Marcel Aulila: „Habe noch keine Wohnung in Berlin“

Bundestagswahl: Marcel Aulila

Marcel Aulila. Foto: pm

Der 26-Jährige Mar­cel Aulila hat klare Ziele, „allerd­ings hab ich noch keine Woh­nung in Berlin.“ Gute Chan­cen rech­net sich der FDP-Kan­di­dat trotz­dem aus, in den Bun­destag zu kom­men, immer­hin ste­ht er auf der Liste auf Platz 16.

Wie er zur Poli­tik gekom­men ist? „Ich hab früher gern SIM-City-gespielt“, ein Com­put­er­spiel, bei dem man Städte entwirft. Und dabei ist dem jun­gen Mar­cel allmäh­lich klar gewor­den, was das bedeutet, dass eine Straße nicht nur eine Straße ist, son­dern darunter Ver­sorgungsleitun­gen liegen. Und dass sich die Bürg­er nicht ger­ade freuen, wenn man die Steuern erhöht. Das Inter­esse an Kom­mu­nalpoli­tik war geweckt.

Als er dann nach dem Abitur am Spaichinger Gym­na­si­um nach Friedrichshafen ging, um Wirtschaftswis­senschaften zu studieren, „hat­te ich ein lib­erales Umfeld um mich. Da lag es nahe, in die FDP einzutreten.“ Und dann tat er das, was viele sein­er Kom­mili­to­nen belächel­ten: Er kehrte in die alte Heimat zurück. In den Monat­en, die er in München und Schwe­den ver­brachte, „wurde mir klar, dass mir der ländliche Raum ein­fach fehlt.“

Er fand Arbeit, grün­dete den Ortsver­band der Jun­gen Lib­eralen, die nach zwei Jahren schon 23 Mit­glieder hat­ten. „Wir haben Voll­gas gegeben.“ 2014 wurde er in den Gemein­der­at gewählt, 2015 zum Vor­sitzen­den der Lan­des-Julis. Und das alles, wie er betont, ohne beson­dere Kar­riere-Ambi­tio­nen: „Das hat sich ein­fach so ergeben.“

Nun also die Kan­di­datur für den Bun­destag, bei der er sich dur­chaus Chan­cen errech­net. Immer­hin: Erfahrung in der Kom­mu­nalpoli­tik hat er schon gesam­melt, und das wün­scht er sich eigentlich für jeden, der im Bun­destag sitzt. „Mir ist es unerk­lär­lich, wie jemand das machen kann, der noch nie in einem kom­mu­nalen Par­la­ment saß.“ Daher möchte er auch in Spaichin­gen weit­er­ma­chen, sollte er am Son­ntag genug Stim­men für Berlin bekom­men. Und seine The­men hat er auch schon klar geset­zt: Bil­dungspoli­tik kommt an erster Stelle.

Herun­tergekommene Schulen, „im Spaichinger Gym­na­si­um geht’s noch, aber da ste­hen noch Tages­licht­pro­jek­toren“, da muss der Bund ran, das ist für ihn klar. Deshalb muss das Koop­er­a­tionsver­bot weg, damit der Bund sanieren kann, wenn die Län­der kein Geld dafür haben. „Das kön­nte man gle­ich am ersten Tag machen“, sofern die FDP dann in der Regierung mit­mis­cht. Ver­gle­ich­bare Abschlüsse, das ist das näch­ste. Er hat es selb­st erlebt im Studi­um, der Kom­mili­tone aus Ham­burg, dessen Math­eken­nt­nisse nicht über die zehnte Klasse der Schwaben hin­aus­re­icht­en, „und damals gab es noch 13 Klassen.“ Das ist für den Ham­burg­er doof, der dann nach­ler­nen muss, aber auch für den Baden-Würt­tem­berg­er, der vielle­icht bess­er ist als der Ham­burg­er, aber den­noch ein schlechteres Abizeug­nis hat und daher bei der Stu­di­en­platzver­gabe den Kürz­eren zieht.

Bre­it­ban­daus­bau, das näch­ste The­ma: Da soll der Bund seine Anteile an Post und Telekom verkaufen, mit dem Geld wird dann das schnelle Inter­net für alle finanziert. Wichtig, nicht nur für die Unternehmen, son­dern auch, damit die Jun­gen auf dem Land leben wollen. „Die schauen heute nicht mehr fern“, sie brauchen Net­flix und Co. Da kommt gle­ich das näch­ste The­ma: Die GEZ-Gebühren, das muss anders wer­den, find­et Mar­cel Aulila.

Klar, ARD und ZDF sollen weit­er öffentlich bleiben, sich aber auch mehr anstren­gen, aktueller wer­den. Dass bei­de öffentlich-rechtlichen Sender am Abend des Putsches in der Türkei erst ihre Spielfilme fer­tig laufen ließen, während N24 längst live aus Istan­bul berichtete, geht gar nicht, find­et der FDP-Kan­di­dat. Ein Ein­wan­derungs­ge­setz nach kanadis­chem Vor­bild („das fordert die FDP schon seit 20 Jahren“), das engagierte Immi­granten fördert, die Unwilli­gen abschiebt. „Wir brauchen Regelun­gen“, dass Leute abgeschoben wer­den, die im Beruf oder der Aus­bil­dung ste­hen, gehe nicht. „Wir steck­en da Geld rein, und dann wer­den sie abgeschoben.“