Tag zwei auf dem ehe­ma­li­gen Mili­tär­flug­platz in Neu­hau­sen ob Eck: Das Southsi­de-Fes­ti­val erreich­te am Sams­tag sei­ne musi­ka­li­schen Höhe­punk­te, die Fans trot­zen Käl­te und Regen. Schon am Frei­tag war viel los. Obwohl bereits am ers­ten Tag der Boden an vie­len Stel­len Matsch­pfüt­zen gewi­chen ist, fei­er­ten zehn­tau­sen­de Fans aus­ge­las­sen. Das Fes­ti­val war vor­ab aus­ver­kauft, die Zelt­plät­ze voll.

Bildergalerie
Bil­der­ga­le­rie: hier kli­cken. Fotos: Sebas­ti­an Dre­her

Frei­tag in Neu­hau­sen: Gegen Mit­tag ist das Fes­ti­val­ge­län­de ver­gleichs­wei­se leer. Das mag an dem auf­ge­weich­ten Boden und den mode­ra­ten 15 Grad lie­gen, oder an den eher klei­nen und unbe­kann­ten Acts. Erfah­ren­de Southsi­de-Vete­ra­nen sind in Gum­mi­stie­fel unter­wegs und erspa­ren sich dadurch nas­se Füße. Ein­zig im eigens für das Fes­ti­val auf­ge­bau­ten Gast­haus „Zum röh­ren­den Hir­schen“ schei­nen kei­ne Regeln zu gel­ten. Dort ist seit Mit­tag Hoch­be­trieb.

Zum frü­hen Abend kom­men dann „Mil­ky Chan­ce” und „Of Mons­ters and Men” auf die Büh­nen, wel­che ihre Hit­sin­gles zum Bes­ten geben und damit das Publi­kum zum tan­zen, fei­ern und grö­len bewe­gen. Die Stim­mung steigt, die Men­ge tobt. Am Ende wer­den laut­hals Zuga­ben gefor­dert.

Schnell sind die küh­len Tem­pe­ra­tu­ren ver­ges­sen, der Lau­ne- und Alko­hol­pe­gel auf gewohnt hohem Niveau und das Gelän­de voll.

Als am Abend Ben Howard auf der Büh­ne ste­hen soll, kommt die Absa­ge. Auf­grund einer Krank­heit kann er nicht auf­tre­ten. Als Ersatz wer­den Madsen ange­kün­digt, und das unter tosen­dem Bei­fall. Die Band hat nur einen Tag zuvor von dem Auf­tritt erfah­ren, lie­fert aber eine gewohnt mit­rei­ßen­de Per­for­mance ab. Neben ihren eige­nen Songs spie­len sie auch eini­ge Rock-Klas­si­ker von AC/DC, Nir­va­na und Co.

Gefei­ert wird bis in die frü­hen Mor­gen­stun­den, auch wenn der Abend stets von leich­tem Nie­sel und Tem­pe­ra­tu­ren unter 10 Grad beglei­tet wird.

Dann der Sams­tag, Tag zwei: Mor­gens über­mü­det aus dem Zelt krie­chen und von Regen und nied­ri­gen Tem­pe­ra­tu­ren erwar­tet wer­den. Eigent­lich stellt man sich ein Fes­ti­val im Som­mer anders vor, doch irgend­wie scheint sol­ches Wet­ter fast jedes Jahr mit dem Southsi­de ver­knüpft. Nach eher ver­hal­te­nen Stim­mung am Mor­gen auf dem Zelt­platz zieht es am Sams­tag eini­ge Besu­cher schon früh auf das Fes­ti­val­ge­län­de, begin­nen die ers­ten Bands doch schon um 14 Uhr.

Der Tag ist kühl und bewölkt, bei man­chen sind die Kla­mot­ten nass, aber bei allen mat­schig. Da kommt am frü­hen Abend eine Band wie „LaBrass­Ban­da” genau rich­tig. Der musi­ka­li­sche Stil die­ser Band lässt sich schwer ein­ord­nen, eine Mischung als Blas­mu­sik, Rock, Volks­mu­sik in Dia­lekt gesun­gen und Pop. Sie selbst bezeich­nen es als „Alpen Jazz Tech­no“. Die Band ist ein Garant für Lachen, Tan­zen und Fei­ern und trägt ent­schei­dend dazu bei, das eng ste­hen­de Publi­kum auf­zu­wär­men. Bis zum letz­ten Song gibt LaBrass­Ban­da alles, der Mann hin­ter der Posau­ne spielt sich sogar die Lip­pen blu­tig.

Auf der ande­ren Büh­ne geht es wei­ter mit Parov Stel­lar, einem öster­rei­chi­schem DJ aus der Rich­tung des Elek­troswing. Beim Southsi­de tritt er mit Band und Sän­ge­rin auf und über­trägt trotz kur­zer Regen­fäl­le eine unbän­di­ge Ener­gie auf das Publi­kum. Das Wet­ter scheint vor­erst ver­ges­sen.

Mit „NOFX” kom­men regel­rech­te Urge­stei­ne des Punk­rocks auf die Büh­ne, ganz in alter Manier in ver­rück­ten Out­fits und mit locke­ren Sprü­chen.

Als größ­te Band des Fes­ti­vals tritt am Abend „Pla­ce­bo auf. Dass sich der Sän­ger der eng­li­schen Band teil­wei­se auf Deutsch an das Publi­kum rich­tet, begeis­tert die Zuhö­rer.

Zum Abschluss des zwei­ten Tages stand man vor der Wahl: Deutsch-Rap bei „Cas­per” oder Elek­tro­beats mit „Deadmau5”. Betrach­tet man die Reak­tio­nen der Fes­ti­va­lis­ten war Cas­per anschei­nend die bes­se­re Wahl, woll­te doch bei Deadmau5 kei­ne wirk­li­che Stim­mung auf­kom­men.

All die­je­ni­gen, wel­che nach dem Rück­weg zum Zelt­platz einen tro­cke­nen, sau­be­ren Schlaf­sack vor­fin­den, sind die wirk­li­chen Gewin­ner des Tages. Nach den Stra­pa­zen vom Sams­tag hat man sich eine erhol­sa­me Nacht ver­dient.