AfD-Kandidat Hoffmann im youtube-Video. Screenshot: him

SCHRAMBERG (him) – Der AfD-Bundestagskandidat Reimond Hoffmann macht Wahlkampf, er äußert sich in der Schwäbischen Zeitung, aber auch in einem Werbemagazin. Den Rechtsstaat will er stärken, christlicher Glaube, deutsche Sprache und Kultur müssten wieder eine stärkere Rolle spielen. Der ländliche Raum müsse gestärkt werden, „vor allem mit Infrastrukturprojekten”, lässt er via „Perle“ wissen. Schnarch.

Das hätten die meisten Vertreter der anderen Parteien wohl auch so sagen können. Reimond Hoffmann, der Biedermann? Vielleicht nach außen. Auf seinen eigenen Facebookseiten äußert sich der 30-jährige „Parlamentarische Berater“ wesentlich deutlicher. (Wir haben  schon im Juni ausführlich berichtet.) Da tritt er stramm rechts auf. Vor einigen Tagen bei einer AfD-Kundgebung in Offenburg sprach er gemeinsam mit Jürgen Elsässer, dem Herausgeber des Compact Magazins, einem Verbindungsglied zwischen der AfD und der Neurechten.

Lügenpresse

Auch der AfD-Landtagsabgeordnete Stefan Räpple stand auf der Rednerliste. Die Demonstranten gegen die GEZ-Gebühr hielten „Lügen-Presse“-Plakate in die Höhe. Er habe in seiner Rede angeprangert, dass bei den G 20 Protesten in Hamburg „die Staatssender die linke Gewalt verharmlost“ und die „GEZ-Medien behauptet hätten, die Steine wären von selbst geflogen“, erzählt Hoffmann in einem Filmchen auf seiner FB-Seite.

Und weiter: „Wer gegen Deutschland ist, hat keine Staatsförderung verdient und muss bekämpft werden. Nur wer für Deutschland ist, hat Unterstützung verdient. Jeder Mensch, der gegen Deutschland ist, schadet diesem Land.“ Was heißt das, wer gegen Deutschland ist?

Zwei Tage vor der Offenburger Kundgebung fand Hoffmann  im Zusammenhang mit dem Terroranschlag in Charlottesville in den USA deutliche Worte. Ein Neonazi war dort bekanntlich bewusst mit seinem Auto in eine Gruppe Gegendemonstranten gerast und hatte eine Frau getötet. In Charlottesville wie in vielen anderen Städten lassen die Kommunalpolitiker Denkmäler entfernen, die Sklavenhalter und Generäle der Südstaatenkonföderation  aus dem amerikanischen Bürgerkrieg verherrlichen.

Dazu schreibt Hoffmann auf seiner Facebookseite: „Jede Nation muss das Recht haben ihren Toten zu gedenken. Das gilt auch für Deutschland und die Konföderierten. Das Abreißen von Statuen, Ändern von Namens-/ und Straßenschildern und das Tilgen aus den Geschichtsbüchern unterscheidet sich kaum vom rigorosen Vorgehen eines Islamischen Staates.“  Kein Wort von Hoffmann zum Mord an einer Gegen-Demonstrantin.

Helden wir wir

Wenn Hoffmann vor Parteifreunden vom rechten AfD-„Flügel“ spricht, wird er noch deutlicher. Der Flügel, das sind die Anhänger von Björn Höcke, dem Rechtsaußen in der AfD. So findet sich ein Hoffmann-Video auf Youtube. Es zeigt ihn bei der Kandidatenvorstellung für die Bundestagswahl des „Flügels“ der AfD.

In diesem Video erzählt Hoffmann, er sei  zum Studium nach Ungarn gegangen, denn „ Ich wusste schon damals, dass Victor Orban einer der besten Politiker in Europa ist.“ Und sagt, weshalb: „Grenzzäune hochziehen, die eigenen Leute zuerst, dafür möchte ich im Bundestag stehen.“ Jubel beim Flügelanhang. Dass er 2012 ein Stipendium der Baden-Württemberg-Stiftung erhielt, ist einem Bericht auf der Homepage der Andrássy Universität Budapest zu entnehmen.

