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Samstag, 7. Dezember 2019

Leserbrief: Neckarcenter am Nägelesgraben und Handel in Rottweil: Vertane und große Chancen

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Leserkommentare

”Rott­wei­ler! Wir sind viel bes­ser als wir den­ken.” Das sagt Ein­zel­händ­ler Micha­el Grimm. Der gebür­ti­ge Rott­wei­ler ruft zur Geschlos­sen­heit auf – und zu kon­kre­ten Maß­nah­men etwa auch in den letz­ten Jah­ren vor der Lan­des­gar­ten­schau. So soll­ten die Bür­ger zu ihrem Ein­zel­han­del ste­hen, for­dert er in einem Leser­brief. Und die Stadt sol­le einen City-Mana­ger finan­zie­ren. Die NRWZ bringt Grimms Schrei­ben im Wort­laut:

Da ist er nun also. Der Boden­null­punkt. Ground-Zero-Optik. Das unters­te Niveau. Und Gott sei Dank haben wir in Rott­weil nur ein ein­zi­ges Opfer zu bekla­gen: Die ein­ma­li­ge und his­to­ri­sche Chan­ce, an die­ser Stel­le ein Schwar­zes Loch für Kauf­kraft über die Gren­zen der Regi­on hin­aus zu rea­li­sie­ren. Die Activ Group trifft kei­ne Schuld, dass das nichts gewor­den ist. Die machen ihren Job. Und den per­fekt. Für sich natür­lich. Nicht not­wen­di­ger­wei­se für uns Rott­wei­ler. Wenn’s passt, ist gut. Die Activ Group ist nicht als Ser­vice-Club für Rott­weil ange­tre­ten. Ihnen den Auf­trag zu ertei­len, Päch­ter mit Anzie­hungs­kraft für uns Rott­wei­ler zu suchen? Sor­ry, wie naiv sind wir? Das wäre ein Rott­wei­ler Job gewe­sen. Am Ende wer­den nun und so aus den vor­ge­ge­ben zwei Gewer­bee­be­nen und einer Ebe­ne Woh­nun­gen halt eine Ebe­ne Mül­­ler-Markt und DREI!!!! Ebe­nen Woh­nun­gen. Wird auch kein sozia­ler Woh­nungs­bau wer­den. Aber immer­hin wird die Innen­stadt ver­dich­tet. Und sicher wer­den die Woh­nun­gen sehr schön. Aber als Ein­kaufs­ma­gnet ist die Flä­che nun ver­lo­ren.

Als Unter­neh­men muss ich mich täg­lich auf neue Situa­tio­nen ein­stel­len, und so gilt es nun auch für uns Rott­wei­ler, aus der Situa­ti­on, die nicht mehr zu ändern ist, die Chan­cen her­aus­zu­fil­tern und dar­aus das Bes­te zu machen.
Wir Rott­wei­ler haben uns über Jahr­hun­der­te auch durch unse­re Stadt­mau­er erfolg­reich gegen Ein­dring­lin­ge schüt­zen kön­nen. Und heu­te schaf­fen wir es immer noch effi­zi­ent, poten­ti­el­le Kauf­kraft vor den Toren und Brü­cken zu las­sen. Und teil­wei­se soweit davor, dass noch nicht ein­mal Sali­ne und Näge­les­gra­ben davon pro­fi­tie­ren. Für Rott­weil ist der Mül­­ler-Markt extrem wich­tig. Aber wegen die­sem fährt nie­mand aus Vil­­lin­gen-Schwen­­nin­­gen, Tutt­lin­gen, Schram­berg oder Donau­eschin­gen zu uns. Den haben die selbst. Und der Heu­berg, vom Schei­tel bis zum Fuße, fährt gleich nach Alb­stadt und Balingen.

Bedarfs­de­ckung, vor allem im Non­­food-Bereich, fin­det nun um die Kern­stadt Rott­weil her­um statt. Alles, was es für das täg­li­che Leben braucht, fin­det man auf der Sali­ne oder eben künf­tig mit Ede­ka Culi­na­ra und Mül­­ler-Markt im Näge­les­gra­ben. Lebens­mit­tel, Dro­ge­rie, Mul­­ti-Media, Par­fü­me­rie, Schreib­wa­ren, Haus­halt, nicht apo­the­ken­pflich­ti­ge Arz­nei­mit­tel, etc. Angeb­lich allein 188.000 Arti­kel bei Mül­­ler-Markt. Sieht der Ein­kauf in Rott­weil künf­tig so aus? Anfahrt von Rott­weil Nord und direkt ins Park­haus Neckar­cen­ter oder zum Culi­na­ra. Bücher, Par­füm, Haus­halts­wa­ren, Lebens­mit­tel, … Fer­tig und wie­der heim. War­um denn?

