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Rottweil
Donnerstag, 12. Dezember 2019

Retrospektive in Rottweil: Holger Rabenstein zum 75.

Aus­stel­lung im Stadt­mu­se­um und Alten Rat­haus / Eröff­nung am 28. Novem­ber


Der Rott­wei­ler Gestal­ter Hol­ger Raben­stein fei­ert im Dezem­ber sei­nen 75. Geburts­tag. Aus die­sem Anlass ist ab dem 28. Novem­ber die Son­der­aus­stel­lung „Hol­ger Raben­stein zum Fünf­und­sieb­zigs­ten* eine Retro­spek­ti­ve“ im Stadt­mu­se­um und im Alten Rat­haus zu sehen. Zudem gibt es Son­der­füh­run­gen und Druck­vor­füh­run­gen. Aus­stel­lungs­er­öff­nung ist am Don­ners­tag, 28. Novem­ber, um 18 Uhr im Stadt­mu­se­um. Es begrüßt Bür­ger­meis­ter Dr. Chris­ti­an Ruf. Eine Ein­füh­rung in Werk und Aus­stel­lung erfolgt durch Prof. Dr. Andre­as Schreit­mül­ler, Redak­ti­ons­lei­ter bei ARTE.

Sei­ne Spu­ren hat Raben­stein über­all in der Stadt hin­ter­las­sen. Schon mit sei­nen Sie­b­­druck-Pla­­ka­­ten ab den 60er-Jah­­ren zum Bei­spiel für den Stadt­jun­gend­ring Rott­weil, das Forum Kunst oder die Stadt Rott­weil zeig­te Raben­stein sei­ne viel­fäl­ti­gen Gestal­­tungs-Ide­en und sei­ne Freu­de am Spiel mit Far­ben. Freie abs­trak­te Seri­gra­phi­en oder foto­rea­lis­ti­sche Dru­cke zum Teil mit star­kem Rott­wei­ler Bezug gehö­ren eben­falls zu sei­nen frü­hen Wer­ken wie Auf­trags­ar­bei­ten für Küns­t­­ler-Kol­­le­gen wie Erich Hau­ser, Romu­ald Hengst­ler oder Franz und Wil­li Bucher. Aber Hol­ger Raben­stein beschäf­tig­te sich auch mit Foto­gra­fie oder bei­spiels­wei­se Design und Gestal­tung von Beton­glas­fens­tern, was die Aus­stel­lung im alten Rat­haus und Stadt­mu­se­um außer­dem doku­men­tiert.

Nach dem Abitur 1966 am Alber­­tus-Magnus-Gym­­na­­si­um und einem län­ge­ren Lon­don-Auf­­en­t­halt begann Raben­stein schließ­lich ein Indus­­trie­­de­­sign-Stu­­di­um bei Wil­helm Braun-Fel­d­­weg und Juli­us Pose­ner (Bau­ge­schich­te) an der HFBK in Ber­lin. Beson­ders letz­te­rer weck­te sein Inter­es­se an his­to­ri­schen Gebäu­den, was schließ­lich mit der engen Freund­schaft zu Alfons Bürk in die ver­dienst­vol­le Sanie­rer­grup­pe des Stadt­ju­gend­rings mün­de­te. Zu die­ser Zeit exis­tier­te ein städ­te­bau­li­ches Gut­ach­ten, wonach zir­ka 40 Pro­zent der Rott­wei­ler Innen­stadt hät­te abge­ris­sen wer­den sol­len.

Um das Erscheinungsbild Rottweils verdient gemacht

Raben­stein und sei­ne Mit­strei­ter haben sich daher in gro­ßem Maße am heu­ti­gen Erschei­nungs­bild der Stadt ver­dient gemacht und damals durch ihr Wir­ken ein Umden­ken in der Stadt­be­völ­ke­rung und den Ent­schei­dern aus­ge­löst. Neben ande­ren Aus­zeich­nun­gen erhielt die Rott­wei­ler Grup­pe schließ­lich 1981 den Deut­schen Denk­mal­schutz­preis, bezeich­nen­der­wei­se zeit­gleich mit sei­nem ehe­ma­li­gen Pro­fes­sor Juli­us Pose­ner. Aus der Beschäf­ti­gung mit his­to­ri­schen Bau­stof­fen ent­wi­ckel­te Hol­ger Raben­stein auch eine frü­he Form öko­lo­gi­schen Haus­baus, so dass par­al­lel zu Denk­mal­schutz­pro­jek­ten etwa auch ein „Recy­cling­haus“ in Zim­mern ent­stand. Die Jubi­lä­ums­au­stel­lung zeigt auch dazu eine Art Doku-Akti­on. In der Fol­ge bekam Hol­ger Raben­stein 1986 dann den Auf­trag zur Restau­rie­rung der „Alten Apo­the­ke“ in Rosen­feld, zu der Zeit der ältes­te datier­te Wohn­bau Süd­deutsch­lands (1257).

