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Dienstag, 10. Dezember 2019

AfD-Stadtrat Hoffmann: eine letzte Spitze gegen das Zimmertheater Rottweil – während Stadträte den Saal demonstrativ verlassen

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Leserkommentare

Der Rott­wei­ler AfD-Stadt­­­rat Rei­mond Hoff­mann hat in der Gemein­de­rats­sit­zung am Mitt­woch die letz­te Chan­ce genutzt, noch ein­mal Stim­mung gegen einen Zuschuss­an­trag des Zim­mer­thea­ters zu machen. Ver­ge­bens. Er hat mit sei­nen Wor­ten Zweif­ler noch auf die Sei­te sei­ner Geg­ner gebracht. Und meh­re­re Stadt­rä­te dazu, den Sit­zungs­saal zu ver­las­sen.

Doch alles der Rei­he nach. Es ging um 10.000 Euro städ­ti­schen Zuschuss, den das Zim­mer­thea­ter bean­tragt hat. Der Kultur‑, Sozi­al- und Ver­wal­tungs­aus­schuss hat­te dem bereits mehr­heit­lich zuge­stimmt. Es soll­te nicht mehr groß dis­ku­tiert wer­den, das war schon in der Aus­schuss­sit­zung gesche­hen.

Zwei Men­schen aber, die an der Aus­schuss­sit­zung nicht hat­ten teil­neh­men kön­nen, ergrif­fen noch das Wort. Zunächst zur Situa­ti­on des Zim­mer­thea­ters aus Sicht des Vor­stands sei­nes För­der­ver­eins: Eli­sa­beth Gut­jahr, die Vor­sit­zen­de.

„Herz­li­chen Dank für die gro­ße Unter­stüt­zung, die wir in den ver­gan­ge­nen Wochen erfah­ren haben“, sag­te sie. Das Zim­mer­thea­ter, aus einer Lai­en­in­itia­ti­ve vor 50 Jah­ren ent­stan­den, habe sich zu einem pro­fes­sio­nel­len, aner­kann­ten Haus ent­wi­ckelt. „Dass Ihnen nicht alles dort gefällt, gehört zur Natur des Thea­ters, sonst wäre es fad.“ Es brau­che „das Moment der Wür­ze, der Über­ra­schung“, um an einer Poin­te teil­ha­ben zu kön­nen, um neu­es Gedan­ken­gut anzu­sto­ßen.

Das Thea­ter habe einen Bil­dungs­auf­trag in der Kin­­der- und Jugend­ar­beit, wer­de dort gut ange­nom­men. Das mache die Hälf­te des Stand­beins aus. Die­ser Bereich wer­de von der Stadt beson­ders geför­dert, ergänz­te Inten­dan­tin Bet­ti­na Schült­ke. Das anste­hen­de Kin­­der- und Jugend­stück, „Emil und die Detek­ti­ve“, ver­kau­fe sich bereits sehr gut.

Die Wirt­schafts­fä­hig­keit und die Spar­sam­keit sei­en dem Thea­ter längst beschei­nigt wor­den, eher gehe es dar­um, zu fra­gen, wie das Thea­ter das eigent­lich hin­be­kom­me.

”Weiter die Linksradikalen spielen”

Und dann zur laut­star­ken und mehr­fach erneu­er­ten Kri­tik der AfD und ihres Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Emil Sän­ze: Rott­weil sei zuletzt als „Zen­trum einer Debat­te“ wahr­ge­nom­men wor­den, so Gut­jahr. Das sei bis zu ihr nach Salz­burg gedrun­gen, wo sie arbei­tet. Sie nann­te die AfD nicht beim Namen, die das Thea­ter ange­grif­fen, bezie­hungs­wei­se die öffent­li­chen För­der­gel­der in Fra­ge gestellt hat. Jeder im Rund wuss­te aber, an wen die Adres­se ging.

Gut­jahr reg­te an, dass das Thea­ter die kom­men­den 50 Jah­re wei­ter die „Links­ra­di­ka­len“ wie etwa Les­sing spie­le – und lös­te damit Lacher aus. Ihr ein­zi­ger Quer­ver­weis, ihre ein­zi­ge Spit­ze in Rich­tung AfD. Les­sing – ein Links­ra­di­ka­ler?

Der zwei­te, zuletzt ver­hin­der­te Red­ner, Rei­mond Hoff­mann, ergriff, er hat­te es ange­kün­digt, das Wort. Und stand auf dafür. Unge­wöhn­lich, tut sonst kei­ner. Die Rede­bei­trä­ge im Gemein­de­rat erfol­gen grund­sätz­lich im Sit­zen. Den Hin­weis dar­auf von Ober­bür­ger­meis­ter Ralf Broß igno­rier­te Hoff­mann. Er schien auf­ge­regt zu sein, ihm schien klar gewe­sen zu sein, dass er kei­ne mehr­heits­fä­hi­ge Mei­nung ver­tre­ten wür­de.