Das ist die Chan­ce für die Innen­stadt. Der Ein­kauf von Zahn­bürs­ten, Damen­bin­den, Klo­pa­pier, … und auch den meis­ten Lebens­mit­teln ist not­wen­dig. Aber nicht sexy. Der Ein­kauf in der Innen­stadt muss/sollte rei­ne Freu­de machen! Alles, was man kau­fen muss, macht man vor der Mau­er und danach rein durchs Tor oder über die Hoch­brü­cke zum Bum­meln, Kaf­fee trin­ken, essen, stö­bern, anpro­bie­ren, ent­span­nen, genie­ßen, nicht den­ken müs­sen, abschal­ten …

Dafür braucht es ein groß­ar­ti­ges Ange­bot an Din­gen, die man eigent­lich nicht braucht. Mode, Lin­ge­rie, Schmuck, Son­nen­bril­len, jun­ge Labels, Desi­gner, Acces­soires, Life­style, … – und dazwi­schen eine hand­werk­lich arbei­ten­de Metz­ge­rei, Kir­chen, Muse­en und Gale­ri­en. Lau­ter Din­ge, die die Sin­ne anre­gen und glück­lich machen. Der End­or­­phin-Level inner­halb der Mau­er muss hoch sein.

Nie­mand braucht Mode wirk­lich. Zwei Hosen genü­gen ihm. Eine am Hin­tern und eine in der Wäsch‘. Alles ande­re ist bereits Luxus. Gilt auch für Sie. Es kauft auch nie­mand Wein, nur weil er Durst hat. Aber gera­de Mode ist das ein­zi­ge, was wirk­lich zieht. Met­zin­gen, Bre­u­nin­ger­land, Rop­pen­heim, Wer­t­heim-Vil­la­ge, jede Shop­ping­mall, … – alle fah­ren hin und geben Geld aus. Für all die Din­ge, die man eigent­lich nicht wirk­lich braucht.

Für Rott­weil war man lan­ge auf der Suche nach ZARA, H&M und Co. Ist man noch? Die wol­len uns nicht. Aber viel­leicht brau­chen wir sie ja auch gar nicht. Die gro­ße Lösung besteht viel­leicht viel­mehr in der Sum­me vie­ler klei­ne­rer Läden. Eine Shop­ping­mall des guten Geschmacks. Das muss Rott­weil wer­den. Dafür brau­chen wir kei­ne Wett­bü­ros in der Innen­stadt und auch kei­ne Dau­er­leer­stän­de wie etwa Hol­land. Hier ist auch die Stadt gefor­dert, um das O.K. der Haus­be­sit­zer für Ver­mie­tung zu erhal­ten. Extrem wich­tig ist auch end­lich eine Lösung für das Tele­kom­ge­bäu­de. Der Tele­kom­shop ist Fre­quenz­brin­ger ers­ter Kate­go­rie. Und der Rest des Hau­ses? Das Gebäu­de muss Besu­cher ein­sau­gen und ein­la­den, die Gas­sen des Spren­ger­orts zu erle­ben. Rott­weil ist mehr als nur ein Stra­ßen­kreuz.

Und ja, wir brau­chen Sor­ti­men­te, die sich decken oder über­schnei­den. Nie­mand fährt von weit her nach Rott­weil wegen einem ein­zi­gen Her­ren­aus­stat­ter. Wenn er aber weiß, dass es hier etli­che Geschäf­te für den Mann gibt, lohnt sich eine län­ge­re Anfahrt. Das klein­geis­ti­ge Kon­kur­renz­den­ken und „Gönn-ich-Dir-nicht”-Gehabe muss weg. Hier ist der Han­del gefor­dert. Vie­le mei­ner Kun­den neh­men Auto­fahr­ten von Ber­lin, Ham­burg oder Mün­chen auf sich, um ein paar Tage in Bai­ers­bronn abzu­stei­gen. Wegen einem Restau­rant fährt das nie­mand. Aber man quar­tiert sich bei­spiels­wei­se beim Sack­mann ein und geht jeden Tag in einem ande­ren Restau­rant essen. Bai­ers­bronn funk­tio­niert her­vor­ra­gend. Nicht trotz, son­dern Dank der Kon­kur­renz.

