Schram­berg Das neue Gesicht der Stadt

Das neue Gesicht der Stadt

Amts­ein­füh­rung der neu­en Ober­bür­ger­meis­te­rin / Eisenlohr: „Für unse­re Stadt das bes­te mög­lich machen“

SCHRAMBERG – Ein fröh­li­ches Bür­ger­fest erleb­ten die Besu­cher der „fei­er­li­chen Amts­ein­set­zung“ der neu­en Schram­ber­ger Ober­bür­ger­meis­te­rin Doro­thee Eisenlohr. In der voll­be­setz­ten Aula des Gym­na­si­ums sprach die Wahl­sie­ge­rin am Frei­tag­abend gegen 17.30 Uhr die Ver­pflich­tungs­for­mel und ist seit­her Schram­ber­ger Stadt­ober­haupt mit allen Rech­ten und Pflich­ten.

Viel­fach fest­ge­hal­ten: Der fei­er­li­che Moment

Illustre Gäste in der Aula

Der ers­te Ober­bür­ger­meis­ter­stell­ver­tre­ter, Dr. Jür­gen Win­ter, hat­te ihr die Ver­pflich­tung abge­nom­men, zuvor aber eine pro­mi­nen­te Gäs­te­schar will­kom­men gehei­ßen: Der CDU-Bun­­­des­­tags­­a­b­ge­or­d­­ne­­te Vol­ker Kau­der saß in der ers­ten Rei­he neben den Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Ste­fan Teu­fel und Dani­el Kar­rais, den bei­den Ehren­bür­gern Hans-Jochem Steim und Her­bert O. Zinell, Land­rat Wolf-Rüdi­ger Michel und den Bür­ger­meis­tern Mar­kus Huber und Nor­bert Swo­bo­da. Eben­falls gekom­men waren Gäs­te aus den Part­ner­städ­ten Lachen und Hir­son. Win­ter begrüß­te aber auch den Lebens­ge­fähr­ten von Eisenlohr Denis Step­putt, ihre Eltern und Ange­hö­ri­gen.

Die Ehren­gäs­te in der ers­ten Rei­he.

Zu Beginn noch leer geblie­ben war der Platz von Regie­rungs­prä­si­den­tin Bär­bel Schä­fer. Sie ver­pass­te denn auch das Miss­ge­schick der vier Saxo­pho­nis­ten der Musik­schu­le, die zunächst ihre Noten nicht kom­plett mit­ge­bracht hat­ten.

Und sie ver­pass­te die klu­ge Begrü­ßungs­re­de Win­ters. Demo­kra­tie sei kein sta­bi­les Gebil­de, son­dern es gehe immer dar­um die Balan­ce zwi­schen Frei­heit und Gerech­tig­keit zu fin­den. „Das Rin­gen um poli­ti­sche Ent­schei­dun­gen ist nicht allein Auf­ga­be der gewähl­ten Ver­tre­ter son­dern Auf­ga­be jedes ein­zel­nen“, so Win­ter. Er appel­lier­te denn auch an die Bür­ger­schaft, sich in den poli­ti­schen Dis­kurs ein­zu­brin­gen, sich zu infor­mie­ren und zu betei­li­gen.

Jürgen Winter: Bürger sollen sich einbringen

Umge­kehrt müss­ten die Gewähl­ten auf die Bür­ger zuge­hen. „Neue For­men der Betei­li­gung soll­ten kein Tabu sein.“ Win­ter kri­ti­sier­te Popu­lis­ten, die sich von der Mär nähr­ten „die Poli­ti­ker“ fie­len „dem Volk“ in den Rücken und woll­ten sich alle nur selbst berei­chern. Eisenlohr habe „vie­le Her­zen im Sturm erobert“ mit ihrer Gabe, auf Men­schen zuzu­ge­hen. Das habe sich im  über­wäl­ti­gen­den Wahl­er­geb­nis gezeigt. Nach­dem Eisenlohr die Eides­for­mel gespro­chen hat­te, wünsch­te ihr Win­ter „viel Kraft und Freu­de im Amt“.

