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Samstag, 7. Dezember 2019
Start Schram­berg Ein Leben zwi­schen Okzi­dent und Ori­ent

Ein Leben zwischen Okzident und Orient

Peter Renz stell­te sein Buch ”Der Händ­ler” im Bären­saal vor

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SCHRAMBERG – Der Bären­saal war gena­gelt voll: Peter Renz hat­te Freun­de aus nah und fern ein­ge­la­den, um ihnen sein Buch „Der Händ­ler“ vor­zu­stel­len.

Peter Renz bei sei­ner Lesung

Der „bun­te Hund“, wie er sich nann­te, begrüß­te unter den Gäs­ten die Ober­bür­ger­meis­te­rin Doro­thee Eisenlohr, die bei­den Ehren­bür­ger Dr. Hans-Jochem Steim und Dr. Her­bert Zinell sowie die Ver­tre­ter von Pres­se, Funk und Fern­se­hen – tat­säch­lich woll­te der SWR in der „Lan­des­schau“ über den Abend berich­ten.

Ein Abend unter Freunden

Gekom­men waren vie­le Alters­ka­me­ra­den, Weg­be­glei­ter, akti­ve und frü­he­re Stadt­rä­te, Freun­de, Kun­den. Klaus Gro­he aus Schiltach etwa oder der ehe­ma­li­ge Rott­wei­ler Land­ge­richts­prä­si­dent und HK-Geschäfts­­­füh­­rer Peter Bey­er­le. Aber auch der wie­der gene­se­ne Hel­mut Berg­thal aus Klein-Paris war gekom­men.

Den Saal hat­te Renz mit Bil­dern aus sei­nem Buch deko­riert, ein his­to­ri­scher Tep­pich zier­te die Büh­ne. Er zeigt Sattar Khan einen per­si­schen Revo­lu­tio­när und Frei­heits­kämp­fer: Schon des­halb sei er ihm „äußerst sym­pa­thisch“, scherz­te Renz. In sei­nem Vor­trag mit ein­ge­scho­be­nen Zita­ten aus sei­nem Buch „Der Händ­ler“  schil­der­te Renz sein beweg­tes Leben. Von der Geburt 1941 mit­ten im Krieg, über die Schul- und Lehr­zeit,  sei­ne Wan­der­jah­re bis zum  wie­der in Schram­berg sess­haft wer­den.

Daniel Bachmann: Ein Jahr Arbeit

Der Schrift­stel­ler Dani­el Bach­mann habe ihm vor eini­gen Jah­ren den Vor­schlag gemacht, ein Buch über ihn zu schrei­ben, berich­te­te Renz zur Ent­ste­hungs­ge­schich­te. Damals sei er noch nicht bereit gewe­sen. Erst durch eine län­ge­re Krank­heit im ver­gan­ge­nen Jahr sei ihm der Gedan­ke wie­der in den Sinn gekom­men. Mit Bach­mann an sei­ner Sei­te sei es dann ein leich­tes gewe­sen, die Epi­so­den sei­nes Lebens auf­zu­schrei­ben.

Der gebür­ti­ge Schram­ber­ger Bach­mann erzählt Erstaun­li­ches: Für ihn sei Peter Renz „total unbe­kannt“ gewe­sen. Da sei er wohl der ein­zi­ge in Schram­berg gewe­sen, gibt er zu. Er habe ihn dann ange­spro­chen, weil er sich dach­te, die­ser Mann hat sicher viel erlebt. „Ich habe mir rich­tig viel Zeit genom­men“, so Bach­mann, „und ein Jahr dar­an gear­bei­tet.”

Er sei immer wie­der nach Schram­berg gekom­men und habe sich stun­den­lang mit Renz unter­hal­ten. Für Peter Renz hat es gepasst, er habe sich bei den Gesprä­chen mit Bach­mann auf­ge­ho­ben gefühlt, sagt er. Her­aus­ge­kom­men sei ein Buch, das unter­hal­ten, zum Dia­log anre­gen soll.

Ein buntes Leben

Renz’ Geschich­ten sind bunt. Ob er über sei­ne unbe­schwer­te Kind­heit in der Nach­kriegs­zeit erzählt, in der nicht alles mehr­fach abge­si­chert war: „Kaum zu glau­ben, dass wir damals über­le­ben konn­ten“ – ohne Sturz­helm, Air­bag, Sicher­heits­gurt.

Sei­ne ers­ten Kon­tak­te nach Frank­reich als einer der ers­ten Aus­tausch­schü­ler bei einer Fami­lie in Reims. Sei­ne Erfah­run­gen, in einer Fabrik im Akkord zu schaf­fen, sei­ne ers­ten Lieb­schaf­ten und Arbeits­stel­len. Mit Lust schil­der­te Renz sein Leben in Paris in einer inter­na­tio­na­len Mäd­chen-WG, wo er sich „um die Völ­ker­ver­stän­di­gung ver­dient“ gemacht habe. Oder spä­ter, als er in einem Bis­tro als „Pierre de Foret Noir“ Nacht für Nacht Bier gezapft habe. Schließ­lich lern­te er sei­ne Ute ken­nen, kehr­te zurück nach Deutsch­land und war zwei Jah­re bei der Bun­des­wehr in Nagold und Calw.

Der Prophet im eigenen Land…

In Schram­berg  wur­de er schließ­lich sess­haft, grün­de­te sein Tep­pich­haus, und es  begann „ein Leben zwi­schen Okzi­dent und Ori­ent“. Immer wie­der reis­te er in den nahen und mitt­le­ren Osten, beson­ders in sei­nen gelieb­ten Iran. In sei­ner Hei­mat Schram­berg, da habe nicht jeder sei­ne Umtrie­big­keit gemocht, bedau­ert Renz: „Mei­ne all­jähr­li­chen Akti­vi­tä­ten wur­den von man­chen belacht und von vie­len geschätzt, mein Enga­ge­ment für mei­ne Hei­mat­stadt miss­ach­tet und geach­tet.“ 

An die­sem Abend im Bären, da fehl­ten die Nörg­ler. Die­je­ni­ge, die nicht sehen wol­len, wie viel Gutes Peter Renz für die Stadt geleis­tet hat. Allein schon dadurch, dass er vie­le Men­schen mit sei­nen Aktio­nen in die Stadt lock­te.

Nach sei­ner gut ein­stün­di­gen Lesung hat­te er alle bei­den Hän­de voll zu tun, die hun­der­ten ver­kauf­ten Exem­pla­re mit einer Wid­mung zu ver­se­hen. Bei der Lesung hat­te  er immer wie­der augen­zwin­kernd dar­auf hin­ge­wie­sen, dass alles wei­te­re in sei­nem Buch zu fin­den sei: „Ich bin ja schließ­lich Händ­ler.“

Bei Don Pedro, einem Roten aus Spa­ni­en, oder einem Ries­ling aus Baden, Saft und Sel­ters und schließ­lich auch Fleisch­küch­le mit Kar­tof­fel­sa­lat erleb­ten Ute und Peter Renz‘ Gäs­te einen ver­gnüg­ten Abend.

 

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