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Donnerstag, 14. November 2019
Rott­weil Rott­weil: „Narren“-Film hat Kino-Pre­mie­re

Rottweil: „Narren“-Film hat Kino-Premiere

Grim­me-Preis­trä­ge­rin­nen stel­len Doku­men­ta­ti­on zur Fas­net fer­tig

Am Don­ners­tag hat er Welt­pre­mie­re: Der Kino-Doku­­men­­tar­­film „Nar­ren“. Drei Jah­re lang haben die Stutt­gar­ter Fil­me­ma­che­rin­nen Sig­run Köh­ler und Wil­trud Bai­er die Rott­wei­ler Fas­net mit der Kame­ra beglei­tet. Nun kann sich das Publi­kum bei den 53. Inter­na­tio­na­len Hofer Film­ta­gen einen Ein­druck von ihren Recher­chen machen. Anfang 2020 soll der Film in die Kinos kom­men.

Die Regis­seu­rin­nen Sig­run Köh­ler (links) und Wil­trud Bai­er warm ein­ge­packt wäh­rend der Dreh­ar­bei­ten. Fotos: pm

Noch sei der Schnitt nicht ganz aus­ge­reift, noch feh­le der letz­te Schliff, schränkt Wil­trud Bai­er im Gespräch mit der NRWZ ein. „Aber wir woll­ten den vie­len Leu­ten, die uns in Rott­weil unter­stützt haben signa­li­sie­ren: was lan­ge währt wird end­lich gut – der Film kommt!“, fügt sie lachend hin­zu.

Da weicht Anspan­nung, denn sat­te drei Jah­re sind die bei­den Fil­me­ma­che­rin­nen bereits an ihrem Fas­­nets-Pro­­jekt dran. In hun­der­ten Stun­den Film­ma­te­ri­al haben sie nicht nur Nar­ren­sprün­ge und das bun­te Trei­ben in den Stra­ßen und Gas­sen fest­ge­hal­ten. Sig­run Köh­ler und Wil­trud Bai­er haben auch vie­le ande­re Sze­nen rund um die Fas­net mit der Kame­ra beob­ach­tet – von Ver­an­stal­tun­gen der Nar­ren­zunft bis zum ansons­ten sehr pri­va­ten Gesche­hen an den tol­len Tagen in Rott­wei­ler Häu­sern und Fami­li­en.

Die Fil­me­ma­che­rin­nen sind dabei tief ein­ge­taucht, haben behut­sam beob­ach­tet – ohne durch auf­trump­fen­de Tech­nik und pom­pö­ses Aus­leuch­ten in die Sze­nen ein­zu­grei­fen und allein sie schon durch wuch­ti­ge Anwe­sen­heit zwangs­läu­fig zu einer Insze­nie­rung zu machen. Das an sich ist schon etwas Beson­de­res.

Hin­zu kommt jedoch noch der Trans­fer in ein Erzähl­for­mat. Das Fil­­me­­ma­cher-Duo hat kei­nes der all­zu bekann­ten Erzähl­mus­ter über das Mate­ri­al gestülpt, hat kei­ne auf Hoch­glanz getun­te Mar­ke­­ting-Masche mit den oft gehör­ten, aus­ge­stanz­ten For­mu­lie­run­gen zur Fas­net abge­spult. Viel­mehr berich­ten Köh­ler und Bai­er von der Fas­net, den Nar­ren und den Rott­wei­lern mit Sym­pa­thie und Wär­me.

Genau die­ser ein­fühl­sa­me Beob­­ach­­tungs- und Erzähl­stil, der einen Stoff nicht umformt son­dern mit Respekt beglei­tet, hat­te den Rott­wei­ler Andre­as Schreit­mül­ler – seit Jah­ren in ver­ant­wort­li­cher Posi­ti­on beim deutsch-fran­zö­­si­­schen Kul­tur­sen­der Arte tätig – ver­an­lasst, dem Tadem die Fas­net als The­ma ans Herz zu legen.

Denn mit ihrer Arbeits­wei­se ste­chen Sig­run Köh­ler und Wil­trud Bai­er in der Fil­­me­­ma­cher-Sze­­ne her­aus. In ihrem Kino­film „Schot­ter wie Heu“ (2002) haben sie etwa Deutsch­lands kleins­ter Bank, ansäs­sig in Gam­mes­feld (Kreis Eich­stätt), ein viel beach­te­tes humor­vol­les Por­trait gewid­met. Oder 2007 dem legen­dä­ren Schlag­zeu­ger von Frank Zap­pas „Mothers of Inven­ti­on“ ein Denk­mal gesetzt, der in einem bay­ri­schen Kaff lebt – ein „inter­na­tio­na­ler Hei­mat­film“ über Sex, Drugs, Rock’n Roll und kei­ne Ren­te.

Die bis­her größ­ten Wel­len hat ihr Doku­men­tar­film „Alarm am Haupt­bahn­hof“ über das schwer umstrit­te­ne Pro­jekt „Stutt­gart 21“ geschla­gen. Für die­sen Strei­fen erhiel­ten Sig­run Köh­ler und Wil­trud Bai­er, bei­de Absol­ven­tin­nen der Film­aka­de­mie Baden-Wür­t­­te­m­berg 2012 einen renom­mier­ten Grim­­me-Preis – sozu­sa­gen der Rit­ter­schlag für anspruchs­vol­le Fil­me­ma­cher.

Ob es für ihr Rot­t­­weil-Pro­­jekt „Nar­ren“ auch Prei­se gibt, wird sich wei­sen. Mit dem Start bei den Hofer Film­ta­gen jeden­falls beginnt der obli­ga­to­ri­sche Par­cours über die Fes­ti­vals. Wann genau der Film in die Kinos kommt – selbst­ver­ständ­lich mit fei­er­li­cher Pre­mie­re in Rott­weil, wie Sig­run Köh­ler gegen­über der NRWZ betont, ist noch offen. Pla­nungs­stand: Anfang 2020. Inter­es­se an dem The­ma scheint es aber auch andern­orts zu geben. „Kaum war die ers­te Pres­se­mit­tei­lung der Film­för­de­rung raus, haben sich die ers­ten Kinos gemel­det, die den Film zei­gen wol­len“, freut sich Sig­run Köh­ler. Rott­wei­ler dürf­te das wenig über­ra­schen. Sie wis­sen, dass es kaum span­nen­de­re The­men gibt als die Fas­net.

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