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Samstag, 7. Dezember 2019
Start Schram­berg Eisenlohr: Gro­ße Erwar­tun­gen

Eisenlohr: Große Erwartungen

So berei­tet sich die neue Schram­ber­ger Ober­bür­ger­meis­te­rin auf ihr Amt vor

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SCHRAMBERG – „Mein E‑Mail- Post­fach ist abso­lut zuge­lau­fen seit der Wahl“, stöhnt Doro­thee Eisenlohr bei einem Cap­puc­ci­no. Die Wahl? Ihre Wahl zur neu­en Schram­ber­ger Ober­bür­ger­meis­te­rin, die das Regie­rungs­prä­si­di­um die­ser Tage für gül­tig erklärt hat. Ihre Gefüh­le seit­her sei­en schwan­kend, je nach Tages­form: „Mal vol­ler Taten­drang und Elan, und dann den­ke ich manch­mal: ‘O je.‘ Alles ande­re wäre gelo­gen.“

Der­zeit hat sie einen Dop­pel­job: Einer­seits arbei­tet sie wei­ter für die regio­na­le Wirt­schafts­för­de­rungs­ge­sell­schaft, berei­tet Ver­an­stal­tun­gen im Herbst vor.

Und ande­rer­seits küm­mert sie sich um ihre neue Auf­ga­be in Schram­berg: „Ich habe mein Zehn-Pun­k­­te-Wahl­­pro­gramm in eine Excel-Tabel­­le geschrie­ben und notiert, was die nächs­ten Schrit­te sein müs­sen.“ Außer­dem rede sie mit städ­ti­schen Mit­ar­bei­tern und erle­di­ge schon eini­ge Din­ge vor­ab: „Ich habe die Okto­ber­glück­wunsch­brie­fe schon geschrie­ben.“

Pläne und der Personalmangel

Eine eher leich­te Übung. Kom­pli­zier­ter wird die Per­­so­­nal- und Haus­halts­pla­nung. Die Wün­sche aus der Ver­wal­tung will sie anhö­ren und dann – auch nach der Haus­halts­la­ge – ent­schei­den, was sie dem Gemein­de­rat vor­schlägt.  Sie wis­se, dass in der Ver­gan­gen­heit etli­che Pro­jek­te auch des­halb gescho­ben wer­den muss­ten, weil es am Per­so­nal geman­gelt hat.

Apro­pos Per­so­nal: Ein Bei­geord­ne­ter, also ein Bür­ger­meis­ter, der ihr einen Teil der Auf­ga­ben abneh­men könn­te, ist eigent­lich im Stel­len­plan der Stadt vor­ge­se­hen. Doch seit Eber­hard Pietschs Aus­schei­den hat Schram­berg kei­nen Bür­ger­meis­ter mehr. Die Kos­ten sei­en recht hoch, so Eisenlohr. Sie wol­le zwei, drei Mona­te schau­en und dann ent­schei­den, ob die Wie­der­be­set­zung Sinn mache. Dass nun kein Voll­ju­rist mehr im Rat­haus tätig sei, sei  wohl eher kein Pro­blem. Immer­hin habe sie in ihrem Stu­di­um vier Semes­ter auch Jura gehabt. „Ich kann zumin­dest gute Fra­gen stel­len.“

Akzente in den ersten 100 Tagen

In den ers­ten 100 Tagen möch­te sie ers­te Akzen­te set­zen: Beim City­ma­nage­ment zum Bei­spiel. Noch im Wahl­kampf habe sie in einer Umfra­ge fest­ge­stellt, dass da nach Ansicht vie­ler Ein­zel­händ­ler  „eini­ges im Argen“ lie­ge. Auch ein Ide­en­ma­nage­ment für Vor­schlä­ge der Mit­ar­bei­ter und aus der Bevöl­ke­rung schwe­be ihr vor. Die viel dis­ku­tier­te Bür­ger­be­tei­li­gung will sie genau­er erkun­den und nach einem geeig­ne­ten Modell suchen. Auch will sie prü­fen las­sen, in wie weit ein klei­nes Bud­get für die Ort­schaf­ten doch recht­lich mög­lich wäre.

Dass die heik­le Fra­ge einer Kan­di­da­tur für den Kreis­tag erst ein­mal nicht so dring­lich ist, ist Eisenlohr ganz recht. Es habe Vor- und Nach­tei­le, wenn die (Ober-) Bür­ger­meis­ter auch im Kreis­tag sit­zen. Aber vie­le Bür­ge­rin­nen und Bür­ger erwar­te­ten, dass ihr Bür­ger­meis­ter die Inter­es­sen ihrer Kom­mu­ne auch im Kreis­tag ver­tre­ten.

Da sie als Par­tei­lo­se ange­tre­ten sei, wäre es schwer für sie zu ent­schei­den, auf wel­cher Lis­te sie sich bewer­ben soll. Sie wer­de sich nun bemü­hen, mit Land­rat Wolf-Rüdi­ger Michel und allen gewähl­ten Ver­tre­tern Schram­bergs, auch Tho­mas Her­zog, ein gutes Ver­hält­nis auf­zu­bau­en. Bis zu den nächs­ten Wah­len in fünf Jah­ren „fließt noch viel Was­ser die Schiltach run­ter“.

Erwartungsdruck ist hoch

Ein Ver­spre­chen kann Eisenlohr schon abha­ken. Sie zieht nach Schram­berg, auf den Tischneck in ein klei­nes, ruhi­ges Häus­chen mit gro­ßem Gar­ten. Die Suche sei nicht leicht gewe­sen. Etwa zehn Ange­bo­te aus der Bevöl­ke­rung habe sie gehabt: „Im Inter­net ist der Markt leer.“ Die Ruhe da oben wird sie brau­chen.

Die Erwar­tun­gen an ihre Prä­senz sei­en enorm. „Im Okto­ber habe ich eine Sie­­ben-Tage-Woche“, ver­rät sie und hofft, dass die Schram­ber­ger ihre Wün­sche ein wenig run­ter schrau­ben wer­den: „Auch ich brau­che zwi­schen­durch eine Erho­lungs­pau­se.“  Noch hat sie Luft und Zeit zum Lesen: Über Per­so­nal­füh­rung bei­spiels­wei­se. Etwas hat sich Eisenlohr bis zum 4. Okto­ber noch fest vor­ge­nom­men: „Alle auf­ge­lau­fe­nen E‑Mails beant­wor­ten.“

Info: Die offi­zi­el­le Amts­ein­füh­rung von Doro­thee Eisenlohr fin­det am 11. Okto­ber in der Aula des Gym­na­si­ums um 17 Uhr statt. Dann wird ihr ers­ter ehren­amt­li­cher Stell­ver­tre­ter Dr. Jür­gen Win­ter im Rah­men einer öffent­li­chen Gemein­de­rats­sit­zung OB Eisenlohr ver­pflich­ten und ver­ei­di­gen. Anschlie­ßend lädt die Stadt zu einem Steh­emp­fang ein.

 

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