Der AfD-Stadt­­­rat ver­wies auf die 220 Ver­ei­ne in der Stadt. Die 10.000 Euro gebe es nicht für die Nar­ren­zünf­te, für den Brief­mar­ken­samm­ler­ver­ein, für den Senio­ren­rat, die das Geld eben­falls gut gebrau­chen könn­ten. Das Zim­mer­thea­ter dage­gen wür­de für ein ein­sei­ti­ges, poli­ti­sches Thea­ter geför­dert.

Die lau­fen­de Debat­te gebe der AfD recht. „Wäh­rend Fami­li­en­vä­ter bei Mah­le Angst haben vor Ent­las­sung, wäh­rend die Müll­ge­büh­ren stei­gen, geben wir hier 10.000 Euro für ein Thea­ter.“ Dafür gebe es unter den Bür­gern kein Ver­ständ­nis.

Stadträte verlassen die Sitzung

Es folg­te ein Zei­chen, eine ers­te öffent­lich wahr­nehm­ba­re Able­hung durch sei­ne Kol­le­gen im ansons­ten durch gegen­sei­ti­gen Respekt gepräg­ten Gre­mi­um: Stadt­rä­te ver­lie­ßen wäh­rend Hoff­manns Rede den Saal. Zunächst zwei von SPD und CDU, dann die Grü­nen. Wei­te­re von der SPD. Ande­re blie­ben sit­zen, klap­per­ten aber wie aus Ver­se­hen mit Geschirr und Besteck.

Hoff­mann lief mit sei­ner Anspra­che ins Lee­re. Er sag­te, was er zu sagen hat­te, bekam dar­auf als Ant­wort nur die von OB Broß: „Wir ent­schei­den hier über den Zuschuss­an­trag eines Ver­eins, es geht nicht dar­um, wel­che Inhal­te umge­setzt wer­den.“ Das Zim­mer­thea­ter sei ein Leucht­turm­pro­jekt und seit 50 Jah­ren eine Insti­tu­ti­on. „Die Stadt Rott­weil ent­schei­det zudem in frei­en Stü­cken und nicht im Hin­blick auf die Lan­des­po­li­tik.“ Und es inter­es­sie­re die Stadt bei der Geld­erver­ga­be auch nicht, was ein ein­zel­ner Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter dazu zu sagen habe. Das galt dem AfD-Abge­­or­d­­ne­­ten Emil Sän­ze, der weit über­re­gio­na­len Staub rund um die Thea­ter­för­de­rung auf­ge­wir­belt hat­te.

Broß in sei­nem nüch­ter­nen State­ment gegen­über Hoff­mann: „Ich gebe ehr­lich zu, ich habe es nicht ver­stan­den. Ich bezweif­le, dass ich Herrn Sän­ze recht gebe.“

Wäh­rend­des­sen kamen die Stadt­rä­te, die Hoff­mann den Rücken gekehrt hat­ten, zurück. Der Freie Wäh­ler Karl-Heinz Weiss stell­te den Antrag, nun über den Beschluss des Kultur‑, Sozi­al- und Ver­wal­tungs­aus­schuss abzu­stim­men. Das kam einem Antrag auf Schluss der Debat­te gleich.

Bei zwei Ent­hal­tun­gen aus der CDU – der­zu­fol­ge es rich­tig gewe­sen wäre, den Zuschuss­an­trag im Rah­men der Haus­halts­be­ra­tung zu stel­len – und Hoff­manns Gegen­stim­me wur­de dem Zuschuss­an­trag zuge­stimmt.

Tei­le der CDU, die sich in der Aus­schuss­sit­zung des KSV noch bei der Abstim­mung über den Zuschuss ent­hal­ten hat­ten – weil der Antrag in die Haus­halts­be­ra­tun­gen gehör­te – haben nun zuge­stimmt. AfD-Hof­f­­mann sei dank. Dies sei als Zei­chen zu wer­ten für das Thea­ter und gegen die Aus­füh­run­gen Hoff­manns, so Stadt­rat Ras­mus Rein­hardt.

Der FDP-Stadt­­­rat und Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Dani­el Kar­rais stell­te noch­mals her­aus, er ver­ur­tei­le die Schmie­re­rei­en auf das AfD-Büro. Es sei in der Öffent­lich­keit anders dar­ge­stellt wor­den, des­halb wol­le er dies expli­zit erklärt haben.

 

 

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