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Rottweil
Donnerstag, 12. Dezember 2019

Rottweil hat eine neue Kreissparkasse – und ein eigenes Vitra Design Museum

Der 25-Mil­­lio­­nen-Euro-Anbau an die bestehen­de Haupt­stel­le der Kreis­spar­kas­se Rott­weil ist vie­les. Er ist ener­gie­ef­fi­zi­ent, auf den Punkt fer­tig gewor­den, das Stadt­bild prä­gend, Arbeits­platz für vie­le Men­schen, Anlauf­stel­le für Bank­ge­schäf­te aller Art, Aus­druck des Erfolgs eines regio­na­len Kre­dit­in­sti­tuts und Aus­stel­lungs­flä­che hie­si­ger Kunst­schaf­fen­der. Aber er ist auch das: ein innen­ar­chi­tek­to­ni­sches Schmuck­stück, in dem sich das Schwei­zer Unter­neh­men Vitra aus­to­ben, wo es ein Pres­ti­ge­ob­jekt schaf­fen konn­te. Kurz: Die neue Kreis­spar­kas­se Rott­weil ist ein zwei­tes Vitra Design Muse­um, neben dem in Weil am Rhein. Am Frei­tag­abend wur­de es offi­zi­ell eröff­net.


Tho­mas Wiest ist an die­sem Abend auch vie­les. Er ist zunächst ange­spannt, dann ein wenig gelös­ter. Er ist froh, dass es geschafft ist, er ist stolz auf das Geleis­te­te. Er ist uner­müd­li­cher Erklä­rer beim Füh­ren einer gro­ßen Grup­pe gela­de­ner Gäs­te durch den Neu­bau, die zwi­schen­zeit­lich zu lachen­den Spiel­kin­dern mutie­ren. Tho­mas Wiest ist Abtei­lungs­di­rek­tor Orga­ni­sa­ti­on der Kreis­spar­kas­se und inter­ner Pro­jekt­lei­ter für den Um- und Neu­bau der Haupt­stel­le.

Eines sei­ner Lieb­lings­wor­te (neben Nach­hal­tig­keit, für den der Bau auch steht, dazu spä­ter mehr): Kon­se­quenz. Mit eben die­ser sei die neue Haupt­stel­le innen gestal­tet wor­den. Aus einer Aus­schrei­bung sei der Schwei­zer Design­mö­bel­her­stel­ler Vitra als Pro­jekt­part­ner her­vor­ge­gan­gen, sagt Wiest der NRWZ. Und der habe sich qua­si krumm gelegt für das Rott­wei­ler Vor­ha­ben. Habe ein Pres­ti­ge­ob­jekt geschaf­fen. Abso­lut kon­se­quent, so Wiest. Gemein­sam habe man kei­ne hal­ben Sachen gemacht.

Daher wagen wir mal die Vor­her­sa­ge: Die neue Kreis­spar­kas­se wird nicht nur ihrem eigent­li­chen Zweck die­nen, Kun­den zu bedie­nen und Mit­ar­bei­tern eine ange­neh­me und effi­zi­en­te Arbeits­at­mo­sphä­re zu bie­ten. Sie wird auch an Möbel-Design und Innen­ar­chi­tek­tur Inter­es­sier­te anlo­cken, die viel­leicht gera­de des­halb mal das Gespräch mit einem Pri­va­te Ban­ker der Rott­wei­ler Kreis­spar­kas­se suchen, um sich mit dem in einen der durch­de­sign­ten Mee­tin­g­räu­me oder auf eines der schi­cken Vit­ra­so­fas zurück­zu­zie­hen.

Und noch eine Vor­aus­sa­ge wagen wir: Älte­re Damen, vor allen Din­gen, ver­mis­sen den alten Kun­den­be­reich. Einen Auf­zug zum neu­en, sie fin­den nur eine lan­ge, brei­te Trep­pe vor – deren Brei­te übri­gens das aus Nach­hal­tig­keits­grün­den erhal­ten geblie­be­ne Gerip­pe des Alt­baus vor­ge­ge­ben hat. Wenn die­se älte­ren Damen, von denen zwei sich schon bei der NRWZ-Redak­­ti­on gemel­det haben, dann über den außen am Gebäu­de ange­brach­ten Weg bar­rie­re­frei von der König­stra­ße aus im wun­der­bar design­ten neu­en Kun­den­be­reich ange­kom­men sind, dann wer­den sie ihren Ärger über den feh­len­den Auf­zug rasch ver­ges­sen. Dann wer­den sie ein neu­es Gebäu­de betre­ten haben, das sie eigent­lich nichts als will­kom­men heißt. Dann mag man ihnen nur noch wün­schen, dass ihr Kon­to­stand es zulässt, dass die neu­en Geld­au­to­ma­ten Schei­ne im Über­fluss für sie aus­spu­cken und der Invest­ment­ban­ker immer einen Ter­min für sie frei hat und einen lecke­ren Espres­so oben­drein.

