorie: „Aus der Armee ent­las­se­ne Sol­da­ten wür­den aus Freu­de über das Ende ihrer Dienst­zeit ihre Schu­he in die Bäu­me beför­dern. Wie­der ande­re glau­ben, jene bau­meln­den Schu­he ver­fü­gen über wun­der­sa­me Kräf­te und hal­ten böse Geis­tern von ihnen fern.”

Viel­leicht ist es auch ganz ein­fach Stra­ßen­kunst. Wiki­pe­dia weiß über eine Stra­ße in Flens­burg: „Hier soll das Phä­no­men dadurch ent­stan­den sein, dass die Kun­den eines Ska­ter­shops nach Kauf neu­er Snea­ker ihre alten Schu­he zurück­lie­ßen und der Laden­be­sit­zer sie über die Lei­nen warf. Sein Nach­bar vom St.-Pauli-Fanshop soll sich bald dar­auf ange­schlos­sen haben. Die Schu­he der Nor­der­stra­ße wur­den zu einer Sehens­wür­dig­keit der Stadt und einem belieb­ten Foto­mo­tiv.

Was auch immer – jetzt jeden­falls bau­meln die­se Schu­he auch in Rott­weil von den Bäu­men. In der Höl­len­stein­kur­ve, neben der alten B 27 zwi­schen See­hof und der Stadt.

Unser Foto­graf Tho­mas Decker vom Team Ralf Gra­ner Pho­to­de­sign hat sie dort ent­deckt. Eine Erklä­rung hat er nicht, meint dazu: „Für die einen ist dies eine ein­fa­che Müll­ent­sor­gung für ande­re ist es Kunst zwi­schen König-Karl-Brü­cke und Ber­ner Feld.”

Deutsch­land­weit gibt es vie­le wei­te­re Schuh­bäu­me, in Ber­lin eini­ge, wei­te­re in Mün­schen, Wies­ba­den, Kon­stanz, Düren, Eus­kir­chen, bei­spiels­wei­se. Nun auch in der ältes­ten Stadt Baden-Würt­tem­bergs.

[fb_embed_post href=„https://www.facebook.com/NRWZ.de/posts/833946826670494/” width=„730”/]