Laura Halding-Hoppenheit, Foto: pm

Sie schwört auf die Kraft von Stei­nen, bezeich­net sich selbst als „Hexe“, sie ist weit­hin als Para­dies­vo­gel bekannt, betreibt seit 40 Jah­ren einen Schwu­len-Club in Stutt­gart – und jetzt kan­di­diert sie im Wahl­kreis Rott­weil-Tutt­lin­gen als Kan­di­da­tin der Lin­ken für den Bun­des­tag: Lau­ra Hal­ding-Hop­pen­heit ist eine unge­wöhn­li­che Frau, die so gar nicht in die Welt der Poli­tik zu pas­sen scheint.

Noch bevor das Gespräch beginnt, äußert sie eine Bit­te, die man auch als Befehl ver­ste­hen kann: „Sie kön­nen mich alles fra­gen, nur nicht, wann ich gebo­ren bin!“ Klar ist, dass sie im rumä­ni­schen Banat gebo­ren wur­de, und Wiki­pe­dia weist aus, dass es im Jahr 1942 gewe­sen sein muss. Ob das stimmt, weiß man nicht. Sie stu­dier­te dann in Buka­rest Kunst­ge­schich­te und Archäo­lo­gie. „Dann soll­te ich in den Wes­ten, um Erfah­rung zu sam­meln“, berich­tet sie. Mit einem Sti­pen­di­um aus­ge­stat­tet kam sie in den 60er-Jah­ren nach Ham­burg. „Ich hat­te abso­lut kein Inter­es­se, ich ver­stand kein Wort, alles war kom­pli­ziert, kom­pli­zier­ter geht es gar nicht“, sagt sie im Rück­blick.

Sie ging eine Schein­ehe ein, ließ sich nach sechs Wochen schei­den – und hei­ra­te­te danach den dama­li­gen Trau­zeu­gen, einen Bur­da-Redak­teur. Der wur­de 1973 als Chef­re­dak­teur nach Stutt­gart beför­dert. Aus der Ehe gin­gen zwei Kin­der her­vor, ein Jun­ge und ein Mäd­chen, „und bei­de sind etwas gewor­den, haben gute bür­ger­li­che Beru­fe“, erklärt die Mut­ter. Sie sei immer für ihre Kin­der dage­we­sen.

Aber auch in Stutt­gart hat­te sie Akzep­tanz-Pro­ble­me, zumal in den höhe­ren Krei­sen, in denen sich ihr Mann beweg­te. Wie schon in Ham­burg fühl­te sie sich zur Schwu­len-Sze­ne hin­ge­zo­gen. Auf die Fra­gen nach den Grün­den ant­wor­tet sie: „Die­se Men­schen haben mich so akzep­tiert, wie ich bin.“

Und so grün­de­te sie 1976 den „Kings Club“, der zur Hei­mat für Homo­se­xu­el­le wur­de. Zeit­wei­se betrieb sie vier Sze­ne-Loka­le in Stutt­gart „Ich war eine abso­lu­te Außen­sei­te­rin in der Stadt“, sagt sie und fügt hin­zu: „Nichts ist schlim­mer, als wenn du nicht dazu­ge­hörst.“ Da nütz­te es wenig, dass sie sich gleich­zei­tig für dro­gen­ab­hän­gi­ge Frau­en, für Mut­ter-Kind-Pro­jek­te und in der Stra­ßen-Sozi­al­ar­beit enga­gier­te. Ihr Mann moch­te das nicht mehr mit­ma­chen und ließ sich schei­den.

Doch Hal­ding-Hop­pen­heit ging ihren Weg kon­se­quent wei­ter. Sie nahm unter ande­rem den sucht­kran­ken Schau­spie­ler Hel­mut Ber­ger auf, brach­te ihn mehr­fach in die Ent­zugs­kli­nik, wo er immer wie­der aus­riss und zu ihr zurück­kehr­te. Doch das ging über ihre Kräf­te. „Der war nur betrun­ken und rief dau­ernd, er sei der Größ­te. Das ging nicht mehr. Dann habe ich ein­ge­packt, ihn in den Zug gesetzt und ent­sorgt.“

Sie muss­te lan­ge um Aner­ken­nung kämp­fen: Vor drei Jah­ren wur­de sie dann mit dem Bun­des­ver­dienst­kreuz aus­ge­zeich­net und zudem für die Lin­ken in den Stutt­gar­ter Gemein­de­rat gewählt. Und als das 40-jäh­ri­ge Bestehen des Kings Club im Stutt­gar­ter gefei­ert wur­de, „war das ein gesell­schaft­li­ches Ereig­nis“, wie sie nicht ohne Stolz berich­tet. Die Stutt­gar­ter Zei­tung bezeich­ne­te die rot­haa­ri­ge Frau mit dem sla­wi­schen Akzent als „Feu­er­ro­tes Gesamt­kunst­werk“.

Ich habe immer nur auf die Schnau­ze bekom­men, 40 Jah­re kei­nen Urlaub gemacht, aber ich habe gekämpft“, sagt sie. „Inzwi­schen habe ich mei­nen Platz gefun­den, es war hart, aber schön.“

War­um bewirbt sich so jemand aus­ge­rech­net im bür­ger­lich-bra­ven Wahl­kreis Rott­weil-Tutt­lin­gen mit Vol­ker Kau­der als ewi­gem Platz­hirsch? Auch da bleibt sie sich treu: „Das woll­te kei­ner machen, dann hab’ ich gesagt, dann mach’s ich.“ Und sie will mehr als Platz­hal­te­rin sein. „Ich will nicht gegen Herrn Kau­der oder die ande­ren Kan­di­da­ten kämp­fen, son­dern für die Men­schen hier“, sagt die Lin­ken-Bewer­be­rin und ver­si­chert. „Ich will auch nach der Wahl da sein und sozia­le Pro­jek­te unter­stüt­zen.“

Zwei Din­ge wüss­te man schon noch gern: Wie ist das mit der Hexe und den Stei­nen? „Ich bin kei­ne Fee“, sagt sie „ich bin eine Hexe und mei­ne damit vor allem die Kraft, die von einer Hexe aus­geht. Auch in Stei­nen liegt Kraft.“

Und war­um will sie ihr Geburts­da­tum nicht ver­ra­ten? „Dann den­ken die Leu­te, die alte Kuh soll in Ren­te gehen und die Schnau­ze hal­ten. Aber mein Leben besteht aus Arbeit.“