Wolfgang Wesner (von links) und Günter Weist gratulieren Erhard Eppler zum 90. Geburtstag. Das Foto ist bei der Feierstunde der Landes-SPD am 9. Dezember 2016 in Stuttgart entstanden. Mit auf dem Foto zwei Mitarbeiterinnen des Willy-Brandt-Hauses. Foto: spd

Kreis Rott­weil. Die SPD trau­ert um Erhard Epp­ler. Er wur­de 92 Jah­re alt. Auch im Land­kreis Rott­weil lös­te die Nach­richt vom Tod des SPD-Vor­den­kers gro­ße Betrof­fen­heit aus. Vie­le SPD-Mit­glie­der erin­nern sich an unver­gess­li­che per­sön­li­che Begeg­nun­gen mit ihm. SPD-Kreis­vor­sit­zen­der Mir­ko Wit­kow­ski spricht von einem unglaub­li­chen Ver­lust: „Einer der ganz gro­ßen Sozi­al­de­mo­kra­ten ist von uns gegan­gen. Er war sei­ner Zeit immer vor­aus.“

Erhard Epp­ler wur­de am 9. Dezem­ber 1926 in Ulm gebo­ren. Nach dem Lehr­amts­stu­di­um, das er 1953 an der Uni­ver­si­tät Tübin­gen abschloss, kam er als Gym­na­si­al­leh­rer nach Schwen­nin­gen am Neckar, wo er bis 1961 unter­rich­te­te. Schwen­nin­gen gehör­te damals zum Land­kreis Rott­weil. Von 1961 bis 1976 war er Abge­ord­ne­ter im Bun­des­tag, von 1968 bis 1974 Bun­des­mi­nis­ter für wirt­schaft­li­che Zusam­men­ar­beit.

Erhard Epp­ler (von links) mit dem dama­li­gen Deiß­lin­ger SPD-Orts­ver­eins­vor­sit­zen­den Bru­no Bant­le. Foto: spd

Danach ver­trat er von 1976 bis 1982 als SPD-Abge­ord­ne­ter den Wahl­kreis Rott­weil im Land­tag von Baden-Würt­tem­berg. Bis 1980 war er Vor­sit­zen­der der SPD-Land­tags­frak­ti­on. Am 30. Juni 1982 leg­te er sein Man­dat nie­der. Sein Nach­fol­ger als Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter wur­de der Obern­dor­fer Anwalt Klaus Hai­scher. Lan­des­vor­sit­zen­der der SPD war Erhard Epp­ler von 1973 bis 1981. Bei den Land­tags­wah­len 1976 und 1980 war er Spit­zen­kan­di­dat der SPD. Gegen die Minis­ter­prä­si­den­ten Hans Fil­bin­ger (1976) und Lothar Späth (1980) konn­te er sich jedoch nicht durch­set­zen.

Respekt und Hochachtung

Mit Respekt und Hoch­ach­tung bli­cken die SPD-Mit­glie­der im Land­kreis Rott­weil zurück. „Ich war 1976 sein regio­na­ler Wahl­kampf­lei­ter“, berich­tet Rai­ner Roth aus Rott­weil. Und wei­ter: „Erhard war nicht ein­fach, er war auch kein Mar­xist, wie wir dama­li­gen Jusos. Trotz­dem habe ich ihn unter­stützt. Erhard hat­te ande­re Visio­nen und war, was damals in unse­rer Par­tei nicht mehr­heits­fä­hig war, offen für öko­lo­gi­sche und umwelt­po­li­ti­sche Fra­gen. Er war nach­denk­lich, kein Volks­tri­bun. Vor den Fabrik­to­ren wirk­te er höl­zern.“

Franz Bau­mann, lang­jäh­ri­ger UNO-Spit­zen­be­am­ter aus Schram­berg, sagt: „Epp­lers Tod nach einem über­vol­len und ehr­ba­ren Leben ist ein gro­ßer Ver­lust für die SPD und Deutsch­land. Erhard Epp­ler, ein mora­lisch inte­grer Mann und pro­fun­der Den­ker, war sei­ner Zeit weit vor­aus. Ich habe zwei per­sön­li­che Erin­ne­run­gen an ihn. Es muss Anfang der sieb­zi­ger Jah­re im Herbst oder Win­ter gewe­sen sein, dass Epp­ler im Albert-Schweit­zer-Saal einen Vor­trag hielt. Es war schon dun­kel als ich von der Stei­ge hin­über – und an ihm vor­bei­ging, wie er in der dunk­len Zep­pe­lin­stra­ße stand und sich offen­bar inner­lich vor­be­rei­te­te. Ich grüß­te ihn und obwohl er mich nicht kann­te, frag­te er mich, ob ich auf dem Weg zum Albert-Schweit­zer Saal sei. Als ich bejah­te, bat er mich aus­zu­rich­ten: „Sag, I komm glei.“ Im Land­tags­wahl­kampf 1980 gab es eine Podi­ums­dis­kus­si­on im Sul­ge­ner Hasen, zu der er den Gra­phik­künst­ler Klaus Staek mit­brach­te, der hin­ten einen Tisch mit Pla­ka­ten auf­bau­te.“

