Der blinde Läufer Matthias Maier (links) startet am Samstag mit seinem Begleiter Martin Schneiderhan als Teil des Teams der stiftung st. franziskus heiligenbronn beim Tria Team-Run in Schramberg. Foto: Stiftung St. Franziskus Heiligenbronn

Beim Lau­fen hat Mat­thi­as Mei­er schon eini­ge Wett­kampf­erfah­rung, stand bereits ein­mal auf dem drit­ten Platz des Sie­ger­trepp­chens. Nun misst sich der Blin­de beim Tria Team-Run in Schram­berg erst­mals mit Läu­fern, die eben­falls eine Behin­de­rung haben. Gemein­sam mit sei­nem Lauf­part­ner Mar­tin Schnei­der­han star­tet er am 14. Sep­tem­ber bei der Han­di­cap-Run­de als Teil des Teams der Stif­tung St. Fran­zis­kus Hei­li­gen­bronn, wie es in einer Pres­se­mit­tei­lung heißt.

Weni­ge Tage vor dem Schram­ber­ger Team-Run sind Mat­thi­as Mei­er und Mar­tin Schnei­der­han auf­ge­regt. Schließ­lich ist es das ers­te Mal, dass sich bei­de an einem Lauf für Men­schen mit Behin­de­rung betei­li­gen. Auch die Stre­cken­län­ge von 1,5 Kilo­me­tern ist neu für das ein­ge­spiel­te Lauf­team. Gewohnt sind sie Wett­kampf­läu­fe von sechs bis zehn Kilo­me­tern Län­ge, bei denen Sehen­de gegen­ein­an­der antre­ten. Nach 2000 Metern sei­en sie gera­de mal warm­ge­lau­fen, sagt Schnei­der­han. „Das wird wirk­lich span­nend, da müs­sen wir ordent­lich Gas geben und uns vor­her gut ein­lau­fen“, erklärt er sei­ne Tak­tik.

Mai­er und Schnei­der­han lau­fen seit meh­re­ren Jah­ren gemein­sam. Bei­de eint die Freu­de an der Bewe­gung in Natur und Wald. „Die Luft dort ist ein­fach herr­lich, das gefällt uns bei­den gut“, erläu­tert Schnei­der­han ihre Moti­va­ti­on. Erst­mals getrof­fen haben sie sich beim wöchent­li­chen Lauf­treff in Wald­mös­sin­gen, wo Mai­er damals mit einem ande­ren Part­ner trai­nier­te. Als die­ser sich ver­letz­te und aus­fiel, über­nahm Schnei­der­han die Rol­le des Beglei­ters für den Läu­fer ohne Seh­ver­mö­gen. Immer wie­der neh­men aller­dings auch ande­re aus der Grup­pe Mei­er an die Hand. Das sor­ge für Abwechs­lung.

Was für Sehen­de nur schwer vor­stell­bar ist – blind über Stock und Stein zu ren­nen – ist für Mei­er All­tag. Sei­ne Augen kön­nen zwar Din­ge sehen, sein Gehirn aber kann die­se Bil­der nicht ver­ar­bei­ten. Er gilt des­halb als blind. Wenn Mei­er auch Übung im Frei­land­spur­ten hat, so bleibt ein Wald­lauf für ihn eine anspruchs­vol­le Akti­vi­tät mit gewis­sen Risi­ken. Strau­cheln über Wur­zeln oder Uneben­hei­ten bleibt da nicht aus. Doch der 37-Jäh­ri­ge hat­te bis dato Glück: Ein paar klei­ne­re Bles­su­ren und ein Ellen­bo­gen­bruch ist die Bilanz sei­ner Stür­ze. Schnei­der­han bestä­tigt das: „Bis­her sind wir gut davon gekom­men, wenn man vom Sturz beim Fir­men­lauf in VS-Schwen­nin­gen vor einem Jahr absieht“, fasst der 44-Jäh­ri­ge die Erfah­run­gen von mehr­ma­li­gen wöchent­li­chen Trai­nings und vier gemein­sam erleb­ten Wett­kämp­fen zusam­men.