In dieser Vorstellung versichert Hoffmann auch, er gehöre zu den Gründern der AfD im Jahr 2013: „(Ich bin) Kämpfer der ersten Stunde.“ Er habe den Kreisverband Breisgau-Hoch-Schwarzwald mit aufgebaut, sei Mitgründer der Jungen-Alternative. „Die Leute, die damals dabei waren, das waren Helden. Es waren nicht die Leute, die heute merken, die AfD ist etabliert. Die Leute, die jetzt eintreten, im letzten Moment, kurz vor der Aufstellungsversammlung, vielleicht weil es bei der CDU nicht geklappt hat, die haben die Tapferkeit und den Heldenmut fehlen lassen. Wer nicht an den Infoständen gestanden hat unter Polizeischutz und bespuckt und beworfen wurde, der kann die Seele unserer Partei nicht verstehen.“  Woran erinnert einen das?

Rechte Schlagworte

Soweit öffentlich zugängliche Aussagen von Hoffmann. Es gibt aber auch AfD-interne FB-Posts aus dem Jahr 2014. Darin  reden die Kameraden Klartext (siehe Kasten unten). So markiert Hoffmannn einen Post von Thom Sommer vom 7. September 2014 mit einem „Gefällt mir!“ Sommer schreibt (Alle Zitate in Original-Rechtschreibung):  „Es ist nicht nur die systematische Ausrottung der deutschen Kultur sondern die aller europäischen Völker, um in Europa einen globalisierten Einheitsmenschen zu züchten ohne Wurzeln….“

Der „Einheitsmensch“ ist in rechtsradikalen Kreisen eine beliebte Figur, der mal von den obskuren „Bilderbergern“ http://familiengerechtigkeit-rv.info/?p=1724 vom „Staat“ https://emannzer.wordpress.com/2015/02/06/totalitarismus-einheitsmensch-soldat/   oder den „Plutokraten“, sprich den Juden https://lupocattivoblog.com/2012/05/10/die-erschaffung-eines-einheitsmenschen-stellt-ein-verbrechen-grosten-ausmases-dar-und-das-motiv-dazu-ist-in-hochstem-mase-obszon/  geschaffen werde, um die Menschheit zu unterdrücken.

Die Diffamierung von Abgeordneten als „Volksverräter“ gehört am ultrarechten Rand zum guten Ton. Trotzdem – oder gerade deshalb? – gefällt Reimond Hoffmann ein Kommentar von 13. November 2014 zu einer  Meldung über eine angebliche Stadtteilumbenennung eines mehrheitlich von Türken bewohnten Viertels in Mannheim. Ein „Ich Vla“ schrieb: „Dank unserer Volksverräter in den Parlamenten ist das alles nur eine Frage der Zeit.“ Hoffmann selbst hatte die Meldung gepostet und die Frage gestellt, wann sich die ersten Stadtteile für unabhängig erklärten. Dass sich die angebliche Umbenennung als Falschmeldung herausstellte, was solls?

Hoffmann gefällt auch ein Post von Fritz Oberland vom 31. Juli 2014, der einen Mittelweg zwischen westlichem Liberalismus und östlichem Kollektivismus für Deutschland sucht, denn  „nur diese Staatsaufassung stimme mit dem deutschen Volkscharakter überein.“ Der „deutsche Volkscharakter“ – ein Begriff, den der rechtskonservative Publizist Oswald Spengler („Der Untergang des Abendlandes“) in den 20er Jahren verwendete und der im dritten Reich sehr populär wurde.

Kein Tuntenverein

Klar gefällt Hoffmann auch, was Oberland weiter zum „Liberalismus“ meint: „Die ganzen lebensunwirklichen Erscheinungen bspw die neokommunistischen Gesellschaftsvorstellungen wie ‚Gender mainstreaming‘, Homokram, Überfremdung, Islamisierung und das Wegschmeißen eigener Normen und Kulturen…“ seien Folge dieses Liberalismus.