Schram­bergs ehe­ma­li­ger Ober­bür­ger­meis­ter Her­bert O. Zinell erin­nert sich eben­falls an per­sön­li­che Begeg­nun­gen bei Wahl­kampf­ver­an­stal­tun­gen und ande­ren Gele­gen­hei­ten: „Erhard Epp­ler wan­der­te ger­ne wäh­rend des Wahl­kampfs.“ Und wei­ter: „Er war auch Gast bei einer Ver­an­stal­tung der dama­li­gen Jusos, da er uns pro­gram­ma­tisch sehr nahe­stand.“

Wer­ner Klank, von 1991 bis 2000 SPD-Orts­ver­eins­vor­sit­zen­der in Schram­berg, erin­nert sich an eine sehr gut besuch­te Lesung mit Erhard Epp­ler im damals noch exis­tie­ren­den klei­nen Bären­saal: „Ich habe Erhard Epp­ler damals in Rott­weil abge­holt. Er hat dann vor der Ver­an­stal­tung bei uns im Schlaf­zim­mer einen Mit­tags­schlaf gemacht, bevor wir gemein­sam in den Bären gegan­gen sind.“

Interview für die Schülerzeitung

Chris­to­phe Neff, Sohn der bei­den Schram­ber­ger Sozi­al­de­mo­kra­ten Eve­ly­ne und Win­fried Neff, erin­nert sich: „Ich selbst habe damals als Schü­ler, als er bei uns beim Mit­tag­essen war, auch mal für die Schü­ler­zei­tung des Gym­na­si­ums ein Inter­view mit Erhard Epp­ler gemacht. Für mich war Erhard Epp­ler einer der ganz gro­ßen Män­ner der SPD der Nach­kriegs­jah­re, – ein gro­ßer Den­ker – der mich sehr beein­druckt hat. Aber unab­hän­gig was ich von Epp­ler hal­te, in Schram­berg war er sehr prä­sent.“

Gün­ter Weist, ehe­ma­li­ger Vor­sit­zen­der des SPD-Orts­ver­eins Deiß­lin­gen erin­nert sich noch gut an den engen Kon­takt, den Erhard Epp­ler zu den Deiß­lin­ger Genos­sen pfle­ge. In einem Gra­tu­la­ti­ons­schrei­ben vom 9. Dezem­ber 2006 zu Epp­lers 80. Geburts­tag schreibt Weist: „Ger­ne erin­ne­re ich mich auch noch an eini­ge Ver­an­stal­tun­gen in Deiß­lin­gen mit Dir. Bei­spie­le dafür sind eine öffent­li­che Wahl­kampf­ver­an­stal­tung im Jahr 1987 Cafe Hirt, bei der wir vom Ansturm total über­rascht wur­den und die Gäs­te sogar auf der Trep­pe im Gang saßen. Ein wei­te­rer Höhe­punkt war Dei­ne Rede und akti­ve Teil­nah­me beim Fest­akt anläss­lich unse­res 100-jäh­ri­gen Jubi­lä­ums in der Turn- und Fest­hal­le in Deiß­lin­gen am 2. Okto­ber 1999.“

Über 300 Besucher in der Festhalle

Bru­no Bant­le, eben­falls ehe­ma­li­ger Vor­sit­zen­der des SPD-Orts­ver­eins Deiß­lin­gen, erin­nert sich: „Erhard Epp­ler war seit 1958 immer wie­der ein sehr gern gese­he­ner Gast in Deiß­lin­gen. Laut SPD- Pro­to­koll­buch lau­te­te das The­ma 1958, als er erst­mals beim SPD-Orts­ver­ein refe­rier­te, „Atom­rüs­tung“. Im Janu­ar 1976 fand die wohl größ­te poli­ti­sche Ver­samm­lung in Deiß­lin­gen statt, als Erhard Epp­ler, SPD- Lan­des­vor­sit­zen­der und Kan­di­dat für das Minis­ter­prä­si­den­ten­amt, in der Fest­hal­le vor mehr als 300 Besu­chern sprach.“

Auch And­ree Weid­ner aus Wel­len­din­gen erin­nert sich an per­sön­li­che Begeg­nun­gen: „Erhard war für mich ein Vor­bild. Ich war nicht immer sei­ner Mei­nung, aber für mich war er ein ech­ter Sozi­al­de­mo­krat. Auf einer Wan­de­rung durch das Wut­ach­tal konn­te ich mit ihm eini­ges Reden, es war wahn­sin­nig Inter­es­sant.“