Rott­weil. Poli­tisch und poin­tiert wie lan­ge nicht ist die Aus­stel­lung, die heu­te Abend Bür­ger­saal am Fried­richs­platz eröff­net wird: Das Forum Kunst zeigt Arbei­ten von Sieg­fried Neu­en­hau­sen.

Der 1931 in Dor­ma­gen gebo­re­ne Bild­hau­er, Maler, Gra­fi­ker und Autor war bereits in den frü­hen Sieb­zi­ger­jah­ren beim Rott­wei­ler Kunst­ver­ein zu Gast. Die aktu­el­le Aus­stel­lung knüpft dar­an an, sie ver­bin­det jedoch älte­re
Arbei­ten des Künst­lers mit neue­ren Wer­ken: Skulp­tu­ren, Male­rei­en, Künst­ler­bü­cher – um 100 Expo­na­te sind zu ent­de­cken.

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Die Schau zeigt, wie sehr Neu­en­hau­sen sich treu geblie­ben ist. Noch immer pran­gert der auch in Sozi­al­pro­jek­ten stark enga­gier­te Künst­ler mit unbe­stech­li­chem mora­li­schem Kom­pass Unrecht, Macht­miss­brauch und Men­schen­ver­ach­tung an. Waren es vor 40 Jah­ren die grie­chi­schen Oberis­ten,
die er für Fol­ter und Will­kür atta­ckier­te, so brand­mark­te er vor gut einer Deka­de den ame­ri­ka­ni­schen Kriegs­prä­si­den­ten mit einem pla­ka­ti­ven „Bush weg“.

Vie­les aus frü­he­ren Werk­grup­pen wirkt zudem stau­nens­wert aktu­ell: Klei­ne Bron­zen mit in Käfi­gen ein­ge­pferch­ten Krea­tu­ren las­sen an Guan­ta­na­mo und ande­re Ent­rech­tungs-Orte den­ken. Rei­hen geduck­ter Köp­fe ver­wei­sen sub­til auf die defor­mie­ren­de Wir­kung repres­si­ver Sys­te­me rund um den Glo­bus. Und eine
manns­gro­ße Figur eines gefes­sel­ten Man­nes mit über den Kopf gestülp­tem Sack ruft vehe­ment in Erin­ne­rung, dass unzäh­li­ge Men­schen tag­täg­lich Fol­ter­qua­len aus­ge­setzt sind.

Zum andern zeigt die Schau, dass der Künst­ler auch mit 83 Jah­ren noch vol­ler Vita­li­tät und Schaf­fens­kraft steckt. Das illus­trie­ren unter ande­rem sei­ne Künst­ler­bü­cher, die in Vitri­nen aus­lie­gen oder vir­tu­ell durch­ge­blät­tert
wer­den. Pam­phl­e­thaf­te Kom­men­ta­re zum Tages­ge­sche­hen hält er dort kon­ti­nu­ier­lich fest – sei es zum ope­ret­ten­haft-gro­tes­ken lybi­schen Poten­ta­ten Gad­da­fi oder zu den poli­ti­schen Wand­lun­gen eines Josch­ka Fischer, dem Neu­en­hau­sen einen ent­la­ven­den Hei­li­gen­schein ver­passt hat.

Die Schau ermög­licht die Begeg­nung mit dem Werk eines Künst­lers, der eine poin­tier­te Hal­tung streit­bar ver­tritt. Und der sein Metier beherrscht und eben­so vital wie ver­dich­tet mit sei­nen Mate­ria­li­en zu gestal­ten ver­mag. Eine
fabel­haf­te, mit­rei­ßen­de Aus­stel­lung!

Info: Die Aus­stel­lung im Forum Kunst dau­ert bis zum 19. April. Sie ist Diens­tag, Mitt­woch und Frei­tag von 14 bis 17 Uhr, Don­ners­tag von 17 bis 20 Uhr, Sams­tag und Sonn­tag von 10 bis 13 und 14 bis 17 Uhr geöff­net.