Schnei­der­han und Mei­er ver­brin­gen aber nicht nur einen Teil ihrer abend­li­chen Frei­zeit Sei­te an Sei­te, sie ver­bin­det auch der gemein­sa­me Arbeit­ge­ber. Seit elf Jah­ren arbei­tet der Wald­mös­sin­ger Schnei­der­han als Tech­ni­ker bei der Stif­tung St. Fran­zis­kus Hei­li­gen­bronn. Mei­er lebt in der Wohn­grup­pe St. Johann in Hei­li­gen­bronn, wo der gebür­ti­ge Ober­si­mons­wäl­der im För­der- und Betreu­ungs­be­reich The­re­sa arbei­tet.

Dem gemein­sa­men Start in Schram­berg sehen die zwei Män­ner leicht ner­vös ent­ge­gen: „Die Auf­stel­lung bei den bis­he­ri­gen Wett­kämp­fen war immer etwas anstren­gend, weil die Mit­läu­fer alle Stö­cke haben“, erklärt Schnei­der­han. „Wir ach­ten nun dar­auf, immer weit vor­ne zu ste­hen, wir sind sowie­so schnel­ler“, fügt er schmun­zelnd hin­zu. „Beim AOK-Fir­men­lauf in Sulz haben wir Ende Juli alle über­holt, obwohl wir recht weit hin­ten stan­den. Das war unser bis­her schöns­ter Lauf.“

Doch in Schram­berg sind die Start­be­din­gun­gen neu. Men­schen mit unter­schied­li­chen Behin­de­run­gen tre­ten dort gegen­ein­an­der an. Das ist unge­wohnt für das Duo. Den­noch haben sie sich bewusst für den Han­di­cap-Run ent­schie­den. „Ich woll­te mich ein­mal mit Behin­der­ten beim Lau­fen mes­sen, das hat­te ich bis­her noch nicht“, erklärt Mei­er ihre Über­le­gun­gen. „Ich freue mich, wenn wir in Schram­berg sturz­frei durch­kom­men und einen guten Platz errei­chen“, so sei­ne Hoff­nung. Deut­lich opti­mis­ti­scher ist sein Beglei­ter: Er sieht bei­de im ers­ten Drit­tel, „viel­leicht ist auch mehr drin“. Doch wich­tig ist den bei­den Läu­fern, ein­fach mit­zu­ma­chen, die Atmo­sphä­re mit Musik und begeis­ter­ten Zuschau­ern zu genie­ßen. Und die Gemein­schaft mit den Mit­läu­fern: „Die spor­nen uns immer an, dann läuft es gleich noch bes­ser.“

Mai­er und Schnei­der­han sind Teil eines grö­ße­ren Teams der Stif­tung St. Fran­zis­kus Hei­li­gen­bronn, das am Sams­tag in unter­schied­li­chen Kate­go­ri­en antritt. Die Stif­tung unter­stützt ihre Mit­ar­bei­ter durch die Finan­zie­rung des Start­gel­des und freut sich über jeden, der sich am Lauf betei­ligt. Auf Anre­gung der Stif­tung hin rich­te­te der ver­an­stal­ten­de Ver­ein Tria Schram­berg auch den Han­di­cap-Run für Men­schen mit Behin­de­rung ein. Alle Teil­neh­mer am dies­jäh­ri­gen Tria Team-Run star­ten am kom­men­den Sams­tag ab 13.30 Uhr auf dem ehe­ma­li­gen Jung­hans-Gelän­de in der Schram­ber­ger Geiß­hal­de. Zusam­men mit der Sze­ne 64 wird vor, wäh­rend und nach dem Lauf für Par­ty­stim­mung gesorgt sein.