Wir haben 200.000 mehr Besu­cher in Rott­weil als vor dem Turm. Wie bereits an frü­he­rer Stel­le ange­mahnt, muss sich die Ver­weil­dau­er der Besu­cher und die Qua­li­tät der­sel­ben ver­bes­sern. So ein Tages­aus­flug mit Turm­be­such und Stadt­füh­rung kos­tet je nach Anbie­ter 46 (Schä­fer Tou­ris­tik) oder 61 Euro (Bin­der). Die „Frei­zeit” nach Turm und Füh­rung ist unter­schied­lich lang. Aber in jedem Fall zu kurz. Es trägt auch kein Tou­rist einen Flach­bild­schirm zum Bus oder ’ne Kis­te Wein über die künf­ti­ge Hän­ge­brü­cke. Aber ’ne Blu­se, ein T‑Shirt, ein Sak­ko, flip­pi­ge Socken, ein Hös­chen oder ein paar Schu­he, … – das geht immer. Und die Kurz­be­su­cher müs­sen von Rott­weil erzäh­len, wie­der­kom­men und ande­re „heiß” machen. Unse­re Geschäf­te in der Innen­stadt tra­gen enorm zur Attrak­ti­vi­tät der Innen­stadt bei und bele­ben die­se. Zuschüs­se wie Muse­en oder Thea­ter bekom­men sie natür­lich nicht. Sie müs­sen täg­lich um ihre Exis­tenz kämp­fen. Dafür braucht es Kun­den. In Rott­weil tat (Turm) und tut (Hän­ge­brü­cke, JVA, Lan­des­gar­ten­schau) sich viel. Die Ver­wal­tung dreht hier ger­ne an den gro­ßen Rädern und die Nöte und Bedürf­nis­se des Innen­stadt­han­dels wer­den da leicht ver­ges­sen, ver­drängt oder ein­fach nicht aus­rei­chend beach­tet. Bei­spiels­wei­se so ein­fa­che Din­ge wie Besuch eines Geschäf­tes bei einem Jubi­lä­um oder bei der Neu­eröff­nung. Aber hier sind wir alle sind gefor­dert. Bür­ger und Ver­wal­tung

Ama­zon und Co. pla­gen auch die Händ­ler in den Groß­städ­ten. Hin­zu kommt noch die Gefahr der Ansied­lung von Mega-Cen­­tern oder ‑malls. Da geht es uns eigent­lich und beschau­lich bes­ser.

Die Händ­ler der Innen­stadt betrei­ben ihr Geschäft für sich. Es ist ihre Exis­tenz. Aber sie bespie­len dadurch auch die Innen­stadt und tra­gen auf die­se Wei­se zur Attrak­ti­vi­tät unse­res Rott­weils bei. Sie ste­hen am Abend noch in ihrem Geschäft und am Sams­tag, wenn wir alle frei haben. Die Räder von Han­del und Ver­wal­tung müs­sen effi­zi­en­ter inein­an­der­grei­fen. Gegen­sei­ti­ges Zuar­bei­ten ist wich­tig. Der Gewer­­be- und Han­dels­ver­ein (GHV) ist sehr enga­giert, aber kann das nicht leis­ten. Die Auf­ga­ben sind zu kom­plex und zeit­in­ten­siv. Es braucht einen Macher. Einen City-Mana­ger oder eine Mana­ge­rin, der/die dabei hilft, dass alle Händler-”Instrumente” im Ein­klang spie­len, sich um poten­ti­el­le Mie­ter für Leer­stän­de küm­mert, Haus­be­sit­zer moti­viert, Mie­ter zuzu­las­sen (Moh­ren, Hol­land,..),… und vie­les mehr.

Rott­wei­ler! Wir sind viel bes­ser als wir den­ken. Aber wir müs­sen noch bes­ser wer­den. Das schaf­fen wir nicht allei­ne. Als Halb­tags­kraft bekom­men wir nicht die Per­son, die wir brau­chen. Wir brau­chen eine/n Macher/in. Und die Per­son muss beim Handel/GHV ange­sie­delt sein. Nicht bei der Stadt. Aber der GHV kann sich eine sol­che Stel­le nicht leis­ten. Mein Appell an die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger. Unter­stüt­zen Sie Ihre Stadt, dass sie nicht aus­blu­tet. Mein Appell an die Stadt­ver­wal­tung. Unter­stüt­zen Sie Stadt, Han­del und GHV maxi­mal bei Suche und beim Gehalt eines City-Mana­gers bezie­hungs­wei­se einer City-Mana­ge­­rin. In und um Rott­weil pas­siert jetzt und in den nächs­ten Jah­ren extrem viel. Wir soll­ten nicht ris­kie­ren, dass die Innen­stadt­struk­tur da nicht mit­kommt.

Micha­el Grimm, Rott­weil

 

3 Kommentare

  1. Die­ser Bericht ähnelt mehr einem Face­book Post als einem Zei­tungs­ar­ti­kel. Es wer­den sicher­lich wich­ti­ge Fak­ten genannt die­se wer­den aber nicht belegt son­dern in popu­lis­ti­schen Wei­se auf­ge­zählt. Als Redak­teur und Jour­na­list soll­te man auf sach­li­cher Ebe­ne argu­men­tie­ren und nicht wer­ten­de und per­sön­lich schrei­ben.
    Ich stim­me jedoch zu dass ein Ein­kaufs­zen­trum das Poten­ti­al Rott­weils min­dern wür­de. In Zei­ten des Online­shop­pings ist der Ein­zel­han­del rück­läu­fig. Will man die­sen stär­ken sind Ein­kaufs­zen­tren kon­tra­pro­duk­tiv.

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