Auffahrunfall auf der Einfädelspur. Foto: Sven Maurer

Am Diens­tag­abend hat sich ein Auf­fahr­un­fall auf der B 14 bei Rott­weil ereig­net. Eine 17-Jäh­ri­ge Motor­rad­fah­re­rin wur­de ver­letzt. Der Unfall hat zudem eine Debat­te aus­ge­löst: Wie ver­hal­te ich mich rich­tig beim Ein­fä­deln? Die NRWZ ver­sucht, die­se Fra­ge zu beant­wor­ten.

Der Unfall selbst ereig­ne­te sich auf der Auf­fahrt Rott­weil-West. Dort, am Ende des Beschleu­ni­gungs­strei­fens, prall­te die jun­ge Bike­rin mit ihrer Maschi­ne auf einen hal­ten­den Klein­wa­gen. Die 17-jäh­ri­ge Motor­rad­fah­re­rin ver­letz­te sich schwer. Die Auto­fah­re­rin erlitt laut Poli­zei einen Schock.

Leser der NRWZ bezeich­nen die Stel­le als schwie­rig für Ver­kehrs­teil­neh­mer. Die Ein­fä­del­spur sei kurz, der Ver­kehr auf der B 14 flie­ße rasch dar­an vor­bei. „Mit den meis­ten Autos schafft man es nicht, dort so zu beschleu­ni­gen, dass man gefahr­los ein­fä­deln kann”, schreibt eine Lese­rin auf der NRWZ-Face­book­sei­te. „Stän­dig steht da einer”, ergänzt sie.

Hal­ten­des Auto über­se­hen: Unfall beim Ein­fä­deln. Foto: Sven Mau­rer

Einfach Vollgas geben?

Man rät ihr unter­schied­li­ches: „Mal ’nen Gang zurück schal­ten und Gas geben” sowie „ein­fach ein star­kes Auto kau­fen … Voll­gas geben” einer­seits und „dann muss man eben war­ten bis genug Platz ist” ande­rer­seits. Einer meint, in der Fahr­schu­le gelernt zu haben, dass man am Anfang des Beschleu­ni­gungs­strei­fens anhal­ten und war­ten sol­le. Ande­re wis­sen aus der Fahr­schu­le noch, dass sie durch­fah­ren sol­len bis zu des­sen Ende, dann zur Not anhal­ten, um schließ­lich sicher ein­zu­fä­deln. Wei­ter auf der Stand­spur – das geht an der Auf­fahrt übri­gens nicht. Es gibt kei­ne.

Wie sieht nun die Rechts­la­ge bei Auto­bah­nen und Kraft­fahr­stra­ßen aus? Wie ver­hal­ten sich Ver­kehrs­teil­neh­mer rich­tig? Wir haben Mir­ko Metz­ler, Fach­an­walt für Ver­kehrs­recht in der Rott­wei­ler Anwalts­kanz­lei Hirt und Teu­fel befragt. Er ver­weist auf Para­graf 18 Absatz 3 der Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung (StVO): „Der Ver­kehr auf den durch­ge­hen­den Fahr­spu­ren hat Vor­fahrt”, so der Rechts­an­walt. „Die Fahr­zeu­ge auf der Beschleu­ni­gungs­spur sind war­te­pflich­tig und dür­fen auf die durch­ge­hen­den Fahr­spu­ren der Auto­bahn oder Kraft­fahr­stra­ße nur dann auf­fah­ren, wenn der durch­ge­hen­de Ver­kehr nicht gefähr­det oder behin­dert wird. Auf die Beach­tung sei­nes Vor­fahrts­rechts darf der durch­ge­hen­de Ver­kehr ver­trau­en.” Der Gesetz­ge­ber bezeich­net dies als Ver­trau­ens­grund­satz.

Nun ist die B 14 kei­ne Auto­bahn. „Rechts­la­ge bei sons­ti­gen Ein­fä­de­lungs­strei­fen ist Para­graf 7a, Absatz 2 der StVO”, sagt Metz­ler und ergänzt: „Hier gilt grund­sätz­lich das­sel­be wie auf Auto­bah­nen und Kraft­fahr­stra­ßen. Auf den Ein­fä­de­lungs­strei­fen fin­det sich regel­mä­ßig das Ver­kehrs­schild ‚Vor­fahrt ach­ten’, das bedeu­tet, dass der Ver­kehr auf der durch­ge­hen­den Fahr­spur Vor­fahrt hat.