Überhaupt, Homosexualität, das ist bei den Jung-Alternativen (JA) äbäh: Hoffmann hat einen Post von Franziska Schreiber am selben Tag geliked: „Und wenn man… die permanente Ermahnung zu mehr Toleranz gegen Homosexuelle meint, oder Abstrusitäten wie einen lesbischen Friedhof, einen Weihnachtsmarkt für Homosexuelle …dann finde ich das in der Tat SEHR kritikwürdig.“ Schließlich freut er sich mit „Daumen hoch“ über einen Post von Dubravko Mandic: „Hauptsache die JA wird kein Tuntenverein…“ Nun hat die AfD eine offen lesbische Spitzenkandidatin. So kann‘s gehen.

Putinist Hoffmann

Besonders stolz ist Hoffmann auf seine guten Beziehungen zu Russland. Bilder von einem Besuch in der russischen Botschaft postet er am 26. November 2014. Dort war er mit Markus Frohnmaier und weitere JAlern zu Besuch. Frohnmaier – auf der AfD-Landesliste Platz vier und damit ziemlich sicher im nächsten Bundestag –  gehört wie er selbst zu einer Gruppe „Putinisten“ (Deutsche Freunde Wladimir Putins).

Seine Noch-Parteivorsitzende Frauke Petri sagte kürzlich dem Spiegel: „Dass die Annexion der Krim völkerrechtswidrig war, darüber müssen wir uns nicht streiten.“  Ihr AfD-Kandidat Hoffmann  sieht das wohl anders. Der likte nämlich am 25. November 14 einen Post von Dubravko Mandic (AfD-Direktkandidat in Tübingen) zur Annexion der Krim: „Ganz ehrlich, die Russen haben das super hinbekommen. Glanzleistung.“ 

 

Die internen Posts: woher sie stammen und was Hoffmann dazu sagt

Innerhalb der AfD und ihrer Jugendorganisation Junge Alternative (JA) toben seit ihrer Gründung heftige Kämpfe. Einer dieser Kämpfe endete mit dem Austritt der eher liberalen Wirtschaftsleute um Bernd Lucke. Innerhalb der JA gehörte Reimond Hoffmann zusammen mit Markus Frohnmaier und Dubravko Mandic  zu den Lucke-Gegnern. Sie  seien „stramm-rechte Reaktionisten und Revisionisten, die pro-russisch, anti-westlich, homophob und Nationalisten“ seien, wie einer seiner innerparteilichen Gegner schreibt. In einer geschlossenen „JA FBG“-Facebook-Gruppe haben sie sich ausgetauscht.

Die NRWZ hat Screenshots dieser Kommentare erhalten. Die NRWZ hat am 21. August 2017 Reimond Hoffmann Zitate von dieser Facebookseite vorgelegt und gefragt, ob es zutreffe, dass er diesen Post „geliked“ oder geschrieben habe. Hoffmann hat die Mail erhalten, er hat die NRWZ-Redaktion deshalb am 25. August angerufen und eine Antwort noch am selben Abend versprochen. Er hat eine Zusatzfrage zu seinem Stipendium in Ungarn in einer weiteren Mail vom 27. August ebenfalls beantwortet. Zu den „JA FBG“-Facebook-Posts hat er sich nicht geäußert.

Kommentar

Weshalb arbeitet sich die NRWZ am Kandidaten Reimond Hoffmann so ab. Er ist auf Platz 25 der Landesliste gelandet, hat also keine Chance auf ein Mandat. Was soll‘s also? Ich meine, Hoffmann vertritt wie viele seiner Parteifreunde und etliche aussichtsreiche AfD-Kandidaten ultrarechte Positionen, Positionen, die auch in Neonazi-Kreisen beliebt sind. Politologen schätzen den Anteil der „Flügelleute“ in einer möglichen AfD-Bundestagsfraktion auf 30 bis 40 Prozent. Hoffmanns interne Sprüche unterscheiden sich von dem, was er den hiesigen Medien gegenüber äußert. Wer Reimond Hoffmann und die AfD wählt, muss wissen, was er tut. Soll hinterher niemand kommen und sagen: „Das hab‘ ich nicht gewusst.“