Den viel­fäl­tig inter­es­sier­ten Raben­stein ver­schlug es dann zum Film. Sei­ne alten Freun­de Die­ter Funk und Andre­as Streit­mül­ler boten ihm die Aus­stat­tung des Films Ama­ro­se an, der mit Otto San­der und Mil­va in Rott­weil und Mai­land ent­stand. Auch den Film „Unter dem Berg“, die ers­te HDTV-Pro­­­duk­­ti­on in Deutsch­land, stat­te­te Raben­stein aus. Auch dazu fin­den sich Expo­na­te und ist ein Film­tag geplant.

Die Fasnet dokumentiert

Auch in der Rott­wei­ler Fas­net war er aktiv. Anläss­lich der Erfas­sung der Rott­wei­ler Lar­ven 1973/74 hat­te Raben­stein die Idee, die­se sämt­lich foto­gra­fisch zu doku­men­tie­ren, mit der Absicht einen Stamm­baum der Rott­wei­ler Stil­rich­tun­gen zu erstel­len. Der Ver­trag mit der Nar­ren­zunft ist Teil der Aus­stel­lung. Auf eine Anfra­ge des ehe­ma­li­gen Stadt­ar­chi­vars Dr. Win­fried Hecht hin ent­stand in der Raben­stein­schen Werk­statt ein Fak­si­mi­le der Nar­ren­ta­fel von 1871, da die­se aus kon­ser­va­to­ri­schen Grün­den nicht mehr aus­ge­stellt wer­den konn­te. Mit beson­de­rer Geneh­mi­gung der Stadt folg­te eine limi­tier­te hand­ko­lo­rier­te Auf­la­ge die­ses ein­zig­ar­ti­gen Doku­ments der Rott­wei­ler Fas­net.

Trotz all die­ser viel­sei­ti­gen Akti­vi­tä­ten blieb Hol­ger Raben­stein bis heu­te dem Sieb­druck zuge­wandt, was sich bei­spiels­wei­se in den der Pop­art ent­lie­he­nen Por­träts des Rott­wei­ler Hun­des nie­der­schlug, die zur spek­ta­ku­lä­ren Andy War­hol-Aus­­stel­­lung im Domi­ni­ka­ner ent­stan­den. Raben­stein druck­te die­se Seri­gra­phi­en vor den Augen der Besu­cher. Jüngs­tes Objekt in der Aus­stel­lung zum Geburts­tag des ver­dien­ten Rott­wei­ler Bür­gers ist die Stahl­plas­tik, die Raben­stein anläss­lich der 500-Jahr­­fei­er „Ewi­ger Bund“ für die Ver­tre­ter der Eid­ge­nos­sen als Ehren­ga­be ent­warf und anfer­tig­te. Sie zeigt den Schwei­zer Fähn­rich vom Markt­brun­nen.

Dem viel­fäl­ti­gen Wir­ken von Hol­ger Raben­stein sowohl im künst­le­ri­schen wie auch Design- oder Bau­be­reich zollt die Aus­stel­lung nicht nur die ver­dien­te Aner­ken­nung, son­dern macht den Rund­gang unter ande­rem mit alten Pla­ka­ten von Kehr­aus­bäl­len, Fotos von Archi­tek­tur­de­tails, Plas­ti­ken und vie­lem mehr zu einem span­nen­den Erleb­nis. Vor­füh­run­gen zur Tech­nik des Sieb­drucks gibt es direkt vor Ort. Son­der­füh­run­gen mit tie­fer­ge­hen­den Erläu­te­run­gen und unter­halt­sa­men Anek­do­ten macht Hol­ger Raben­stein per­sön­lich. Unter ande­rem dabei möch­te er den Besu­chern das Grund­prin­zip sei­nes Schaf­fens von den Sanie­rern bis zur Aus­stat­tung von Ver­an­stal­tun­gen oder Druck­gra­fi­ken unter dem Aspekt „Spar­sam­keit der Mit­tel“ deut­lich machen.

Info: Die Aus­stel­lung ist zu den nor­ma­len Öff­nungs­zei­ten im Stadt­mu­se­um Di – So 14.00–16.00 und im Rat­haus Mo, Di, Mi. 8.00 – 16.00 Uhr, Do 08:00 – 18:30 Uhr und Fr 08:00 – 12:30 Uhr zuse­hen. Die Aus­stel­lung endet am 24.1. 2020.

Son­der­füh­run­gen im Stadt­mu­se­um am
Sa. 30.11.2019 14.15–15.45 Uhr
Sa. 14.12.2019 14.15–15.45 Uhr
Sa. 11.01.2020 14.15–15.45 Uhr
und auf Anfra­ge

 

 

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