Tipps vom Anwalt

Wie ver­hal­te ich mich nun? Die Beschleu­ni­gungs­spur bezie­hungs­wei­se der Ein­fä­de­lungs­strei­fen soll das Ein­fä­deln erleich­tern, erklärt der Fach­an­walt. Des­halb darf auch schnel­ler gefah­ren wer­den als der Ver­kehr auf der durch­ge­hen­den Fahr­spur. „Kann jedoch ohne Gefähr­dung oder Behin­de­rung des Ver­kehrs auf der durch­ge­hen­den Fahr­spur nicht ein­ge­fä­delt wer­den, muss das Ein­fä­deln abge­bro­chen und not­falls ange­hal­ten wer­den”, so der Anwalt. „Ein Stand­strei­fen ist kei­ne ver­län­ger­te Beschleu­ni­gungs­spur und darf dafür nicht benutzt wer­den. Dar­auf ist die Geschwin­dig­keit beim Ein­fä­deln ein­zu­rich­ten.”

Metz­lers Tipp: Ver­kehrs­teil­neh­mer soll­ten sich so früh wie mög­lich nach hin­ten über den Ver­kehrs­fluss auf der durch­ge­hen­den Fahr­spur ver­ge­wis­sern. Befin­den sich meh­re­re Fahr­zeu­ge auf dem Ein­fä­de­lungs­strei­fen, so müs­sen sie hin­ter­ein­an­der ein­fä­deln, das heißt, das vor­ders­te Fahr­zeug hat gegen­über den Fahr­zeu­gen dahin­ter Vor­rang. Schluss mit dem Über­ho­len der Vor­aus­fah­ren­den auf der Beschleu­ni­gungs­spur also (die häu­fig genug noch von Beschimp­fun­gen und belei­di­gen­den Ges­ten des Über­ho­len­den an den Über­hol­ten beglei­tet wird).

Zum Ein­fä­deln müs­se immer eine aus­rei­chend gro­ße Lücke vor­han­den sein, so der Fach­an­walt. Ist die nicht vor­han­den, müs­se man als Auf­fah­ren­der eben war­ten.
Aber auch, wenn der Ver­kehr auf der durch­ge­hen­den Fahr­spur Rück­sicht gegen­über sol­chen Fahr­zeu­gen neh­men soll, die ein­fä­deln wol­len, blei­be es bei der Vor­fahrt derer, die schon auf der Auto­bahn oder Bun­des­stra­ße sind. „Das Ein­fä­deln darf nicht erzwun­gen wer­den.”

Bei Auto­bah­nen und mehr­spu­ri­gen Kraft­fahr­stra­ßen soll der vor­bei­flie­ßen­de Ver­kehr von der rech­ten auf die lin­ke Fahr­spur wech­seln, um das Ein­fä­deln zu ermög­li­chen, „aber nur dann, wenn der Ver­kehr auf der lin­ken Fahr­spur nicht gefähr­det oder behin­dert wird”, warnt Metz­ler. Der Ein­fäd­ler dür­fe sich nicht dar­auf ver­las­sen, dass das pas­siert. Auch auf eine Licht­hu­pe dür­fe nicht in dem Sin­ne ver­traut wer­den, dass man ein­fä­deln darf – denn die Licht­hu­pe ist ein Warn­si­gnal.

Der Anwalt sieht die Rechts­la­ge als völ­lig ein­deu­tig: „Kommt es zum Unfall, haf­tet wegen eines Vor­fahrts­ver­sto­ßes der­je­ni­ge, der von einem Ein­fä­de­lungs­strei­fen kommt, grund­sätz­lich allein. Der­je­ni­ge, der von einem Beschleu­ni­gungs­strei­fen sofort auf die lin­ke von meh­re­ren durch­ge­hen­den Fahr­spu­ren wech­selt, muss im Fal­le eines Unfal­les damit rech­nen, dass er wegen Stra­ßen­ver­kehrs­ge­fähr­dung bestraft wird und die Fahr­erlaub­nis ent­zo­gen bekommt.”