OB-Stel­l­­ver­­­tre­­ter Jür­gen Win­ter

Regie­rungs­prä­si­den­tin Bär­bel Schä­fer, gera­de erst ein­ge­trof­fen, freu­te sich, dass mit Eisenlohr “das Fähn­chen der Ober­bür­ger­meis­te­rin­nen“ im Regie­rungs­be­zirk wei­ter hoch­ge­hal­ten wer­de. Sie nutz­te ihr Gruß­wort, um dar­auf hin­zu­wei­sen, dass in Schram­berg „vie­les ein­ge­lei­tet und auf den Weg gebracht“ sei, auch dank der Lan­des­gar­ten­schau­be­wer­bung im ver­gan­ge­nen Jahr.

Bärbel Schäfer: „Schon viel auf den Weg gebracht“

Das Stadt­um­bau­kon­zept, das im ver­gan­ge­nen Jahr unter Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Her­zog ent­stan­den war, nann­te sie „sehr unter­stüt­zens­wert“. Eisenlohrs Wahl­kampf­mot­to „zuhö­ren – ein­bin­den – machen“ habe die Bür­ger über­zeugt. Sie habe nun „die gro­ße Mög­lich­keit, die Stadt zu gestal­ten“.  (Ober-) Bür­ger­meis­ter hät­ten eine sehr star­ke Stel­lung, sie sei­en „das Gesicht der Stadt“, so Schä­fer.

Regie­rungs­prä­si­den­tin Bär­bel Schä­fer

Land­rat Wolf Rüdi­ger Michel nutz­te sein Gruß­wort für einen poli­ti­schen Rund­um­schlag. Durch den mör­de­ri­schen Anschlag von Hal­le sei der eigent­lich glück­li­che Tag getrübt, so Michel. Die soli­da­ri­schen Reak­tio­nen der tür­kisch isla­mi­schen Gemein­de und der christ­li­chen Kir­chen in Rott­weil mit der jüdi­schen Gemein­de täten dem Zusam­men­halt der Gesell­schaft gut.

Wolf-Rüdiger Michel: Rückgrat zeigen

Eisenlohr wünsch­te er Ziel­stre­big­keit und „vor allem Rück­grat: Man muss auch mal Nein sagen kön­nen.“  Kreis und Stadt hät­ten vie­le gemein­sa­me The­men, von den Berufs­schu­len über das Glas­fa­ser­netz bis zur Feu­er­wehr. Zur Tal­stadt­um­fah­rung erklär­te er, es sei erfreu­lich, dass das Pro­jekt wie­der im vor­dring­li­chen Bedarf sei. Das Regie­rungs­prä­si­di­um sei nun an der Um- und Neu­pla­nung, denn die bis­he­ri­gen Plä­ne sei­en ja schon wie­der 13 Jah­re alt. „Hof­fen wir, dass das Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren kommt und wir in naher Zukunft  einen Spa­ten­stich bege­hen kön­nen.“ 

Land­rat Wolf-Rüdi­ger Michel

Das sei wich­tig, mein­te Michel mit Blick auf einen Leit­an­trag für einen „Grü­nen“ Par­tei­tag. Da ste­he näm­lich drin, dass ab 2025 kei­ne Bun­des­stra­ßen mehr gebaut wer­den sol­len. Er hof­fe, dass die baden-wür­t­­te­m­ber­gi­­schen Grü­nen etwas ent­ge­gen­setz­ten, denn gera­de im länd­li­chen Raum brau­che es wei­te­re Umge­hungs­stra­ßen. Es dür­fe doch nicht sein,  „dass die Men­schen in der Obern­dor­fer Stra­ße im Dreck der Abga­se leben müs­sen“, rede­te er sich in Rage.

Und weil er schon am Aus­tei­len war, beka­men auch das Bun­des­teil­ha­be­ge­setz des Bun­des und die Lan­des­re­gie­rung für die Anschluss­un­ter­brin­gung von Asyl­be­wer­bern ihr Fett weg. Bei­des kos­te die Kom­mu­nen vie­le Mil­lio­nen Euro, ohne dass Bund und Land für ent­spre­chen­den finan­zi­el­len Aus­gleich sorg­ten. Dem­nächst wer­de wie­der der Hei­li­ge Mar­tin gefei­ert. „Der hat sei­nen eige­nen Man­tel geteilt, den Man­tel, den Bund und Land tei­len, haben sie vor­her geklaut“, pol­ter­te der Land­rat.