Die gela­de­nen Gäs­te am Frei­tag – vom Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten über Bür­ger­meis­ter, Spar­kas­sen­ver­tre­ter aus der gan­zen Regi­on, Kom­mu­nal­po­li­ti­ker, Kam­mer­ver­tre­ter, Hand­wer­ker und Pres­se­leu­te – haben den Neu­bau innen stau­nend und man­cher von ihnen viel­leicht auch ein wenig nei­disch betrach­ten kön­nen. Das rote Band ist zer­schnit­ten wor­den, der mehr­stö­cki­ge Kun­­­den- und Mit­ar­bei­ter­be­reich damit sei­nem Zweck über­ge­ben wor­den.

Stich­wort Nach­hal­tig­keit: Neu ist nicht nur das Gebäu­de. Son­dern auch ein Eis­spei­cher, ein 670 Kubik­me­ter Was­ser fas­sen­der Behäl­ter unter der Zufahrt zum Kun­den­park­platz. Im Win­ter wird die­sem Was­ser die Wär­me ent­zo­gen und mit ihr, über Wär­me­tau­scher, das Haus beheizt. All­mäh­lich wird das Was­ser so zu Eis. Und des­sen Käl­te wird im Som­mer wie­der­um zum Küh­len des Gebäu­des gebraucht. Kein Per­pe­tu­um mobi­le, aber offen­bar eine effi­zi­en­te Metho­de, das Gebäu­de bei Bedarf zu hei­zen bezie­hungs­wei­se zu küh­len.

Spar­kas­sen­di­rek­tor Roland Eck­hardt

Das Prin­zip klap­pe nur bei Gebäu­den mit einem gleich­mä­ßi­gen Ener­gie­be­darf, so Spar­kas­sen­di­rek­tor Roland Eck­hardt, der die illus­tre Run­de der Gäs­te im neu­en Haus begrüß­te. Aber die Kreis­spar­kas­se sei als Büro­ge­bäu­de ide­al.

Drei Jah­re dau­er­ten die Bau­ar­bei­ten, berich­te­te KSK-Vor­­­stand­s­­vor­­­sit­zen­­de Mat­thä­us Rei­ser. Das neue Gebäu­de sei ein Schmuck­stück gewor­den, die Kun­den sei­en begeis­tert, sag­te er. Die Ent­schei­dung, die alte Spar­kas­se zu sanie­ren und einen Neu­bau anzu­fü­gen, das Pro­jekt so umzu­set­zen, wie es eben nun umge­setzt wor­den ist, basie­re auf lang­fris­ti­ger Stra­te­gie, auf einem Inves­ti­ti­ons­plan, der genau ein­ge­hal­ten wor­den sei.

KSK-Vor­­­stand­s­­vor­­­sit­zen­­der Mat­thä­us Rei­ser (rechts), Zwei­ter von rechts: Archi­tekt Die­ter Bro­g­ham­mer.

Pla­ner und Archi­tek­ten hät­ten ein ”inno­va­ti­ves Gebäu­de mit Atmo­sphä­re geschaf­fen”, lob­te Rei­ser. Der Archi­tekt, Die­ter Bro­g­ham­mer, nahm das Kom­pli­ment ger­ne an. Er ver­wies aber auch auf die Hür­den, die zu neh­men gewe­sen sei­en.

Wenn es nach Bro­g­ham­mer gegan­gen wäre, hät­te man den Alt­bau kom­plett abge­ris­sen. Nicht das Gerip­pe ste­hen gelas­sen, Nach­hal­tig­keit hin, Nach­hal­tig­keit her. Das sag­te er aber nun, nach Fer­tig­stel­lung und nach ”ner­ven­auf­rei­ben­den letz­ten Wochen”, mit einem nach­sich­ti­gen Lächeln.

Am Sonn­tag, 24. Novem­ber, nach­mit­tags soll das Gebäu­de mit den Kun­den, mit den Bür­gern, der Öffent­lich­keit gefei­ert wer­den. Die Kreis­spar­kas­se lädt zum Tag der Offe­nen Tür. Die Zel­te ste­hen schon.

Eindrücke von der offiziellen Eröffnung der neuen Rottweiler Kreissparkasse

 

 

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