Eben­so wenig rat­sam ist es, bewusst für Auf­fah­ren­de abzu­brem­sen, wie man­che rück­sichts­vol­le Ver­kehrs­teil­neh­mer auf der Auto­bahn oder Schnell­stra­ße das tun, um ein schnel­les Ein­fä­deln zu ermög­li­chen. Denn der nach­fol­gen­de Ver­kehr darf weder behin­dert noch gefähr­det wer­den. Die nach­fol­gen­den Fah­rer jeden­falls müs­sen nicht mit einem sol­chen Brems­ma­nö­ver rech­nen. Kommt es zum Unfall, kann der grund­los Brem­sen­de zumin­dest eine Mit­schuld haben.

Weitere Tipps

Die Pres­se­stel­le des Online-Markt­plat­zes Autoscout24 hat in einer Tippstre­cke zusam­men gefasst, wie Ver­kehrs­teil­neh­mer sich auf Beschleu­ni­gungs­strei­fen am bes­ten ver­hal­ten:

  • Fah­ren Sie zunächst lang­sam auf die Beschleu­ni­gungs­spur und machen Sie sich ein Bild von der Ver­kehrs­la­ge. Ist der rech­te Fahr­strei­fen frei oder sehen Sie eine grö­ße­re Lücke, kön­nen Sie Gas geben und auf die Schnell­stra­ße oder Auto­bahn auf­fah­ren. Dabei soll­ten Sie den Beschleu­ni­gungs­strei­fen mög­lichst voll aus­nut­zen.
  • Set­zen Sie den lin­ken Blin­ker, um anzu­zei­gen, dass Sie auf­fah­ren möch­ten. Sche­ren Sie lang­sam ein und hal­ten Sie das Lenk­rad sta­bil. Beob­ach­ten Sie immer den nach­fol­gen­den Ver­kehr. Mit­un­ter kom­men Autos mit einer hohen Geschwin­dig­keit ange­fah­ren.
  • Ver­su­chen Sie in kur­zer Zeit, die Geschwin­dig­keit zu errei­chen, die auf der rech­ten Fahr­spur gefah­ren wird. Oft­mals liegt die­se über 100 km/h. Sind Sie zu lang­sam, stel­len Sie nach dem Ein­fä­deln für den nach­fol­gen­den Ver­kehr eine Gefahr dar.
  • Sie soll­ten nicht sofort nach dem Auf­fah­ren auf die Auto­bahn auf die Über­hol­spur wech­seln. Dies kann gefähr­lich wer­den. Been­den Sie das Ein­fä­deln zunächst auf der rech­ten Fahr­spur, indem Sie auf die Geschwin­dig­keit des flie­ßen­den Ver­kehrs beschleu­ni­gen und ein Stück auf der Spur fah­ren. Danach ori­en­tie­ren Sie sich und blin­ken erneut, um anzu­zei­gen, dass Sie auf die Über­hol­spur wech­seln möch­ten.
  • Das Anhal­ten auf dem Beschleu­ni­gungs­strei­fen soll­ten Sie nach Mög­lich­keit ver­mei­den. Sie behin­dern den nach­fol­gen­den Ver­kehr, wenn Sie aus dem Stand den Spur­wech­sel voll­zie­hen. Gibt es kei­nen Stand­strei­fen, müs­sen Sie aller­dings zwin­gend anhal­ten. Andern­falls besteht die Mög­lich­keit, dass Sie auf dem Stand­strei­fen wei­ter­fah­ren. Ach­ten Sie auf ste­hen­de Fahr­zeu­ge. Aller­dings geht, wer den Stand­strei­fen auf die­se Wei­se nutzt, das Risi­ko eines Buß­gelds ein. Bei vol­ler Auto­bahn und unmit­tel­bar hin­ter einer Auf­fahrt haben Auto­fah­rer beim Pas­sie­ren des Stand­strei­fens in der Regel meist kei­ne Stra­fe zu erwar­ten. Dies liegt jedoch im Ermes­sen des Poli­zei­be­am­ten.
  • Drän­geln Sie sich nicht rein. Sie haben kei­ne Vor­fahrt, wür­den viel­mehr einen Vor­fahrts­ver­stoß bege­hen. Sind sie unsi­cher, blei­ben sie bes­ser auf dem Beschleu­ni­gungs­strei­fen ste­hen und war­ten, bis sie eine Lücke fin­den, die aus­rei­chend groß ist, um das Auf­fah­ren zu ermög­li­chen.

Info: Die aus­führ­li­chen Tipps gibt es hier.