Bürgermeisterkollegen: Zusammen arbeiten

Für den Gemein­de­tag über­brach­te Bür­ger­meis­ter Mar­kus Huber Glück­wün­sche und bot Eisenlohr die Unter­stüt­zung der Bür­ger­meis­ter­kol­le­gen an. Er wies dar­auf hin, dass durch neue Bedin­gun­gen und Geset­ze die inter­kom­mu­na­le Zusam­men­ar­beit immer wich­ti­ger wer­de. Beim Glas­fa­ser­aus­bau wer­de dies bereits erfolg­reich prak­ti­ziert.

Mar­kus Huber

Für die Bür­ger­meis­ter der Ver­wal­tungs­ge­mein­schaft Schram­berg gra­tu­lier­te Lau­ter­bachs Bür­ger­meis­ter Nor­bert Swo­bo­da. OB Eisenlohr star­te nach ihrem über­zeu­gen­den Wahl­sieg „mit viel Rücken­wind und Vor­schuss­lor­bee­ren“. Er hof­fe, dass das von ihrem Vor­gän­ger Tho­mas Her­zog ein­ge­führ­te vier­tel­jähr­li­che Bür­ger­meis­ter­tref­fen bei­be­hal­ten wer­de. Es sei wich­tig, dass die Raum­schaft ihre gemein­sa­men Inter­es­sen auch im Kreis ver­tre­te.

Nor­bert Swo­bo­da

Bür­ger­meis­ter sei der schöns­te Beruf, den er sich vor­stel­len kön­ne, ver­si­cher­te Swo­bo­da. Er gab aber auch zu beden­ken, dass der Bür­ger­meis­ter man­che Din­ge, die sich die Bür­ger wünsch­ten, nicht umset­zen kön­ne. Ein Bür­ger­meis­ter ste­he näm­lich „immer mit einem Bein im Gefäng­nis“, weil er schluss­end­lich für alles haf­te. „Anders als der Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter, der unter­schreibt Ver­trä­ge – und haf­tet für nichts“, so Swo­bo­da unter dem Geläch­ter der Besu­cher. Er hat­te für Denis Step­putt ein Geschenk dabei: „Rot­wein für die vie­len ein­sa­men Aben­de“. Eisenlohr erhielt Gar­ten­ge­rä­te aus Scho­ko­la­de.

Rot­wein für ein­sa­me Aben­de für Denis Step­putt

Dorothee Eisenlohr: „Sie wissen, was Sie kriegen – zumindest so ungefähr“

Nach einem wei­te­ren vir­tu­os vor­ge­tra­ge­nen Stück der vier jun­gen Saxo­pho­nis­ten (Lei­tung: Sabri­na  Michel­feit) bedank­te sich Doro­thee Eisenlohr bei den Red­nern: Sie sei „emo­tio­nal sehr berührt“ und freue sich „mega.“ Ihrem Vor­vor­gän­ger Her­bert O. Zinell dank­te sich für einen Spa­zier­gang, ihren ehren­amt­li­chen OB-Stel­l­­ver­­­tre­­tern für deren wür­di­gen Ein­satz.

Doro­thee Eisenlohr

Seit „unge­fähr 99 Stun­den“ arbei­te sie bereits im Rat­haus und sei schon „voll drin –­ und etwas müde“. Einen Spa­ten­stich, zwei Ort­schaft­rats­sit­zun­gen und die Ver­wal­tungs­aus­schuss­sit­zung habe sie unter ande­rem schon absol­viert.

Seit dem Wahl­abend habe sie über­legt, wel­che bedeu­ten­den Wor­te sie bei ihrer Ver­pflich­tung sagen kön­ne. Sie den­ke, sie wer­de  ein­fach wie im Wahl­kampf authen­tisch blei­ben: „Sie wis­sen, was Sie krie­gen – zumin­dest so unge­fähr.“ Sie lege Wert auf Koope­ra­ti­on, Fri­sche, Bür­ger­be­tei­li­gung und eine offe­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on.  Sie wol­le ver­bin­den in der Ver­wal­tung, in der Bevöl­ke­rung und „die Men­schen in den Blick neh­men“.

Auch habe sie sich vor­ge­nom­men, in der Stadt „ein­fach mal was aus­zu­pro­bie­ren“. Mit Blick auf die Gäs­te aus Bund, Land, Regie­rungs­be­zirk und Kreis bat sie die­se, sich tat­kräf­tig dafür ein­zu­set­zen, „für unse­re Stadt das bes­te mög­lich zu machen“.

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